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Mode-Dokus Faszination Couture

Mode-Dokus: Faszination Couture
© Ben Lamberty / PR
GALA-Fashion-Chef Marcus Luft über Mode-Dokus und wie sie die Sicht auf eine vermeintlich elitäre Welt verändern

Mit Raf Simons verbindet mich eine besondere Geschichte: Ich habe ihn sitzen lassen. Er wartete vor einer Kirche in der belgischen Provinz auf meinen Anruf, eine ganze Stunde lang. Denn nur an dieser Stelle kam er ins Funknetz. Allerdings: Sein Manager hatte ihm eine falsche Zeit für unser Telefoninterview weitergegeben…

Ich erzähle diese kleine Geschichte, weil sie zeigt, dass die Modewelt neben dem schönen Schein auch eine liebevoll bodenständige Seite hat. Doku-Filme wie "Dior und ich" zeigen das. Vorreiter in diesem Genre war "The September Issue". Seitdem sieht man Anna Wintour mit anderen Augen.

Dior und ich

Für "Dior und ich" hat ein Filmteam Raf Simons, seit 2012 Kreativdirektor bei Dior, begleitet. Wir sind dabei, wenn er seinem neuen Team vorgestellt wird, wenn er zweifelt, sogar weint. Wir erleben, wie er seine erste Haute-Couture-Kollektion entwirft. Dabei ist schnell zu spüren, dass in einem Traditionshaus wie Dior vor allem die Schneider das Sagen haben. Mit ihnen muss sich jeder arrangieren. Auch der Kreativchef.

Wie ein Backstage-Pass

Raf Simons gelingt es sehr schnell, alle auf seine Seite zu bringen. Solche Filme sind wie ein Backstage-Pass. Wenn man sieht, wie nächtelang Perlen auf eine Robe genäht werden, versteht man, warum es diese Pracht nicht für 195 Euro geben kann. Am Ende wird man sich im Kino sicher nicht darüber aufregen, dass Raf Simons seine Show-Location mit Millionen Rosen schmücken lässt. Es geht ihm nicht um Verschwendung, sondern um die Realisierung eines Traums.

Man wird begeistert sein. So wie ich, wenn ich nächste Woche wieder zur Haute Couture nach Paris fliegen darf.

Gala


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