Meltem Kaptan: "Man muss das Weibliche nicht mehr verstecken"

Meltem Kaptan steht in der Kabarettshow "Ladies Night" als Gastgeberin auf der Bühne. Wieso das eine Seltenheit ist, verrät die Kabarettistin gegenüber GALA.

Meltem Kaptan

Meltem Kaptan, 39, ist ein Multitalent: Auf der Bühne begeistert sie mit einem Mix aus Kabarett, Stand-up, Figuren-Comedy und Gesang, im Fernsehen ist sie als Moderatorin gefragt, und auch im Radio ist sie als Autorin und Sprecherin bekannt.

Meltem Kaptan über Frauen im Kabarett

In der erfolgreichen WDR-Show "Ladies Night" ist Meltem Kaptan nun am Donnerstag (25. Juli, 23:00 Uhr auf WDR) als Gastgeberin zu sehen und bildet damit neben anderen Kabarettistinnen in den folgenden "Ladies Night"-Ausstrahlungen eine Ausnahme, denn: Trotz Frauenquote und "Me too"-Debatte sind weibliche Kabarettisten eine Seltenheit. Wie sich das anfühlt, verrät Meltem Kaptan im Interview mit GALA. 

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©VOX / Gala

GALA: "Ladies Night" ist die einzige Comedy- und Kabarettshow mit rein weiblicher Besetzung. Wie erklären Sie sich das?
Meltem Kaptan: Das zeigt, dass wir natürlich noch viel mehr Frauen im Kabarett brauchen. Und dann natürlich auch die dazugehörigen Plattformen. "Ladies Night" ist für mich wie eine Pyjama-Party unter Kabarettistinnen, wo wir das Frausein zelebrieren können. Das finde ich großartig. Dabei sind Männer natürlich auch erlaubt.

Aber nur im Publikum?
Ja, genau. Die dürfen sich das Spektakel anschauen. Und werden zwischendurch auch mal angesprochen. Aber nur die netten.

Sie haben eben die fehlenden Plattformen angesprochen. Sind Kabarettshows eher auf Männer ausgerichtet?
Es ist tatsächlich so, dass die Branche immer noch sehr männerdominiert ist. Wenn man mal in einer Show eingeladen ist, ist man meistens die einzige Frau. Falls es dann doch mal vorkommen sollte, dass zwei Frauen eingeladen sind, wird das allerdings auch sofort erwähnt, ganz nach dem Motto: "Oh Gott, wo hat sich denn heute die Frauenbeauftragte versteckt?" Frauen in Kabarettshows als Gast zu haben ist leider immer noch eine Ausnahme.

Und das hat sich in den letzten Jahren nicht verändert?
Natürlich hat sich auch viel verändert. Es gibt zum Beispiel viel mehr Frauen, die Kabarett als Hauptberuf betreiben. Auch der Nachwuchs ist viel weiblicher geworden. Was ich persönlich ganz toll finde, ist, dass sich das Selbstbild der Frauen auf der Bühne total verändert hat.

Das Kabarett glich einer Männerdomäne

Wie meinen Sie das?
Früher hatten wir Frauen verstärkt das Gefühl, in einer Männerdomäne zu sein und uns dementsprechend auch männlich verhalten zu müssen, um bestehen zu können. Man wurde sehr schnell sehr burschikos.

Und heute ist das anders?
Heute kann man sich als Kabarettistin viel weiblicher zeigen und vor allem viel weiblichere Comedy machen, denn "lustig sein" ist nicht mehr ein rein männliches Attribut. Man muss das Weibliche nicht mehr verstecken, um lustig zu sein.

Müssen Frauen verstärkt darauf achten, was sie sagen, um lustig zu sein?
Ich glaube, dass in vielen Köpfen noch das Fragezeichen steht: Können Frauen überhaupt lustig sein? Es herrscht also immer noch ein gewisses Vorurteil, dass Frauen weniger lustig sind. Deshalb hat man als Frau auch immer wieder das Gefühl, sich beweisen zu müssen.

Gönnen Ihnen denn Ihre männlichen Kollegen den Erfolg, oder herrscht zwischen den Geschlechtern ein Konkurrenzdruck?
Es ist besser geworden, aber diesen Konkurrenzdruck habe ich vor einigen Jahren extrem gespürt.

Wo hört für Sie der Spaß auf, Meltem Kaptan?

Sie haben vorhin schon das Selbstbild von Frauen auf der Bühne angesprochen. In Ihren Shows machen Sie oft Witze über Körper und Schönheit. Fühlen Sie dennoch einen gewissen Schönheitsdruck?
Schönheitsideale, die mir von außen aufgezwungen werden, nehme ich erst gar nicht an. Ich fühle mich als mollige Frau total wohl in meiner Haut und sehe keinen Grund, wieso ich weniger sexy sein sollte. Die Gesellschaft besteht eben nicht nur aus schlanken Püppchen, und vor allem auf der Bühne sollte es alle Körpertypen geben dürfen.

Wo hört für Sie der Spaß auf? Worüber würden Sie keine Witze machen?
Wenn es fies wird, Schadenfreude aufkommt und man die Schwächen anderer Menschen zur Show stellt. Hass und Respektlosigkeit gehören für mich nicht auf die Bühne.

Gibt es einen Auftritt, den Sie im Nachhinein bereuen?
Nein. Ich bin jemand, der sich verdammt lange Gedanken darum macht, was man wie am besten von sich gibt und in welcher Form alles stimmig ist. Aber natürlich kann man nicht immer jeden zufriedenstellen. Vor allem  ist und bleibt für mich das Wichtigste: im Hier und Jetzt authentisch zu sein.

Sie engagieren sich neben dem Kabarett auch für Integration. Wo liegen die Schwachstellen in unserer heutigen Zeit?
Ich finde es schade, dass man das ganze Thema so fatalistisch angeht: Entweder man sieht das Glas halb leer oder halb voll. Es gibt unfassbar viele tolle Menschen, die wahnsinnig viel für eine gelungene Integration leisten – manchmal werden diese tollen Projekte durch so viele negative Storys unterdrückt. Aber natürlich haben wir noch einen langen Weg vor uns, und es gibt viele Dinge, die total frustrierend sind.

Würden Sie Integration auch in Ihren Shows thematisieren?
Natürlich. Das Thema Integration begleitet mich und ist und bleibt ein großer Teil von mir.

Verwendete Quellen: Eigenes Interview

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