Oliver Masucci: "Was ist Zeit? Was ist Gott? Das Hirn bebt“

Mehr als eineinhalb Jahre haben Fans weltweit gewartet. Am Freitag hat der Streamingdienst Netflix endlich die acht Folgen der zweiten Staffel des Science-Fiction-Erfolgs „Dark“ online gestellt. GALA hat mit Hauptdarsteller Oliver Masucci über die Fortsetzung der deutschen Erfolgsserie gesprochen

Wer sich auf "Dark“ einlässt, der muss einen kühlen Kopf bewahren und von jeglicher Ablenkung durch Handy oder Hausarbeit absehen. Netflix fasst Staffel 1 (2017) so zusammen: "Nach dem Verschwinden eines Kindes begeben sich vier Familien auf die verzweifelte Suche nach Antworten und der Lösung eines Rätsels, das drei Generationen umspannt.“

„Dark“ fesselt weltweit

Hört sich zunächst eingängig an. Was für eine Geschichte die Macher Baran bo Odar, 41, und Jantje Friese, 42, aus ihrer Idee entwickelt haben, hat ein internationales Publikum so sehr in den Bann gezogen, dass in dieser Woche bereits mit den Dreharbeiten zur dritten Staffel begonnen wurde.

"Ich glaube, wir hatten alle dieses Gefühl - schon bei der ersten Lektüre der Drehbücher. Wir fühlten uns wie Pioniere, die aus unserem Land heraus etwas in die Welt schicken, das internationale Beachtung finden könnte“, beschreibt Hauptdarsteller Oliver Masucci, 50, die Aufbruchsstimmung am Set von Staffel 1. "Wie sehr die Serie dann einschlug, merkte ich erst, als ich in New York und Rom auf der Straße angesprochen wurde. Die Verfolger auf Instagram stellen mir zu 75% aus dem Ausland nach. Auch Südamerika liebt die German Angst.“

Konzentration ist ein Muss

Soviel sei den wenigen Serienbegeisterten, die „Dark“ noch nicht für sich entdeckt haben, bereits verraten: es wird nicht bei einem verschwundenen Kind in der fiktiven Kleinstadt Winden bleiben. Und: das Reisen durch die Zeit ist der Dreh- und Angelpunkt der spannenden Geschichte mit ihren komplexen Erzählsträngen und ihrer ansehnlichen Anzahl an Charakteren. Volle Konzentration ist ein Muss, um der Handlung folgen zu können. Selbst die Schauspieler sind in Gefahr, den Faden zu verlieren. „In der ersten Staffel waren es durch die drei Zeitebenen circa 76 Figuren. Jetzt noch mehr. Manche doppelt oder dreifach,“ erzählt der 50-Jährige, der den Polizisten Ulrich Nielsen und Vater eines der verschwundenen Jungen spielt.

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Verschiedene Zeitebenen und anachronistische Altersstufen

Vier Familien stehen im Mittelpunkt der komplexen Geschichte. Fünf Zeitebenen werden durch verschiedene Figuren bereist, die in unterschiedlichen Altersstufen anachronistisch dargestellt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass Masuccis Figur von der Jetzt-Zeit in die 50er Jahre reist, dort als vermeintlicher Kindsmörder inhaftiert wird und in den 80ern als Greis in einer geschlossenen Anstalt vor sich hinvegetiert.

"Während ich beim Dreh der ersten Staffel noch mit rauchendem Kopf im Wald unter der Regenmaschine versucht habe, im Skript zu finden, wo ich herkomme, wo ich hingehe und was die anderen tun, habe ich mich bei der zweiten Staffel nicht mehr drum geschert, was die anderen machen, sondern nur meine eigene Storyline im Kopf gehabt.“

Zeit ist nicht linear

"Dark“ verändert die Zeit. Sie ist nicht mehr linear, so wie wir sie kennen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden ineinander verwoben. Die zentrale Frage ist nicht "Wo sind die verschwundenen Kinder?", sondern "Wann?".

"Es wird zumindest noch komplexer und philosophischer. Es werden zwei zusätzliche Zeitebenen eingeführt. In der Zukunft und der Vergangenheit. Es geht um Zeit. Zeitreisen. Die Frage nach dem Ursprung der Zeitspirale, in der die Figuren gefangen sind. Die Frage, ob die Zukunft die Vergangenheit beeinflusst, oder die Vergangenheit die Zukunft. Die Zeitebenen existieren parallel nebeneinander. Ob man überhaupt etwas verändern kann, oder nicht alles vorherbestimmt ist. Ob der Anfang gleichzeitig das Ende ist. Kann man sein eigener Großvater sein? Was ist Zeit? Was ist Gott? Das Hirn bebt“, versucht Oliver Masucci, das fordernde Kernkonzept der Ausnahme-Serie zusammenzufassen.

"Dark" Staffel 2: Aufwendigere Produktion und noch mehr Aufbruch

Das Beben, dass der Riesen-Erfolg von Staffel 1 bei den Machern ausgelöst hat, läutete übrigens auch – ganz real - eine Zeitenwende auf Produktionsebene ein. "Es waren mehr Trailer, mehr Technik, mehr LKW und viel mehr Menschen an den Außen-Sets,“ beschreibt Masucci den erheblich höheren Aufwand für Staffel 2. "Es wurde mehr gebaut und die Studios waren größer. Diesmal haben wir in Babelsberg gedreht. Schauspieler, die in der ersten Staffel noch nicht so groß waren, konnten jetzt ihre Figuren weiterentwickeln. Noch mehr Aufbruch. Ein Mehr an Allem.“

Dank "Dark": Oliver Masucci wird zum "Binge-Watcher"

So viel mehr an Plot-Entwicklung und beeindruckender Set-Opulenz, dass Oliver Masucci selbst als Beteiligter dem Sucht-Phänomen der Serie erlegen ist. "Ich habe die Staffel weggebinged und niedergeschaut und bin begeistert. Was soll ich sagen? Unbedingt anschauen, wenn man Genre mag und sich fragt, warum eine deutsche Serie weltweit so erfolgreich ist.“

Dreharbeiten zu Staffel 3 haben begonnen

Die Dreharbeiten zur letzten Staffel der Trilogie haben begonnen. Ein genaues Startdatum für den Abschluss der Erfolgs-Serie steht noch nicht fest. Den ersten Reaktionen auf die zweite Staffel nach zu urteilen aber wird das große Finale bereits mit Spannung erwartet.

Netflix-Hit "Dark"

Die Darsteller der Erfolgsserie

Louis Hofmann als Jonas Kahnwald  Louis Hofmann, Jahrgang 1997, sammelt bereits 2006 erste Erfahrungen vor der Kamera. Seitdem er in dem Netflix-Hit "Dark" den jungen Jonas Kahnwald verkörpert, gilt er als Shootingstar. 2018 erhält er den Nachwuchspreis der Goldenen Kamera.
Maja Schöne als Hannah Kahnwald  Maja Schöne, Jahrgang 1976, spielt Hannah Kahnwald, die nach dem Suizid ihres Mannes Michael Kahnwald den Sohn Jonas (Louis Hofmann) allein großzieht. Sie beginnt eine Affäre mit Ulrich Nielsen (Oliver Masucci), von dem sie schon als Jugendliche besessen ist. "Tatort"-Fans ist die Stuttgarterin auch als Ehefrau des Ermittlers Bootz (Felix Klare) bekannt, die sie von 2008 bis 2013 verkörperte.
Oliver Masucci als Ulrich Nielsen  In "Dark" spielt er den Vater Ulrich Nielsen, der auf der verzweifelten Suche nach seinem verschollenen Sohn Mikkel ist. Auch im richtigen Leben ist Oliver Masucci Familienvater. Er hat drei Kinder. 1968 wird er als Sohn eines Italieners und einer Deutschen in Stuttgart geboren. Nach Stationen an diversen Schauspielhäusern gehört er seit 2009 zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. 2016 wird er für seine Rolle als Adolf Hitler in "Er ist wieder da" für den Deutschen Filmpreis nominiert.
Jördis Triebel als Katharina Nielsen  Jördis Triebel, die selbst zwei Söhne hat, spielt in "Dark" die Schuldirektorin Katharina Nielsen, die Ehefrau von Oliver Masucci und Mutter des verschwundenen Mikkel. 1977 in Ost-Berlin geboren, ist Jördis Triebel heute eine bekannte Film- und Theaterdarstellerin. Nach ihrem Schauspielstudium ist sie Mitglied des Ensembles am Bremer Theater und am Schauspielhaus Zürich. 2006 wird sie für ihre Rolle in dem Filmdrama "Emmas Glück" für den Deutschen Filmpreis nominiert; eine weitere Nominierung folgt 2009 für ihre Darstellung in "Die Päpstin". Neben "Dark" ist sie Serienfans noch durch ihre Rollen in "Babylon Berlin", "Bad Banks" und "Weissensee" bekannt.

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