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Michael Patrick Kelly Deshalb gibt er keine Autogramme mehr

Michael Patrick Kelly
© VOX / Robert Grischek
Bei "Sing meinen Song" zeigt Michael Patrick Kelly eine ganz neue, verletzliche Seite von sich. Auch im GALA-Interview spricht der Künstler ganz offen über seine spannende Entwicklung

Der frühere "Kelly Family"-Liebling Paddy Kelly hat sich zu Michael Patrick Kelly gemausert - und den zeigt er bei "Sing meinen Song".
Wer singt wohl den Mega-Hit von 1994 "An Angel"? Wer wagt sich an seine neueren Solo-Stücke ran? Im Interview mit GALA spricht Michael Patrick Kelly über seine größte Hürde bei dem Projekt und wie sich sein Leben nach dem Kloster verändert hat.

Wie schwer oder leicht fiel Ihnen die Entscheidung, bei "Sing meinen Song" mitzumachen?

Die ersten Gespräche haben wir bereits 2015 geführt. Als ich dann für dieses Jahr gefragt wurde, habe ich sofort zugesagt. Für mich ist „Sing meinen Song“ die schönste Musiksendung im deutschsprachigen Raum.

Auf welchen Künstler haben Sie sich vor Beginn des Projekts am meisten gefreut?

Auf Gentleman, er ist ein internationaler Künstler und in der ganzen Welt unterwegs. Ich war froh, dass in diesem Jahr das Verhältnis zwischen Deutsch- und Englisch-sprachigen Künstlern ausgeglichen war. Letztes Jahr hätte ich fast nur auf Deutsch singen müssen.

Waren die deutschen Lieder die größte Herausforderung für Sie?

Auf jeden Fall! Ich spreche zwar schon lange Deutsch und habe auch schon mal auf Deutsch gesungen. Aber ich wollte das Level, das ich auf Englisch hinkriege, auch auf Deutsch hinbekommen. Da hatte ich Bedenken, ob ich die Musik auf Deutsch auch so fühlen kann, wie ich es auf Englisch tue? Letztendlich habe ich Gefallen daran gefunden. Ich werde vielleicht sogar die ein oder andere Nummer in mein Konzertprogramm aufnehmen. 

Wer hat Sie am meisten überrascht?

Schwer zu sagen. Mark Forster hat mich auf jeden Fall überrascht. Plötzlich erfahre ich, dass er zweimal auf dem Jakobsweg war. Aber darum geht es ja. Mal aus der Comfort-Zone rauskommen, sich sowohl musikalisch als auch menschlich auf neue Leute einlassen, mit denen man aus eigener Initiative vielleicht nie gemeinsame Projekte gestartet hätte. Ich habe wirklich etwas fürs Leben gelernt und habe sieben gute Buddys gefunden. Jeder lässt in der Sendung die Hosen runter, öffnet sich, verrät etwas über sich. Ich hätte nie gedacht, dass ich weinen muss. Aber letztendlich haben Gentleman und ich uns gegenseitig zum Weinen gebracht, ich ihn mit „Memories“ und er mich dann mit „Shake away“. 

Was war das für ein Gefühl, dass so berühmte Kollegen Ihre Songs interpretieren?

Der Abend, an dem meine Songs gesungen wurden, war natürlich mein persönliches Highlight. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Als ob man noch einmal das ganze Leben Revue passieren lässt. Diese Songs sind in gewisser Weise persönliche Meilensteine, die zu bestimmten Epochen deines Lebens gehören. Da kamen Erinnerungen hoch. Es wurden ja sowohl meine Songs aus der Zeit mit der Family in den Neunzigern, als auch meine aktuelleren Solo-Songs gesungen.

Haben Sie neue Musikrichtungen für sich entdecken können?

Ja. Ich habe einen Song in Südafrika geschrieben, der durch ein Musikgenre eines Künstlers inspiriert wurde. Mehr kann ich aber noch nicht dazu sagen, das wäre noch zu früh. 

Apropos: Gibt es nach „Human“ bald neue Musik von Ihnen?

Ich war gerade für vier Monate in London und habe dort in verschiedenen Studios neue Songs aufgenommen. Das neue Album „iD“ erscheint am 16. Juni. Dann fangen auch die Festivals an, im Herbst gehe ich auf Hallen-Tournee.

Sie haben schon viel erlebt, die Kelly Family, das Kloster, jetzt sind Sie Solo-Künstler und verheiratet. Kann man sagen, dass Sie jetzt wirklich angekommen sind?

Ich werde dieses Jahr 40 und es fühlt sich für mich so an, als würde alles stimmen, sowohl privat als auch beruflich. Ich bin sehr glücklich. Klar gibt es Momente, wo man auch Stress hat, aber das gehört zum Leben dazu. Ich habe zwar viel erlebt, aber ich habe auch immer noch Träume und Ziele. 

Sie waren sechs Jahre lang Mönch, jetzt stehen Sie wieder auf der Bühne. Wie passt das zusammen?

Ich war vor der Kloster-Zeit ein sehr extrovertierter Mensch. Wenn man in einer singenden Familie groß wird und die Bühne so etwas wie das Spielzimmer ist, ist man von Natur aus eine Rampen-Sau. Die Kloster-Zeit hat dem introvertierten Menschen in mir Raum gegeben. Aber ich bin nach wie vor ein fröhlicher Mensch, der gerne Witze macht. Christ sein hat für mich nichts mit verkrampft oder verklemmt sein zu tun.

Sie haben mal beschlossen, keine Autogramme mehr zu geben. Ist das immer noch so?

Vor zehn Jahren habe ich entschieden, dass ich keine Autogramme mehr geben möchte. Ich mag diesen Personenkult einfach nicht. Ich mache allerdings Selfies, denn das macht man ja auch mit Freunden oder der Familie. Ärzte, die Menschenleben retten, fragt man ja auch nicht nach Autogrammen. Ich habe wahrscheinlich auch einfach schon zu viele Autogramme in meinem Leben verteilt, so dass ich das nicht mehr will (lacht). 

jno Gala

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