Nilam Farooq: Ihre Stimme für ein starkes Mädchen

Schauspielerin Nilam Farooq spricht die "Yi" im neuen Animationsfilm "Everest". Wie ihr das Synchronsprechen gefällt und was wir alle von ihrer Figur lernen können, verrät sie im Gespräch mit GALA.

Schauspielerin Nilam Farooq, 29, bekannt aus "SOKO Leipzig" oder "Mein Blinddate mit dem Leben" stand für den neuen Animationfilm "Everest" (Filmstart: 26.09) nicht vor der Kamera, sondern hinter dem Mikro. Sie leiht ihre Stimme der Hauptfigur des Films: dem taffen Teenager-Mädchen "Yi". Im Gespräch mit GALA hat sie erzählt, wie ihr das Synchronsprechen gefällt, was sie von der "oberflächlichen" Social-Media-Welt hält und wie "Yi" uns alle beeinflussen kann.

GALA: Sie stehen ja normalerweise vor der Kamera und jetzt mal hinter dem Mikro. Was war das für eine Erfahrung?
Nilam Farooq:
Ich wollte schon länger einen Animationsfilm sprechen und habe das hier und da mal geäußert. Im Fall von "Everest" hatte ich das Glück, dass jemand, vor dem ich das mal geäußert habe, an mich gedacht hat. Ich habe vorher immer mich selbst synchronisiert oder vielleicht mal eine reale Rolle, aber nie eine Figur, die animiert ist. Ich habe nochmal extrem viel über Sprache, Betonung und Körperlichkeit gelernt. Das tut auch meiner sonstigen Arbeit sehr, sehr gut. Das war eine spannende Erfahrung.

Was ist Ihnen beim Synchronisieren schwergefallen?
Das Feedback war: "Nilam, es ist lustig, die schwierigen Aspekte fallen dir total leicht und bei den einfachen Sachen tust du dich schwer." Im Konkreten war das sowas wie ein herzliches Lachen. Sowas ist mir tendenziell schwer gefallen, mich völlig darauf einzulassen und mich auch zum Kasper zu machen, keine Blockade im Kopf zu haben.

Die Hauptrolle "Yi" ist ein sehr starkes Mädchen mit einem starken Charakter. Wie fühlen Sie sich mit der Rolle, haben Sie sich identifizieren können?
Ehrlich gesagt glaube ich, wurde ich gefragt, weil die Verantwortlichen dieses Bild von mir hatten. Ich würde selber behaupten, das ist auch gar nicht so weit weg. Jemand der recht taff ist, aber trotzdem ganz viele Träume und eine gewisse Verträumtheit und hoffentlich auch Herzlichkeit hat. Deswegen konnte ich mich total gut mit "Yi" identifizieren. Auch, dass man bestimmte Themen zunächst mit sich selbst ausmacht, obwohl man ein sehr liebevolles Umfeld hat. Manchmal dauert es eine Weile, bis man dieses Umfeld wahrnimmt und sich öffnen kann. In dem Bereich gibt es Parallelen, die ich total schön fand. 

Was würden Sie sagen, zeichnet den Charakter "Yi" aus?
Dass man mit Kommunikation sehr viel erreichen kann, auch wenn es nicht die gleiche Sprache ist. Dass man sich auch auf Fremdes einlässt und diese Offenheit und Herzlichkeit hat und nicht davor zurückschreckt. Das ist die Botschaft des Films und das tolle und einzigartige an "Yi". Dafür bedarf es keiner klassischen Prinzessinnen-Figur, sondern das ist das alltägliche Leben. Da findet sich sowas immer wieder und ich finde es toll, dass sie das so schön vormacht.

War es für Sie auch mal eine schöne Erfahrung hinter der Kamera zu stehen und vielleicht nicht so sehr darauf zu achten, wie man aussieht oder gestylt ist?
Es war toll, aber es war nichts, was ganz besonders war. Ich laufe im Alltag auch "normal" rum und mein Alltag findet fast mehr statt, als mein Beruf. Es ist immer so ein Trugschluss, dass alle Schauspieler rund um die Uhr gestylt sind.

Wie stehen Sie generell zu diesem Thema? Auf ihrem Instagram Profil konnte man in einem Post lesen, dass Sie an einer Hand abzählen können, wie oft Sie in den letzten Monaten geschminkt waren. Inwiefern beeinflusst Sie der Schönheitswahn und der Druck, den es heutzutage in den sozialen Medien gibt?
Ich finde es völlig okay zu sagen "ich schminke mich, ich lege da Wert drauf". Ich bin jemand, der - glaube ich, sehr gepflegt ist, trotzdem übertreibe ich es für mich persönlich nicht. Wenn jemand das machen will, soll er es aber machen. Was Social Media angeht: Da gibt es oft den Vorwurf, dass das eine falsche Welt oder "zu perfekt" sei. Das stimmt auch. Andererseits denke ich, zu Hause klebt sich auch niemand ein Foto in sein Fotoalbum, auf dem er sich wahnsinnig hässlich findet. Also, diese Oberflächlichkeit, die in den sozialen Medien transportiert wird, wird potenziert, weil es medial ist, aber eigentlich ist sie in jedem Menschen ein bisschen vorhanden. Deswegen finde ich das immer recht doppelmoralisch. Es ist aber nicht richtig, ein völlig falsches Bild zu vermitteln, gerade wenn man eine jüngere Zielgruppe hat. Da muss es in beide Richtungen mehr Aufklärung geben. 

Inwieweit kann "Yi“ durch ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein vielleicht sogar ein Vorbild sein, gerade in dieser "oberflächlichen“ Welt?
Ich glaube "Yi" muss man auf der menschlichen Ebene wahrnehmen. Man kann beispielsweise ihren Style mögen oder auch nicht, es ist aber so unwichtig. So ist es auch in den sozialen Medien. Hinter jedem Profil steckt ein echter Mensch. Egal ob man jemanden schön oder nicht schön findet oder der Mensch tolle Klamotte oder nicht tolle Klamotte hat, darauf kommt es eben gar nicht an. Und das, finde ich, wird im Film und durch "Yi" ganz schön transportiert und mit der heutigen Zeit verbunden, dass es darum nicht gehen sollte. 

Sie werden oft mit Mila Kunis verglichen - nervt das?
Mittlerweile bin ich an dem Punkt, an dem ich wieder drüber lache. Es ist ja, habe ich zumindest gelernt, als Kompliment gemeint. Es gab Zeiten, in denen ich gar nicht mehr nett "Danke" sagen konnte. Ich dachte: "Nein, ich will für mich, Nilam, stehen". Dass wir uns ähnlich sehen, damit habe ich ja gar nichts zu tun, es ist nur ein Zufall. Mittlerweile finde ich es ganz lustig, ich muss da aber nicht stundenlang drauf rumreiten und darüber reden oder das selbst ansprechen. 

 

Doppelgänger

Zwillingsstars

Bei der "LACMA Art + Film Gala" in Los Angeles präsentiert sich Keanu Reeves mit seiner Freundin auf dem roten Teppich. Und viele staunen nicht schlecht über die Begleitung des Schauspielers. Denn hier handelt es sich schließlich um die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren. Oder doch nicht?
Nein, die Frau an der Seite von Keanu Reeves heißt Alexandra Grant und ist Künstlerin. Helen Mirren nimmt die Verwechslung mit Humor und fühlt sich darauf angesprochen, geschmeichelt. 
Bei der Fashion Week in London überrascht Kendall mit blonden Haaren – und sieht damit einer deutschen Laufsteg-Kollegin ganz schön ähnlich…
… nämlich Stefanie Giesinger! Braune Reh-Augen, markante Brauen, sinnlicher Mund – und nun auch die Haarfarbe. Beide könnten glatt als Schwestern die Modewelt dominieren .

249

Werden Sie in Zukunft häufiger hinter dem Mikro, als vor der Kamera stehen?
Ich gehöre vor die Kamera! Schauspielern ist mein Traumberuf, daran hat auch das Synchronisieren nichts geändert. Der Respekt vor Synchronsprechern ist nochmal viel größer geworden, ich strebe aber definitiv keine Zweitkarriere als Synchronsprecherin an. Ich habe gerade ein ganz tolles Projekt gedreht und bin gespannt, was passiert, wenn das rauskommt. Das ist mein Fokus und wird es auch bleiben.

Nilam Farooq

Von wegen Rivalität

Nilam Farooq

Wenn sie "Yi" treffen könnten, wofür würden Sie ihr danken? Was würden Sie ihr sagen wollen?
Danke, dass du so menschlich bist! Ich glaube, obwohl wir alle Menschen sind, ist Menschlichkeit eine Eigenschaft, die man oft nicht sofort sieht, sondern erst herausfinden muss. Bei ihr ist das irgendwie so offensichtlich. Sie versteckt sich nicht hinter tausend Fassaden. Da ist vielleicht ein Selbstschutz, der gehört aber auch dazu. Es gibt kaum Oberflächlichkeit und Dinge, die vom eigentlichen Kern ablenken. Das finde ich so schön - danke, dass du so transparent bist!        

Versuchen Sie diesen Teil von "Yi" auch in ihren Alltag mitzunehmen?
Auf jeden Fall. Da kommt man auch gar nicht drum herum! Aufgrund der aktuellen politischen Situation sollten Toleranz, Kommunikation und Offenheit allgegenwärtige Themen sein. Dem darf man sich auch gar nicht entziehen, sonst geht alles irgendwann in eine völlig falsche Richtung. Das hat mir nochmal gezeigt, dass ihre Art auf jeden Fall der richtige Weg, die richtige Methode ist. 

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche