Rea Garvey bei "Sing meinen Song": "Meine Art ist nicht immer die richtige"

Bei "Sing meinen Song" springt Rea Garvey über seinen Schatten und singt Deutsch. Welche musikalischen aber auch menschlichen Herausforderungen ihm die Sendung auch abverlangt hat, erzählt der Sänger im GALA-Interview

Rea Garvey an seinem Abend bei "Sing meinen Song"

GALA: Sie sind endlich dabei. Es gab ja schon mehrere Versuche, Sie für „Sing meinen Song“ zu gewinnen ...
Rea Garvey: Ich wurde schon drei Mal gefragt. Das war jetzt das dritte Mal. Die ersten zwei Male wollte ich, aber habe gemerkt, dass ich einfach nicht in der Lage war mitzumachen. Ich hatte den Kopf nicht frei. Ich bin eigentlich hauptsächlich immer mit meiner Musik beschäftigt und bin überhaupt kein Multitasker- nullkommanull. Wenn ich eine Sache mache, versuche ich die so gut wie möglich zu machen. Als dieses Mal die Anfrage kam, war ich gerade fertig mit meinem Album „Neon“ und entspannt. Da habe mir gedacht: "Let’s Do it!"

War es jetzt der richtige Zeitpunkt?
Garvey: Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Es war eine super Runde. Ich glaube, das Wichtigste war, dass wir uns alle nicht so gut kannten. Ich glaube, wenn man zu gut befreundet ist, kennt man schon die ganze Geschichte  des anderen. Dadurch, dass wir uns nicht so gut kannten, waren viele neue Geschichten dabei. Das hat mir gut gefallen.

Habt ihr euch auf Anhieb gut verstanden oder gab es auch ein paar Startschwierigkeiten untereinander?
Garvey: Das war ganz unterschiedlich. Zwischen manchen war sofort eine Verbindung. Johannes kenne ich gut, Mark auch. Judith kannte ich flüchtig. Marian, Leslie und Mary kannte ich nicht. Da dachte ich mir halt: Ok, das ist eine spannende Reise, wenn du weißt, dass du mit jemandem zu tun hast, den du gar nicht kennst. Du weißt im Vorfeld nicht, was das für einen Typ Mensch du triffst. Manche machen zu und sagen gar nichts und andere sind sofort ganz offen. Ich bin jemand, der will, dass alle sofort aufmachen. Ich denke da an den Klassiker, den Hochzeitstisch.  Du sitzt neben Menschen, die du gar nicht kennst und denkst dir: Ich kann natürlich hier sitzen und nur für mich sein oder – fuck it – ich gehe zu jedem "Hallo" sagen. Meine Hoffnung war natürlich, dass wir uns alle gut verstehen. Das hätte natürlich auch anders kommen können. Aber in diesem Fall war es tatsächlich so, dass wir uns am Ende alle gut verstanden haben und eine gute Zeit zusammen hatten.

Haben Sie durch "Sing meinen Song" eine besondere Beziehung zu einem der Künstler aufgebaut?
Garvey: Da waren mehrere Momente. Marian Gold habe ich mir ein Mal geschnappt und ihm gesagt: Deine Geschichte will ich unbedingt hören. Ich liebe Geschichten-Erzähler. In Irland nennt man sie Seanchaí, ältere Menschen, die Geschichten erzählen. Du kannst dich neben sie setzen, stellst ein Bier hin und hörst zu. Bei Marian wollte ich unbedingt alles hören. Es war 4 oder 5 Uhr morgens als wir fertig waren. Das habe ich geliebt.

Einige der Musiker kannten Sie schon vorher. Hat sich die Verbindung zu ihnen nochmal intensiviert?
Garvey: Mark habe ich sehr schätzen gelernt. In ihm steckt so viel mehr als ich dachte. Seine Version von meinem Lied hat mich umgehauen. Johannes und ich haben schon vorher viel Zeit miteinander verbracht. Man trifft sich auf Festivals, geht an der Bar feiern, aber für die richtigen Geschichten oder Inhalte fehlt oft die Zeit. Das haben wir nachgeholt. Auch mit Leslie war das echt ein Adventure, ein Abenteuer. Ich musste ihr ganz oft sagen: "Erzähl mal, erzähl mal, erzähl mal!" Gerade bei ihr musste ich lernen, dass meine Art manchmal nicht die richtige ist. Du kannst nicht jeden drücken, bis sie irgendwann platzen (lacht) und dir ihre Geschichte erzählen. Mit Leslie hat das etwas gedauert. Ich habe ihr immer wieder gesagt: "Erzähl mal!" Und jetzt weiß ich: Sie ist eine tolle Frau.

Bleiben noch Judith Holofernes und Mary Roos ...
Garvey: Mary Roos und ich sind ein wenig ähnlich in unserer Art. Wir sind sofort daaa! Judith auch – ich wusste, dass wir uns verstehen würden. Das war mir klar. Wir haben auch eine ähnliche Geschichte. Ich als Frontmann bei "Reamonn", sie als Frontfrau bei "Wir sind Helden". Wir mussten beide unseren eigenen Weg finden. Ich fand es super, Zeit mit ihr zu verbringen. 

Judith Holofernes hat einen Ihrer Songs ins Deutsche übersetzt. Was hat das in Ihnen ausgelöst?
Garvey: Das Ding ist ein Hit! Ich habe mitgesungen und getanzt. Ich war sofort on fire. Da kommen so viele Erinnerungen wieder hoch, wenn wir darüber reden. Bei ihrer Version dachte ich wirklich: "Wow, ist das gut!" Das war auch wirklich ihre Interpretation. Ihre Stimme ist manchmal so ruhig in sich, hat aber gleichzeitig so einen Wahnsinns-Druck dahinter. Ich habe mich geehrt gefühlt. Ich fand es grandios.

Die Kunst ist, den Song nicht Wort für Wort zu übersetzen, sondern die Bedeutung. Das hat sie geschafft. Sie hat auch ihre eigene Sicht reingebracht, was ich liebe. Wenn jemand mir sagt, ich würde gerne ein Lied von dir interpretieren, kommt das natürlich immer auf den Künstler an, aber ihr habe ich gesagt: Bitte mach es! Ich habe so Bock zu hören, wie du das siehst. Sie war einmalig!

In der zweiten Folge dreht sich alles um Ihre Musik. Was haben Sie bei "Sing meinen Song" mehr genossen: Der Abend, an dem Ihre Songs interpretiert wurden, oder die Abende der anderen?
Garvey: Meine eigene Show war viel entspannter. Ich habe nicht so einen Druck gehabt. Ich konnte auf der Couch sitzen, hören und genießen. Es ist eine große Ehre, wenn jemand deine Musik interpretiert. Wenn ich in einer Kneipe sitze und jemand spielt Supergirl auf einem Klavier, bin ich beeindruckt. Ich finde das mega. Das habe ich auch für die anderen gemacht. Ich habe mich gefreut, nach monatelanger Vorbereitung endlich die Songs zu spielen und die Reaktionen zu sehen. Ich glaube, ich bin auch so gepolt. Ich arbeite nicht nur für mich. Ich will schon – nicht die Belohnung oder das Lob haben – aber  es in die Welt rausbringen. Musik ist für die Welt. Das ist nicht nur für mich. Das habe ich genossen.

Gab es einen Moment, bei dem Sie an Ihre Grenzen gekommen sind?
Garvey: Ja, den gab es bei Marian und dem "Alphaville"-Song "Big in Japan". Der hat mich echt fast geschafft. Ich habe lange gebracht, wir haben viel daran gearbeitet, es klang aber einfach nicht so gut im Studio. Ich war absolut nicht zufrieden. Es war ein hin und her. Irgendwann war es dann okay für mich und ich habe mir gesagt, dass ich auch mit Misserfolg umgehen können muss. Es wäre überheblich zu glauben, dass jeder Song auch ein Erfolg wird, dass alles was du machst, zu Gold wird. Bei der letzten Probe vor der Show haben wir das Ding an die Wand genagelt, dann war ich entspannt. Ich habe dann wirklich zwei Stunden, nachdem ich den Song das erste Mal überhaupt richtig gesungen habe und zufrieden war, live performt. Das war hart, aber auch lustig: Das war der Song, bei dem ich mir so sicher war und es unbedingt machen wollte, und er hat am meisten Arbeit gemacht. 

Für ihre Kollegen haben Sie haben auch das erste Mal auf Deutsch gesungen - eine echte Ausnahme. Warum?
Garvey: Ich sage immer: Warum soll ich auf Deutsch singen, wenn andere es schon so viel besser machen? Aber es ist ein Teil der Show, that’s the game we play. Ich wollte mit einem gewissen Stolz von der Bühne runterkommen. Damit meine Musiker-Kollegen wissen, dass ich mir wirklich Mühe gegeben habe . Ohne den Anspruch zu haben oder in dem Glauben, dass ich eine bessere Version schaffe als das Original. Meine Frage an die anderen war immer: Bist du okay damit? Fandest du es okay? Wenn ja, dann ist gut (lacht). Aber was das Singen auf Deutsch betrifft: Da gibt es immer noch viele andere, die es viel besser machen. Am Ende fand ich es gut, es hat mir Spaß gemacht.

Werden wir von Ihnen bald etwas auf Deutsch hören?
Garvey: Um Gottes Willen. Niemals. Ich sage eigentlich nie nie, aber hier sage ich ganz ehrlich: Es wird in nächster Zeit kein deutsches Album von Rea Garvey geben.

Mark Forster feiert in diesem Jahr sein Debüt als Gastgeber. Wie haben Sie ihn in dieser Rolle erlebt?
Garvey: Mark ist einfach so entspannt. Ihn stört nix. Ich komme schon manchmal aus der Ruhe. Ihn aber bringt nichts aus der Ruhe. Er war immer total entspannt, total gut vorbereitet. Mark ist jemand, der lebt das, was er macht. Wenn ich mehrere Sachen gleichzeitig mache, kann mich das mal aus der Bahn bringen. Ich bin wie gesagt kein Multitasker, für ihn war das kein Problem. Er war Host und Musiker. Das hat er super gemacht. 

Kurz vor dem Start von "Sing meinen Song" haben Sie ihr neues Album "Neon" veröffentlicht und dafür mit dem Hip-Hop-Produzenten Abaz zusammengearbeitet. Hip Hop ist jetzt nicht gerade das Erste, woran man bei dem Ihrer Musik denkt.
Garvey: Als Songwriter geht es dir oft so: Du magst Robbie Williams und denkst dir, dann schreibe ich ein Lied wie Robbie Williams. Radiohead liebe ich auch, also schreibe ich ein Lied wie Radiohead. Doch vor dem neuen Album hatte ich den Gedanken: "Ich bin ich – und das muss reichen." Durch diese Phase muss jeder irgendwann gehen. Sich selbst finden, eigenes Selbstbewusstsein finden. Es ist viel leichter, man selbst zu sein als jemand anderes. Es ist aber super schwierig dahin zu kommen, man selbst zu sein. Man glaubt, das geht so schnell, aber wir sind so beeinflusst von anderen, dass das echt schwer ist.

Wenn ich mit Abaz zusammenarbeite, bleiben das trotzdem meine Texte und meine Melodien. Wenn ich eine Platte mache, bei der ich merke, ich versuche jemanden nachzumachen, weiß ich auch, das Album landet in der Tonne. Ich beherzige immer den Rat meiner Mutter: "Sei du selbst." Als ich den Namen meiner ersten Band gesucht habe, wusste ich: Wir müssen "Reamonn" heißen, denn das bin ich.

Sing meinen Song: Der Rückblick

Diese Stars waren schon dabei

2010 gewann Lena Meyer-Landrut (26) den Eurovision Song Contest mit ihrem Hit "Satellite“. Auch in Staffel vier von „Sing meinen Song“ stellte die modeaffine Sängerin ihr Talent unter Beweis.
Der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier (33) lässt auf der Bühne gern mal mit seinem Hüftschwung die Herzen der Frauen höher schlagen. Die Herzen seiner Mitstreiter in Staffel eins von "Sing meinen Song“ konnte der Österreicher ebenfalls im Sturm erobern.   
Seit über zehn Jahren feiert Sarah Connor (37) bereits Erfolge auf der Bühne mit dem Hit "From Sarah with Love“ wurde sie berühmt. In Staffel eins wagte sich die Popsängerin an neue Genres wie den Party-Hit "Zuckerpuppen“ von Andreas Gabalier.
Ob mit den "Söhnen Mannheims“ oder Solo, Xavier Naidoo (46) ist aus der deutschen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder also, dass er in den ersten drei Staffeln als Gastgeber des Tauschkonzerts auftreten durfte. 2017 übergab er diese Rolle an "The BossHoss“.

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Sing meinen Song 2018

Das ist neu in Staffel fünf

Mary Roose, Judith Holofernes, Johannes Strate, Leslie Clio, Mark Forster, Rea Garvey
"Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" geht am 24.04.2018 in eine neue Runde. Welche Stars dieses Mal dabei sind und wo es die bunte Truppe hinführt, erfahren Sie im Video.
©Gala
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