"Orange Is The New Black": Serienempfehlungen für die letzten Wintertage

Der Frühling steht zwar vor der Tür, doch die Temperaturen sind einstellig und der Wind pfeift um die Baumkronen. Mit diesen Serien können Sie die Zeit bis zum Lenz ausgezeichnet überbrücken.

Piper Chapman (Taylor Schilling)

Draußen ist es kalt, teilweise stürmisch und im schlimmsten Fall regnet es auch noch - das lädt nicht unbedingt dazu ein, die Wohnung unnötig zu verlassen. An solchen Tagen gibt es nichts Schöneres, als es sich mit einer Decke und einem heißen Tee auf dem Sofa gemütlich zu machen. Damit die Unterhaltung garantiert ist, bieten sich vor allem Serien mit einem hohen Suchtfaktor an, um die letzten Wintertage angenehm zu verbringen. 

Serienempfehlungen von GALA

Der Dschungel der Streamingdienste bietet heutzutage allerdings endlose Möglichkeiten. Damit Sie Ihre Zeit nicht mit Suchen verschwenden, hat GALA die besten Serienempfehlungen für Wintertage für Sie zusammengestellt.

"Orange Is The New Black"

Piper Chapman (Taylor Schilling, 35) produziert und verkauft ihre eigene Seife und führt eine glückliche Beziehung mit ihrem Verlobten Larry Bloom (Jason Biggs, 41). Doch ihre Vergangenheit holt sie ein und sie wird zu 15 Monaten Haft verurteilt. Denn vor zehn Jahren transportierte sie einen Koffer voller Drogengeld für ihre damalige Geliebte Alex Vause (Laura Prepon, 40). Beinahe wäre die Tat verjährt gewesen, doch Alex denunzierte Piper in ihrem Prozess, weshalb es zu der späten Verurteilung kam.

Piper tritt ihre Haftstrafe im Litchfield-Gefängnis an. In der Strafanstalt mit minimaler Sicherheitsstufe angekommen, erleidet sie einen regelrechten Kulturschock: Piper, die in den letzten Jahren zu einer gesetzestreuen Bürgerin der oberen Mittelschicht wurde, trifft auf hart gesottene aggressive Frauen - und auf Alex, die Frau, die sie verriet...

Die Serie basiert auf der Biografie "Orange Is The New Black: Mein Jahr im Frauenknast" von Piper Kerman, 50. Allein durch das Wissen, dass zumindest einige Dinge tatsächlich geschehen sind, verleiht es der Serie ein hohes Maß an Authentizität. Aus dramaturgischen Gründen oder im Dienste der Entertainments, halten sich die Macher jedoch nicht ausschließlich an die Realität. Was die Serie besonders gut macht, ist den Gefängnis-Alltag äußerst facettenreich darzustellen.

Ohne zu viele Klischees zu verwenden wird die vorherrschende Hierarchie zwischen den Insassinnen, deren Beziehungen und die Lebensumstände dargestellt. Auch das Verhalten der Wärter, denen besonders in den USA häufig sadistisches Benehmen nachgesagt wird, spielt durchgehend eine tragende Rolle. Auch wenn die Serie grundsätzlich einen großen Comedy-Anteil aufweist, befasst sie sich dennoch mit bedeutungsträchtigen Themen wie Missbrauch, Migration, Asyl, Gewalt und Rassismus.

Alex Vause (Laura Prepon) und Piper Chapman (Taylor Schilling)

Die Serie, die sieben gleichbleibend gelungene Staffeln umfasst, prangert in vielen Hinsichten das US-amerikanische Justizsystem an. Hinzu kommt, dass die einzelnen Vergangenheiten der inhaftierten Frauen in Form von Rückblenden gezeigt werden. Das bringt die Protagonistinnen dem Publikum nicht nur näher, sondern bedient zugleich die Frage "Wird ein Krimineller geboren oder wird er gemacht?" auf sehr vielschichtige Weise.

"Orange Is The New Black" ist eine sehr unterhaltende Serie, die neben Humor, Spannung und Emotionen auch Gesellschaftskritik serviert - eine Dramedy-Serie par excellence. Alle sieben Staffel von "Orange Is The New Black" sind bei Netflix verfügbar.

"Tote Mädchen lügen nicht"

Der Selbstmord von High-School-Schülerin Hannah Baker (Katherine Langford, 23) schockierte die gesamte kleine Stadt, in der sie einst lebte. Hannahs Mitschüler und Freund Clay Jensen (Dylan Minnette, 23) erhält, einige Wochen nachdem sie sich das Leben nahm, ein ungewöhnliches Päckchen: Es enthält sieben Audiokassetten, auf denen Hannah ihre Geschichte erzählt und die dreizehn Gründe für ihren Suizid nennt.

"Tote Mädchen lügen nicht" befasst sich mit äußerst tragischen und vor allem wichtigen Themen. Die Serie basiert auf dem Roman "13 Reasons Why" von Jay Asher, 44. Die Story ist fiktiv, doch sie beleuchtet erschreckend realistisch, mit welchen Problemen Jugendliche unter Umständen alltäglich zu kämpfen haben. Hannah widerfahren extrem fürchterliche Dinge, aber auch eine Ansammlung von vergleichsweise harmlos erscheinenden Taten, verschlechtern ihren psychischen Zustand.

Die Handlung der Serie avanciert auf zwei Ebenen: In Form von Rückblenden erfährt der Zuschauer, was zu der Tragödie geführt hat. In der Gegenwart versucht Clay Hannah Beweggründe nachzuvollziehen und stellt jeden der Mitschuld hat zur Rede. Hannah wurde beleidigt, ausgegrenzt, auf ihren Körper reduziert, gemobbt, gestalkt und ihr Ruf wurde zerstört. Die Highschool-Schülerin wird durch diese Drangsalierungen stetig labiler und fühlt sich zunehmend isoliert.

"Tote Mädchen lügen nicht" zeigt auf ungeschönte und teilweise sogar brutale Weise, wie sehr rücksichtsloses Benehmen in bestimmten Fällen katastrophale Konsequenzen haben könnte: Denn man weiß nicht, was im Leben eines Menschen vor sich geht und wie das eigene Verhalten sich auf ihn auswirken kann. 

Hannah (Katherine Langford) wird von den Jungs an ihrer Schule gemobbt

Die Serie löste eine immense Kontroverse aus. Aufgrund der brisanten Thematik, insbesondere Selbstmord, verbreitete sich die Angst, dass Jugendliche das Gesehene eventuell nachahmen könnten. Dabei kann die Serie vielmehr als einen 'Leitfaden für Mitgefühl' verstanden werden, da sie die schmerzhaften Erfahrungen illustriert und versucht das Bewusstsein zu erweitern - gerade deshalb ist es wichtig sich auch mit solchen Themen zu befassen. Die Episoden, die explizite Inhalte umfassen, sind mit einer Trigger-Warnung gekennzeichnet.

"Tote Mädchen lügen nicht" ist zwar keine Wohlfühl-Serie, aber dafür regt sie zum Nachdenken an. Die herzzerreißend-authentischen schauspielerischen Leistungen von Katherine Langford, Dylan Minnette und dem restlichen Cast verleihen dem ohnehin düsteren Stoff eine große Tragweite. Der Inhalt der von Selena Gomez, 27, produzierten Serie soll davor warnen, welche folgenschweren Konsequenzen Mobbing und Diskriminierung hat. 

Hinzu kommt, dass die retrospektive Erzählweise wahnsinnig spannend ist und das Publikum gebannt der Aufklärung der 13 Gründe zuschaut - und sich damit auf eine Achterbahn der Gefühle begibt. Alle drei Staffeln von "Tote Mädchen lügen nicht" sind bei Netflix verfügbar - die vierte und finale Staffel folgt voraussichtlich diesen Herbst.

Spannend, spannender, "Dark" 

Winden, 2019: In dem vermeintlich langweiligen kleinen Ort wird seit mehreren Tagen der Jugendliche Erik Obendorf (Paul Radom, 17), der in seiner Freizeit mit Drogen dealte, vermisst. Eriks Mitschüler Jonas (Louis Hofmann, 22), Bartosz (Paul Lux, 26), Martha (Lisa Vicari, 23), Magnus (Moritz Jahn, 24) und dessen kleiner Bruder Mikkel (Daan Lennard Liebrenz, 25) machen sich auf in den Wald zu den "Windener Höhlen", um seinen dort versteckten Drogenvorrat zu stehlen.

Doch plötzlich dringen unheimliche Geräusche aus den Höhlen und die Jugendlichen haben nicht mehr das Gefühl, unter sich zu sein. Sie ergreifen die Flucht und müssen, nachdem sie in Sicherheit sind, etwas Schockierendes feststellen - Mikkel ist verschwunden. Dem Polizisten, und Vater von Mikkel, Ulrich Nielsen (Oliver Masucci, 51) kommt all das erschreckend bekannt vor: 33 Jahre zuvor verschwand sein Bruder unter ebenso rätselhaften Umständen. Welche Mysterien umgeben dieses unheilbringende Städtchen?

"Dark" ist die erste deutsche Serienproduktion aus dem Hause Netflix und übertraf alle Erwartungen. Die Serie war und ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ein Erfolg - und das aus gutem Grund. Das Verschwinden der Kinder deckt die verwobenen und lädierten Beziehung zwischen vier Familien auf, die bis in die 1950er und 1980er Jahre zurückreichen. Nach und nach werden die komplexen Familienkonstrukte entblättert und der Zuschauer beginnt zu verstehen, dass er nichts versteht.

Mikkel (Daan Lennard Liebrenz)

Die Serie ist vor allem für passionierte Rätsellöser das Richtige. Denn der enigmatische Plot, der äußerst spannend erzählt wird, kann und soll zunächst verwirren. Im Laufe der Zeit gelingt es dem Rezipienten zumindest, einige Puzzleteile zusammenzufügen - doch dann steht bereits das nächste große Fragezeichen im Raum. Die geniale Verschmelzung von detektivischen und übernatürlichen Elementen ist fesselnd. Hinzu kommt die sehr gelungene düstere Atmosphäre, die vor allem akustisch, aber auch visuell durch Mark und Bein dringt. 

"Dark" überzeugt mit einem erstklassigen Ensemble und einer ebenso spannenden wie undurchsichtigen Story. Die Serie ermutigt den Zuschauer geradezu die wildesten Theorien zum Geschehenen aufzustellen - das macht einfach Spaß! Deshalb und aufgrund der sagenhaften Cliffhanger werden Sie den Fernseher kaum ausschalten können. Aber Achtung: Hier ist volle Konzentration gefragt. Die Serie ist zum beliebten "nebenbei Schauen" nicht geeignet - doch die zeitliche Investition lohnt sich! Alle zwei Staffeln von "Dark" sind bei Netflix verfügbar - die dritte und finale Staffel folgt voraussichtlich diesen Sommer.

"Sneaky Pete"

Der Trickbetrüger Marius Josipovic (Giovanni Ribisi, 45) wird aus der Haft entlassen und widmet sich prompt seinem gewohnten Beruf. Der clevere Hochstapler nimmt die Identität seines ehemaligen Zellennachbars Pete Murphy (Ethan Embry, 41) an, um vor seinem einstigen Arbeitgeber, Gangsterboss Vince Lonigan (Bryan Cranston, 63), zu fliehen.

Er kann sich leicht als sein Gefängnisgenosse ausgeben, da Pete seine Familie seit über 20 Jahre nicht mehr gesehen hat. Marius begibt sich also zu der Farm von Petes Großeltern und wird dort aufgenommen. Doch dessen Familie hütet ebenfalls dunkle Geheimnisse und die Situation spitzt sich zu als Marius’ Bruder von Vince gefangen genommen wird…

In "Sneaky Pete" wird Spannung ganz großgeschrieben. Marius muss zügig an Geld kommen, um seinen Bruder aus den Fängen von Vince zu befreien. Daher plant er, die Murphys zu bestehlen - eine Aufgabe für einen professionellen Betrüger. Das besonders Spannende an der Serie ist es, Marius dabei zu beobachten, wie er sich meisterhaft aus jeder verzwickten Lage herauszuwinden kann. Denn es entstehen durchaus Situationen, in denen er in Erklärungsnöte gerät - einige Familienmitglieder zweifeln gelegentlich an seiner Glaubwürdigkeit. Doch ein hauptberuflicher Schwindler, lässt sich davon kaum beirren.

Petes Großeltern: Audrey (Margo Martindale) und Otto Bernhardt (Peter Gerety)

Die Serie ist auch aufgrund ihrer Darsteller derart gut gelungen. Allen voran Giovanni Ribisi, der eine erstklassige Darbietung als Marius Josipovic leistet. Seine Rolle ist mit Abstand die komplexeste, da er nicht nur Marius wahre Gefühle porträtieren muss, sondern auch die vermeintlichen Emotionen seines "Alter Egos" - ein Schauspiel im Schauspiel.  Daneben ist Bryan Cranston gewohnt genial in der Rolle des kultivierten aber infamen Antagonisten. Niemand sonst hätte die Rolle des charmanten und zugleich angsteinflößenden Gangsters mit einer derartigen Lässigkeit spielen können. Zudem überzeugen Margo Martindale, 68, und Peter Gerety, 79, in den Rollen der Großeltern, die immerhin den Mittelpunkt der Familie verkörpern und ihr eigenes Päckchen tragen.

"Sneaky Pete" ist eine packende Serie, die den Zuschauer fesselt, beeindruckt und amüsiert. Alle drei Staffeln von "Sneaky Pete" sind auf Amazon Prime Video verfügbar.

"Stranger Things" - schaurig schön

Indiana, 1983: In dem kleinen Städtchen Hawkins verschwindet urplötzlich der Junge Will Byers (Noah Schnapp, 15). Seine Mutter, Joyce (Winona Ryder, 48), wendet sich an einen alten Freund - Polizist Jim Hopper (David Harbour, 44) - um ihren Sohn ausfindig zu machen. Dabei stoßen sie auf ein außergewöhnliches Mysterium, das streng geheime Experimente der Regierung zu beinhalten scheint.

Und auch Wills beste Kumpels Mike (Finn Wolfhard, 17), Dustin (Gaten Matarazzo, 17) und Lucas (Caleb McLaughlin, 18) sitzen nicht tatenlos herum: Sie machen sich auf die Suche nach ihrem vermissten Freund und treffen dabei im Wald auf ein seltsames Mädchen, das sie aufgrund ihrer Tätowierung am Arm (011) Elfi (Millie Bobby Brown, 16) nennen. Sie hat offenbar übernatürliche Fähigkeiten und scheint auch etwas über Wills Verschwinden zu wissen...

"Stranger Things" ist in Sachen Spannung nicht zu überbieten. Der Plot um den verlorenen Will verdichtet sich und kulminiert in einem gelungenen Sci-Fi-Epos mit Grusel-Elementen. Dabei erzeugen die Macher, Matt und Ross Duffer, 36, eine herrlich beklemmende Atmosphäre, die zum Fingernägel kauen verleitet, ohne es mit dem Horror zu übertreiben - die Serie ist demnach auch für Zuschauer mit schwächeren Nerven geeignet. Tatsächlich vereinen die Duffer-Brüder viele verschiedene Komponenten in dieser Serie. Zwischen der Coming-of-Age-Geschichte der Protagonisten und den übernatürlichen Sphären, positionieren sich eine ordentliche Portion Humor und jede Menge Emotionen.

Der Flair der Achtzigerjahre wird unglaublich gut wiedergegeben. "Stranger Things" einzuschalten bedeutet, sich in eine Zeitmaschine zu begeben. Das Set, die Kostüme und die Requisite sind bis ins kleinste Detail perfekt abgestimmt. Jeder Zuschauer, der alt genug ist, wird vermutlich mindestens einen Gegenstand oder ein Kleidungsstück entdecken, das er selbst einst besaß. Hinzu kommt, dass Fans von Filmen der 1980er Jahre aufgrund der zahlreichen Referenzen auf ihre Kosten kommen werden - von "Stand by me" bis "E.T" und "Die Goonies" wird jeder Klassiker clever eingebaut.

"Stranger Things" ist ein Liebesbrief an die Achtzigerjahre. Die Serie ist zudem derart gut erzählt, dass zu keinem Zeitpunkt Längen entstehen - die Spannung ist konstant. Außerdem sind die schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller unfassbar gut. Besonders betont werden muss Millie Bobby Brown, die die weltfremde aber trotzdem mächtige Elfi äußerst überzeugend porträtiert. Winona Ryder spielt die Rolle der Mutter eines verschwundenen Kindes so glaubhaft, dass das Publikum ihre Verzweiflung beinahe anfassen kann. Mit dieser Serie erleben Sie schöne, lustige, gruselige, nostalgische und emotionale Momente. Daher ist das Suchtlevel bei dieser Serie extrem hoch: Der idealer Begleiter für die letzten Wintertage. Alle drei Staffeln von "Stranger Things" sind bei Netflix verfügbar - die vierte Staffel folgt 2021.

"This Is Us - Das ist Leben"

Jack (Milo Ventimiglia, 42) und Rebecca Pearson (Mandy Moore, 35) haben geheiratet und erwarten ihre ersten Kinder. Als bei der Geburt ihrer Drillinge nur zwei Kinder überleben, adoptieren sie kurzerhand ein weiteres Kind, das am gleichen Tag geboren und bei einer Feuerwache abgegeben wurde. Die Geschichten der Geschwister und ihrer Eltern werden im Laufe der Zeit illustriert.

Die Handlung setzt am 36. Geburtstag der Zwillinge Kevin (Justin Hartley, 43) und Kate (Chrissy Metz, 39), sowie Adoptivbruder Randall (Sterling K. Brown, 43) ein. Kevin ist ein attraktiver und erfolgreicher Schauspieler in einer Sitcom, was ihn allerdings nicht glücklich macht. Kate arbeitet als Assistentin ihres Zwillings, ist adipös und möchte dies gern ändern. Randall ist Finanzexperte, mit Beth (Susan Kelechi Watson, 38) verheiratet und auf der Suche nach seinem leiblichen Vater... 

Das Grundgerüst von "This Is Us" ist simpel: Es ist die Geschichte einer Familie. Allerdings ist das Leben der Familie Pearson aus mehreren Gründen fesselnd: Zum einen springt die Handlung zwischen der Kindheit der als "Big Three" bekannten Geschwister in den 1980er Jahren in Pittsburgh und ihrem Erwachsenen-Dasein in Los Angeles (Kate und Kevin) und New Jersey (Randall) hin und her. So füllen sich immer mehr Lücken und der Zuschauer versteht allmählich, wie es zu Kevins Alkoholproblem, Kates Übergewicht oder Randalls Neurosen kam. Außerdem kommen immer mehr Details hinzu, sodass bereits bekannte Ereignisse von einer ganz anderen Seite beleuchtet werden.

Zum anderen geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und alltägliche Vorfälle, die nachvollziehbar sind und somit eine unglaubliche Nähe zum Publikum schaffen. Natürlich wird ein gewisses Level an Drama aufgebaut, das nicht in jeder Familie gegeben ist. Doch das verleiht der Serie Spannung und da die Macher genau die richtige Menge an Pathos verwenden, ohne in überhöhtem Maße kitschig zu werden, bewegt sie auch.

Wie ein Sprichwort sagt, trägt jeder Mensch sein Päckchen und "This Is Us" geht diesem Gepäck auf den Grund. Von Erziehung, Streitigkeiten zwischen Geschwistern und Eltern, Beziehungsprobleme über Hochzeiten, bis Trauerbewältigung verfügt die Serie über ein immenses Repertoire an emotionalen Motiven: Das sorgt sowohl für tragische als auch für wahnsinnig schöne Momente. Durch den Einsatz von Vor- und Rückblenden, wird der Spannungsbogen zusätzlich hochgehalten, da das Geschehene erst im Laufe der Folge aufgedröselt wird.

Von l. nach r.: Milo Ventimiglia (Jack), Jon Huertas (Miguel), Sterling K. Brown (Randall), Mandy Moore (Rebecca), Justin Hartley (Kevin), Chrissy Metz (Kate) und Susan Kelechi Watson (Beth)

Außerdem punktet die Serie mit erstklassigen Schauspielern. Sei es Milo Ventimiglia - der als Jess in "Gilmore Girls" bereits reihenweise Herzen stahl - als Vorzeige-Ehemann und Bilderbuch-Vater, der jedoch mit inneren Dämonen zu kämpfen hat. Oder Mandy Moore, die aufgrund des Verlustes ihres Kindes von Randalls Adoption zunächst nicht völlig überzeugt war und diesen Konflikt herzzerreißend authentisch darstellt. Und auch Chrissy Metz, Justin Hartley und Sterling K. Brown, sowie der restliche Cast machen einen fantastischen Job.

Diese Wohlfühl-Serie ist clever und liebevoll in Szene gesetzt. Die Storys aus dem Leben der Familie Pearson sind nicht nur emotional, sondern auch lebensnah. Jeder Zuschauer wird sich zumindest in einigen Aspekten wiederfinden können - der Titel trägt nicht ohne Grund den Zusatz "Das ist Leben". Sie werden lachen, Sie werden weinen aber vor allem werden Sie den Fernseher nicht ausschalten können. Alle drei Staffeln von "This Is Us" sind bei Amazon Prime Video verfügbar.

"You - Du wirst mich lieben" - gruselig und doch unterhaltend

Joe Goldberg (Penn Badgley, 33) arbeitet als Geschäftsführer in einem New Yorker Buchladen. Eines Tages betritt die anstrebende Schriftstellerin Guinevere Beck (Elizabeth Lail, 27) das Geschäft. Joe ist augenblicklich von ihr fasziniert. Aus der Faszination wird schnell Besessenheit, denn Joe stellt äußerst viele Nachforschungen an, um so viel wie möglich über Beck herausfinden.

Er treibt es so weit, dass er ihre Adresse und ihre Gewohnheiten herausbekommt, damit er ihr 'zufällig' begegnen kann. Joe ist bereit alles zu tun, um Beck an seiner Seite zu haben - und dafür schreckt er auch vor den abscheulichsten Taten nicht zurück…

Das Schockierende und Geniale an "You" ist, dass der Zuschauer mit dem Stalker namens Joe sympathisiert. Grundsätzlich ist es eine völlig untypische Herangehensweise, die Story aus der Perspektive des Täters und nicht des Opfers zu schildern. Dadurch ist der Rezipient zunächst gezwungen, mit Joe als Identifikationsfigur vorlieb zu nehmen. Außerdem lässt er den Zuschauer durch Voice-over an seinen Gedanken teilhaben, wodurch er recht tief in Joes Psyche eindringt. Seine charmante und sarkastische Stimme aus dem Off verleitet zum Schmunzeln.

Natürlich wird schnell deutlich, dass er jedoch, gelinde gesagt, extreme Abgrenzungsprobleme hat. Dennoch gestaltet es sich über weite Strecken schwierig, nicht mit ihm zu sympathisieren. Das liegt vor allem daran, dass er mit vielen Dingen Recht hat: Er verfügt über eine außerordentliche Menschenkenntnis. Durch seinen, zugegebenermaßen kranken, aber überaus scharfen Beobachtungssinn durchschaut er die meisten Menschen rasch.

Beck (Elizabeth Lail) wird von Joe (Penn Badgley) ständig beobachtet

Im Laufe der Serie ändert sich das Verhältnis zwischen Joe und dem Zuschauer, da er zunehmend grauenvolle Taten begeht. Doch sobald er seine Einschätzung der Situation darlegt, ist das Publikum erneut hin- und hergerissen. Der Stalker, der für sein messerscharfes Urteilsvermögen bewundert werden kann, und zugleich für sein niederträchtiges Handeln verachtet werden muss, sorgt für einen immensen Spannungsbogen. Der Zuschauer ordnet seine eigenen Beurteilungen des Gesehenen ständig neu.

Die Serie überzeugt mit sehr guten Schauspielern, allen voran Penn Badgley, durchgehender Spannung und einer ordentlichen Portion Witz - sie hat definitiv ein hohes Suchtpotenzial. In der zweiten Staffel verschiebt sich zwar die Dynamik, doch auch diese Folgen sind sehenswert. Beide Staffeln von "You - Du wirst mich lieben" sind bei Netflix verfügbar.

Höchste Spannung im "Haus des Geldes"

Der sogenannte Professor (Álvaro Morte, 45) ist ein hochintelligenter Mann, der den größten Coup aller Zeiten plant: die Banknotendruckerei in Madrid zu infiltrieren. Für diesen Zweck stellt er eine Gruppe von acht Leuten zusammen, die sich, um persönliche Bezüge zu vermeiden, nach Städten benennen.

Tokio (Úrsula Corberó, 30), Nairobi (Alba Flores, 33), Berlin (Pedro Alonso, 48), Rio (Miguel Herrán, 23), Helsinki (Darko Peric, 43), Oslo (Roberto García, 45), Denver (Jaime Lorente, 28) und Moskau (Paco Tous, 55) dringen in die Banknotendruckerei ein, während der Professor den Raub von außen koordiniert. Ihr Ziel ist es, im Eiltempo Geldscheine zu drucken, um insgesamt über zwei Milliarden Euro zu erbeuten. Ob der Plan des scharfsinnigen Professors aufgehen wird?

Die spanische Serie aus dem Hause Netflix hat einen unglaublich hohen Spannungsbogen. Das Drehbuch ist derart gut geschrieben, dass der Zuschauer von den vielseitigen Wendungen völlig überrascht wird. Es ist unvermeidlich, dass sich im Laufe des Überfalls die Polizei und Sondereinsatzkräfte einschalten. Doch der Professor glänzt als begnadeter Strippenzieher und scheint den Beamten stets einen Schritt voraus zu sein.

Das Publikum wird Zeuge eines genialen Schachspiels zwischen Polizei und Kriminellen, bei dem jeder Zug der letzte sein könnte. Die Bankräuber verkaufen sich nicht nur in der Serie gut an die Öffentlichkeit - sie achten auf ein gewaltfreies Image -, sondern auch den Rezipienten sind sie sympathisch, wodurch er in hohem Maße mitfiebert. Unterm Strich: Fängt man einmal mit "Haus des Geldes" an, ist es beinahe unmöglich, die Serie nicht innerhalb kürzester Zeit zu Ende zu schauen.

Von l. nach r.: Oslo (Roberto García), Helsinki (Darko Peric), Tokio (Úrsula Corberó), Rio (Miguel Herrán), Berlin (Pedro Alonso), Nairobi (Alba Flores), der Professor (Álvaro Morte), Moskau (Paco Tous) und Denver (Jaime Lorente)

Für die spannende und unterhaltende Serie waren zunächst nur zwei Staffeln vorgesehen, denn damit ist die Geschichte rund um den Raub abgeschlossen. Aufgrund des immensen Erfolgs wurde die spanische Produktion jedoch um einen dritten Teil erweitert. Die dritte Staffel schlägt eine politischere Richtung ein, da die Protagonisten nun dem System den Kampf ansagen. Dabei erinnern auch die Salvador-Dalí-Masken immer stärker an Guy Fawkes beziehungsweise die Anonymous-Gruppierung. Dadurch erhält die Serie eine neue und äußerst interessante Dynamik, die ebenso spannend zu verfolgen ist - eine clevere Weiterführung des Plots.

Im April erscheint die vierte Staffel, die sicherlich das hohe Niveau der vorherigen Teile halten wird. Daher ist nun der ideale Zeitpunkt, um sich die ersten drei Staffel von "Haus des Geldes" bei Netflix anzusehen - dann vergehen die kalten Wintertage wie im Flug.

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Verwendete Quelle: YouTube

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