Robert Redford: Ganz der Alte!

Robert Redford bietet dem seelenlosen Blockbuster-Kino die Stirn: mit einem packenden Thriller, der an die Glanzzeit Hollywoods erinnert

Für Fans ist sein neuer Film ein Rundum-glücklich-Paket. Beim Dreh von "The Company You Keep – Die Akte Grant" stand Robert Redford als Hauptdarsteller vor und als Regisseur hinter der Kamera. Und trotz seiner inzwischen 76 Jahre gibt er immer noch den romantischen Helden: inklusive Liebesszene mit Julie Christie in einer einsamen Hütte im Wald. Wenn auch etwas reduzierter und dezenter als früher – er funktioniert immer noch, dieser Charme. War Robert Redford doch einmal einer der schönsten Männer der Welt. Eine Huldigung, aus der er sich offiziell nie viel machte. In einem früheren Interview mit "Gala" betonte er mit Nachdruck, dass er in Würde und ohne kosmetische Chirurgie altern wolle. In der Tat sieht man ihm die Jahre an.

Doch spätestens bei den Filmfestspielen von Venedig wurde deutlich: So ganz egal ist ihm sein Aussehen nicht, zumindest ein paar Fältchen hat er sich glätten lassen. Wichtiger jedoch: Am Lido stellte er seine neunte Regiearbeit vor, die auf einem Roman von Neil Gordon basiert – und für die er seinen jungen Kollegen Shia LaBeouf engagierte. Auf den ersten Blick fehlt Redford die Körperspannung. Doch dann wirkt er wie ein Löwe, der sich seine Energie für den entscheidenden Beutesprung aufgespart hat. Warum wir ihn so lange nicht auf der Leinwand gesehen haben? "Keiner wollte mich", scherzt Redford. "Die Vorbereitungen zu diesem Film zogen sich beinahe vier Jahre hin. Und irgendwann dachte ich: Wenn wir jetzt nicht bald drehen können, bin ich zu alt, um diese Rolle zu spielen."

Im Film liefern sie sich ein Duell, auf dem roten Teppich ist alles gut: Redford mit Co-Star Shia LaBeouf.

Für den Megastar ist das Filmemachen eine anstrengende, zermürbende Aufgabe geworden. Denn so, wie er sich Filme vorstellt, sind sie in Hollywood nicht mehr gefragt: Die großen Studios sind heute eher bereit, 100 Millionen Dollar in einen Roboter-Blockbuster zu investieren, als fünf Millionen in eine Independent-Produktion. Doch auf modernes Popcornkino, das merkt man in den ersten Momenten von "The Company You Keep", hat Redford keine Lust. Obwohl die Handlung in der Gegenwart angesiedelt ist, wurzelt sie in Redfords glorreichen Zeiten, den späten Sechziger- und Siebzigerjahren.

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2013

18. Dezember 2013: Daniel Brühl und Cara Delevingne sind gerade für Dreharbeiten zum Film über Amanda Knox "The Face of An Angel" in Florenz.
18. Dezember 2013: James Franco schwebt am Set für den Ford-Werbespot mit Rose in der Hand durch die Lüfte. Der Spot soll voraussichtlich beim Super Bowl gezeigt werden.
16. Dezember 2013: Jennifer Hudson dreht in Los Angeles ihr neues Musikvideo und schlüpft nach den Aufnahmen flink in einen Bademantel.
13. Dezember 2013: Brad Pitt und Shia LaBeouf machen ein Gruppenfoto bei den Dreharbeiten zum Film "Fury".

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Er selbst spielt Jim Grant, Mitglied des linksextremen "Weather Underground". Jahrzehntelang lebt der untergetauchte Vietnamkriegsgegner mit falscher Identität sein etabliertes Leben in einem wohlhabenden Vorort, bis er sich nach der Verhaftung einer Komplizin (Susan Sarandon) dann doch der Vergangenheit stellen muss. Gut und Böse, Schwarz und Weiß vermischen sich hier zu einem großen Grau, in dessen Mittelpunkt auch immer die Frage nach dem politischen Gewissen steht. Der Film hat dabei immer etwas Nostalgisches, was neben der Besetzung aus altem Hollywood-Adel – Julie Christie und Nick Nolte sind dabei – auch am engagierten Subtext liegt. Eine Reminiszenz aus den Siebzigern, als Thriller noch politisch sein durften und gerade deswegen besonders packend waren. Redford ist mit Mitte siebzig ein bisschen zu alt für die Rolle des alleinerziehenden Vaters einer zwölfjährigen Tochter – doch sieht man sich das nach einer halben Stunde schön. Er ist der in die Jahre gekommene Beweis, dass es nicht unbedingt schlecht sein muss, wenn man an der Vergangenheit festhält.

Wer Redfords Politthriller-Klassiker "Die drei Tage des Condor" von 1975 mag, weiß auch diesen Film zu schätzen – und wird vielleicht ein wenig wehmütig. Denn er klingt wie das Echo einer längst ergangenen Kino-Epoche.

Im Film spielt Robert Redford den ehemaligen Aktivisten Jim Grant. Er taucht unter, nachdem seine damalige Komplizin Sharon (Susan Sarandon) verhaftet wird. Ihm auf der Spur: der hochmotivierte Journalist Ben (Shia LaBeouf, mit Brendan Gleeson).

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