Schauspieler Max Simonischek: "Sexismus ist immer noch ein Thema"

Max Simonischek spielt in dem Film "Die göttliche ­Ordnung" einen Mann, der glaubt, Frauen gehörten ins Haus. In GALA spricht er über Gleichberechtigung, Putzen – und Aufklärung

Max Simonischek

Ein bisschen verwuschelt sieht Max Simonischek aus, als er die gemütliche, in Holz gehaltene Interview-Suite im "Alpen Hotel" in München betritt. Wir nehmen auf dem Sofa Platz, ganz gen­tlemanlike wartet er, bis ich mich gesetzt habe. Der Kalender des Schauspielers ist voll mit Promo-Terminen für einen der erfolgreichsten Schweizer Filme aller Zeiten: "Die göttliche Ordnung". Darin spielt der gebürtige Berliner den Schreiner Hans, der mit seiner Frau Nora 1971 in einem beschaulichen Dorf im Kanton Appenzell lebt. Hier bekommt man zunächst wenig mit von der pulsierenden weltweiten 68er-Bewegung – bis Nora beginnt, vehement für das Frauenwahlrecht zu kämpfen. Allerdings fremdeln die Männer und auch einige der Frauen stark mit dem Gedanken der Gleich­berechtigung. So wie auch Hans …

Herr Simonischek, wollten Sie schon mal eine Frau sein?

Vielleicht in der Pubertät mal kurz, beim Duschen oder so, aus anatomischem Interesse ... (lacht) Nein, aber sonst nicht. Ich muss allerdings hinzufügen, ich erwische mich in letzter Zeit bei dem Gedanken, dass die Welt eine andere wäre, wenn es mehr Frauen in Machtpositionen gäbe. Das ist jetzt zwar nicht das Gleiche, aber ich bin dennoch davon überzeugt: Es würde weniger Gewalt und Übel geben, zu dem Schluss bin ich gekommen. Aber eine Frau möchte ich auch unter diesem Aspekt nicht sein.

Wie würde denn die Welt Ihrer Meinung nach aussehen, wenn mehr Frauen politisch zu entscheiden hätten?

Ich habe das Gefühl, dass Frauen weniger machtorientiert sind, weniger dominant und egoistisch, dafür aber sehr viel kompromissbereiter. Sie boxen ihre Interessen einfach auf andere Art und Weise durch.

Wie waren die Dreharbeiten, quasi allein unter Frauen?

Ehrlich? Ich habe das gar nicht so empfunden, das waren einfach ganz tolle Drehtage. Ich mache da gar keinen Unterschied. Außerdem stehen bei Dreharbeiten so viele Männer drum herum, zum Beispiel Beleuchter und Regieassistenten. Ich komme mir da längst nicht als Hahn im Korb vor.

Sie leben in Berlin-Neukölln, einem Multikulti-Stadtteil. Welchem Frauenbild begegnen Sie dort im Alltag?

Wir haben bei uns alles und alle sind auch irgendwie gleich, trotz der Vielfalt. Wir haben Frauen, die Kopftücher tragen oder Burkas, dann die jungen Hot Pants tragenden Hipster. Ich mag das total und das funktioniert auch, dieses Leben und Leben-Lassen. Nur in der Arbeitswelt ist das noch mal eine ganz andere Sache.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel dass Frauen in meinem Beruf, besonders am Theater, immer noch schlechter bezahlt werden als Männer, obwohl sie die gleichen anspruchsvollen Rollen spielen. Das regt mich auf.

Schweizer Sensationserfolg: In "Die göttliche Ordnung" von Petra Volpe kämpft eine Hausfrau im Jahr 1971 in der Schweiz für das Frauenwahlrecht. Die engagierte Komödie gewann den Publikumspreis beim New Yorker Tribeca Film Festival. Ab 3. August im Kino

"Die göttliche Ordnung" hat sich auch im Ausland enorm gut verkauft, bis hin nach New York … 

Ja, das macht uns sehr stolz, Gleich­berechtigung ist und bleibt eben ein universales Thema. Auch Sexismus ist ein Thema im Film und auch leider immer noch in der Realität. Der Blick auf den Hintern einer Kollegin, so fängt es oft schon an, auch dieses Thema braucht Öffentlichkeit und Sensibilität, und zwar weltweit.

Thema im Film ist auch die verstaubte Sexualmoral in den Siebzigerjahren in der Schweiz. Wie wurden Sie eigentlich aufgeklärt?

Ich bin ja bei meiner Mutter aufgewachsen. Meine Mutter hat immer voll gearbeitet. Mit diesem Frauenbild bin ich auch groß geworden. Meine sexuelle Aufklärung war eine Mischung aus "Augen zu und durch", Biologieunterricht und Learning by doing. (lacht)

Sie sind mit einer Journalistin verheiratet. Wie sieht Gleichberechtigung in Ihrem Alltag aus? Wer bringt den Müll runter? Wer kocht?

Wir haben keine Aufgabenverteilung. Wer zu Hause ist, der macht eben etwas. Ich würde sogar sagen, tendenziell kümmere ich mich mehr um den Haushalt als meine Frau. Das ist für mich auch völlig in Ordnung. Übrigens, eine attraktive Frau, zu denen ich meine Frau durchaus zähle, ist eine selbstständige und selbstbestimmte Persönlichkeit, eine, die im Leben auch gut alleine zurechtkommt.

Wann haben Sie denn zuletzt die Wohnung gesaugt?

Ich glaube vor zwei Wochen, als ich zu Hause war. Wir putzen übrigens auch manchmal zusammen und hören Musik dabei, das kann sogar auch mal Spaß machen.

Was hören Sie denn?

Jazz zum Beispiel. Oder auch mal die Sportnachrichten.

Im Film kämpfen Frauen für ihr Wahlrecht. Haben Sie schon einmal für etwas gekämpft in Ihrem Leben?

Ja, das habe ich. Vor zwei Jahren fiel ein Champions-League-Spiel auf eine Theater-Premiere. und plötzlich gaben viele Besucher an den Vortagen ihre Karten zurück. Das Ensemble wollte, dass wir den Termin verschieben, und die Direktion sträubte sich. Da haben wir dann mächtig Dampf gemacht, und am Ende hat es geklappt.

Ihr Vater ist der Schauspieler Peter Simonischek, der mit "Toni Erdmann" weltberühmt wurde. Wie ist Ihr Verhältnis?

Sehr gut. Und wir haben ein Agreement, dass der eine nicht über den anderen spricht. Wir nehmen uns als eigenständige Künstler wahr. Wir gehen auch unterschiedlich mit Öffentlichkeit um. Wir wollen aber unbedingt mal zusammenarbeiten. Es gibt schon verschiedene Ideen, auch für eine Filmproduktion.

Ist Ihr Vater Ihr Vorbild?

Mein Vater ist mir vor allem als Vater und Mensch ein Vorbild. Beruflich möchte ich grundsätzlich keinen Vorbildern nacheifern und meinen eigenen Weg gehen.

Planen Sie Kinder?

Ja, in jedem Fall. Das wäre eine große Aufgabe, mit einer Riesenverant­wortung. Ich freue mich darauf, wenn es so weit ist.

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