Neue Doku enthüllt: So wurde Whitney Houston ausgebeutet

Eine Dokumentation enthüllt, wie einsam die Soul-Diva wirklich war. In GALA erzählt Filmemacher Nick Broomfield, was er über ihr schweres Leben herausfand

Unglaubliche fünf Jahre ist es schon her, dass Whitney Houston mit gerade einmal 48 Jahren an einer Überdosis Drogen starb. Und immer noch fühlt es sich unwirklich an, wenn man das Radio einschaltet und ihre einzigartige Stimme hört. Gut gelaunt singt man "I'm Every Woman" mit und hält plötzlich inne, wenn man an die Umstände ihres Todes denkt. Über die wahren Hintergründe der Tragödie drehte der britische Filmemacher Nick Broomfield, 69, nun eine Dokumentation mit dem Titel "Whitney: Can I Be Me", die jetzt in den deutschen Kinos startet. 

Broomfield führte zahlreiche Gespräche mit Vertrauten und ehemaligen Mitarbeitern der Sängerin. Im Gespräch mit GALA sagt er, welche Menschen Whitney Kraft gaben – und welche ihr Kraft raubten.

Nick Broomfield drehte die Dokumentation "Whitney: Can I Be Me"

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©Gala / Stern

Was ist der größte Irrtum über den Tod von Whitney Houston?

Es gibt viele Mythen. Zum Beispiel, dass ihr Ex-Mann Bobby Brown der Bösewicht der Geschichte ist, weil er ihr Drogen gab, die letztlich zu ihrem Tod führten.

Welche Rolle spielte er denn tatsächlich?

Beide liebten einander aufrichtig. Sie brachten sich gegenseitig zum Lachen. Sie waren wie zwei Kinder. Ihnen fehlte nur eines: Keiner war imstande, den anderen von seiner Sucht abzubringen. Stattdessen haben sie diese nur gegenseitig verstärkt.

Warum war Whitney süchtig?

Man muss verstehen, woher Whitney kam. Das war eine ziemlich harte Gegend in Newark. Dort gab es 1963 mit die schlimmsten Rassenunruhen der USA. In diesem Umfeld ist sie groß geworden. Und als sie dann Erfolg hatte, erwarteten ihre Familie und Freunde, dass sie sich um sie kümmerte. Sie war für sie alle das Ticket aus diesem Milieu. Wenn Whitney um die Welt reiste, dann hatte sie eine Entourage aus 50 Leuten bei sich. Und damit meine ich nicht ihre Mitarbeiter, sondern ihre Brüder, deren Frauen und Kinder, Bobby Browns Familie. Für sie alle kaufte Whitney Häuser und Autos, sie zahlte für Schulen und Arztbesuche.

Sie wurde ausgenutzt?

Whitney wurde ausgebeutet. Die anderen hatten das Gefühl, dass sie das Recht dazu hatten. Das war für Leute aus so einer Gegend selbstverständlich. Whitney hat immer stärker versucht, sich davon abzugrenzen. Sie ließ Robyn Crawford, ihre engste Freundin, die erst als Assistentin, dann als künstlerische Leiterin für sie arbeitete, die Anrufe nicht mehr durchstellen. Sie wollte sogar weder mit ihrer Mutter noch mit ihrem Vater sprechen.

Ihre Mutter hatte aber großen Einfluss auf sie?

Das galt vor allem für den Anfang ihrer Karriere. Kenneth Reynolds, damals ein Manager bei Arista Records, erzählte mir, dass es jeden Freitagnachmittag ein Meeting gab, das sich nur mit Whitneys erstem Album beschäftigte – über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg. Und ihre Mutter Cissy Houston war bei jedem dieser Meetings präsent. Sie wollte die Karriere und das Image ihrer Tochter formen. Denn Whitney hatte all das, wovon ihre Mutter immer geträumt hatte. Dabei wollte Whitney den ganzen Ruhm nicht, sie liebte einfach nur die Musik.

Im Film zeigen Sie, dass ein Bodyguard einen Brief an Whitneys Familie verfasste, um auf ihre Drogensucht aufmerksam zu machen. Daraufhin wurde er gefeuert. Warum diese Reaktion?

Cissy Houston wollte nichts von dem Drogenproblem ihrer Tochter hören. Jeder, der Whitneys Familie damit konfrontierte, wurde gefeuert. Whitney verdiente Geld für sie. Dank ihr konnten sie ein unglaubliches Leben führen und um die Welt reisen.

Geteiltes Leid: Whitneys Tochter Bobbi Kristina starb drei Jahre nach ihrer Mutter im Alter von 22. Auch sie war drogenabhängig

Stimmt es, dass Whitneys Angehörige versuchten, Ihre Dokumentation zu verhindern?

Sie warfen mir von Anfang an Knüppel zwischen die Beine. Als ich mit den Vorbereitungen begann, schickte man E-Mails an alle Leute, die mit Whitney in den letzten 30 Jahren zu tun hatten. Alle bekamen die Aufforderung, dass sie nicht an meinem Film mitarbeiten sollten. Aber in vielen Fällen lösten sie damit die gegenteilige Reaktion aus. Denn viele wussten, wie die Familie den Nachlass ausgeschlachtet hatte. Unmittelbar nach Whitneys Tod begannen sie, ihre Kleider und Auszeichnungen zu verkaufen. Diese Leute handelten nicht unbedingt in Whitneys Interesse.

Sie sprachen von Robyn Crawford. Hätte sie Whitney retten können?

Ich denke ja. Aber sie wurde ja als Mitarbeiterin gefeuert. Sie war so etwas wie der gute Engel in Whitneys Leben. Sogar ihr Ex-Mann Bobby Brown verbreitete einmal das Gerücht, Whitney habe eine intime Beziehung mit ihr geführt.

Stimmt das?

Man hat eine richtige Hexenjagd auf sie veranstaltet. Was für mich klar ist: Whitney und Robyn haben einander wirklich geliebt. Sie hatten eine sehr enge Beziehung.

Warum konnte sich Whitney nicht aus eigener Kraft retten?

Nach der Scheidung war sie furchtbar einsam, denn sie liebte Bobby Brown wahnsinnig. Und gleichzeitig wandte sich die Öffentlichkeit gegen sie, machte sich lustig über ihre Pannen oder Abstürze. Whitney hatte ein geringes Selbstwertgefühl, sie war hart zu sich, neigte zur Selbstzerfleischung. So kritisiert zu werden, hatte eine verheerende Wirkung auf sie.

Bobbi Kristina Brown

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