Max Giesinger im Interview: "Ich darf jetzt nicht scheitern"

Max Giesinger ist spätestens seit seiner Single „80 Millionen“ einer der erfolgreichsten deutschen Popmusiker. Ein Erfolg, der dem 30-Jährigen auch viel Kopfzerbrechen bereitet

An seine Castingshow-Teilnahme denkt heute kaum jemand mehr. 2012 belegte Max Giesinger bei der Show „The Voice“ den vierten Platz. Doch sein Durchbruch ließ noch einige Jahre auf sich warten. 2016 eroberte er mit seiner Single „80 Millionen“ die Charts – und einen Platz am deutschen Popmusik-Himmel.  Mittlerweile spielt der Musiker ein Konzert nach dem anderen und bezeichnet sich selbst als „rastlos“. Am Freitag (23. November) erscheint sein drittes Album „Die Reise“. Warum ihn seine ganz persönliche Reise vermutlich nie vor den Traualtar führen wird und sein Erfolg ihm auch Angst macht, hat Max Giesinger im Interview mit GALA verraten.

Max Giesinger im GALA-Interview

GALA: Am Freitag erscheint ihr neues Album „Die Reise“. Welche Bedeutung steckt für Sie persönlich hinter dem Titel?
Max Giesinger:
Dass wir alle auf einer individuellen Reise sind, ist für mich ein ganz klarer Gedanke. So war ich auch die letzten zwei, drei Jahre auf einer, für mich sehr abgefahrenen Reise, die unfassbar schöne Momente, aber auch einige Tiefs hatte.

Zum Beispiel?
Giesinger:
Meine Karriere ging plötzlich durch die Decke – und auf einmal hatte ich ein Team von 25 Leuten um mich herum, das für mich arbeitet und von meinem Erfolg abhängig ist. Ich bin ein krasser Harmonie-Mensch und will immer, dass sich alle wohlfühlen. Da passiert es auch, dass ich mir zu viel Druck mache und immer im Kopf habe: Ich darf jetzt nicht scheitern.

Deswegen haben Sie in den vergangen Monaten auch kaum ein Konzert ausgelassen.
Giesinger:
Ich war brutal viel unterwegs. Es war immer mein Traum, viele Konzerte zu spielen. Ich wollte alles mitnehmen. 2017 haben wir dann, ich glaube, 180 Konzerte gespielt. Da kam auch ich irgendwann an meine Grenze. Ich wollte immer viel unterwegs sein, aber reicht es nicht auch irgendwann? Geht es nicht irgendwie auch mal darum, Zuhause zu sein und es zu schätzen, wie geil es ist unterwegs zu sein? Damit habe ich mich auf dem Album auch ein Stück weit auseinandergesetzt.

Sind Sie zu einem Ergebnis gekommen?
Giesinger:
Ich weiß es nicht. Ist Zuhause ein Ort oder ein Gefühl? Ich glaube, es kann beides sein. Wenn ich an Heimat denke, denke ich an Karlsruhe, dort wo ich aufgewachsen bin. Zuhause ist jetzt meine Wohnung in Hamburg. Aber ich bin immer noch sehr rastlos. Ich frage mich auch: Muss man überhaupt ankommen oder ist das ein stetiger Prozess, in dem man sich befindet und wäre es nicht sogar ein bisschen langweilig anzukommen? Oder ist ankommen einfach nur das Gefühl, glücklich mit sich selbst zu sein?

Max Giesinger beim Shooting zu seinem neuen Album "Die Reise".

Ein Song auf Ihrem Album heißt „Die Ausnahme“. Es geht um DIE eine Frau. Haben Sie die schon gefunden?
Giesinger:
Ich hatte schon glückliche Beziehungen. In dem Moment hat sich alles ziemlich gut angefühlt.

Hatten Sie schon mal das Gefühl, das ist für immer?
Giesinger:
Das hatte ich noch nie. Wenn du selbst aus einer Familie kommst, in der das nicht funktioniert hat und das so vorgelebt bekommst, ist das schwer. Auch in meinem Umfeld haben sich auch sehr viele getrennt. Ich habe auf vielen Hochzeiten gespielt, von denen sich einige Paare auch wieder getrennt haben. Dann ist es schwierig, daran zu glauben.

Können Sie sich selbst vorstellen zu heiraten?
Giesinger:
Nicht wirklich, ne. Selbst wenn ich die Frau fürs Leben kennenlernen würde, hätte ich vermutlich nicht das Gefühl, das jetzt besiegeln zu müssen und eine Ehe daraus zu machen. Ich habe eher das Gefühl, dass es bei vielen heutzutage in Richtung Lebensabschnittsgefährten geht.

Das ist aber ein sehr unromantisches Wort.
Giesinger:
Ja, so endlich.

Sind Sie denn ein Romantiker?
Giesinger:
Klaro, es gibt ja fast nichts Romantischeres, als einer Frau einen Song vorzuträllern. Ansonsten bin ich relativ nah am Wasser gebaut. Bei traurigen Filmen bin ich der erste, der feuchte Augen bekommt.

Sie sind in diesem Jahr 30 geworden. Hat die Zahl etwas in Ihnen ausgelöst?
Giesinger:
Ich hab mich ein paar Tage ziemlich alt gefühlt und dachte mir: Mist schon wieder ein Jahr weg. Der Geburtstag hat mich dazu gebracht, die letzten Jahre Revue passieren zu lassen. Am Ende ist mir bewusst geworden, dass alles cool ist und ich mich ziemlich glücklich schätzen kann.


Und jedes Jahr wird es ein Jahr weniger. Das ist kein schöner Gedanke.
Giesinger:
Da sollte man nicht die ganze Zeit darüber nachdenken. Es war ein unglaublicher Weg bis her. Ich habe so viele krasse Sachen erlebt. Ich könnte jetzt schon Buch darüber schreiben. Das würde gut werden.

Stattdessen haben Sie ein Album darüber gemacht?
Giesinger:
Ja, mein Album ist schon so eine Auseinandersetzung damit, was ist bisher passiert, wo will ich noch hin und was macht das mit mir? Will ich irgendwann ankommen? Alle in meinem Umfeld kommen langsam an. Sie heiraten, bekommen Kinder, bauen Häuser. Und der Giesinger – was macht der? Der wohnt auf der Schanze, im Partyviertel in Hamburg und lebt da so sein Leben.

Auch ok, oder?
Giesinger:
Ich glaube, es ist in Ordnung, dass ich gerade so umtriebig und rastlos bin und Bock habe viel zu erleben. Aber ich muss auch zwischendurch innehalten und runterkommen. Eine Balance finden.

Wenn Sie nun doch noch ihr Buch schreiben. Was steht im letzten Kapitel?
Giesinger:
Häuschen mit Frau. Wer weiß. Ich hätte schon gerne eine Lebenspartnerin irgendwann. Ich habe Hund und Garten – einen Hund will ich auf jeden Fall haben. Dann erzähle ich meinen Enkeln Geschichten. Ja, das finde ich gut. Opa Max erzählt Geschichten. (lacht) Ich wünsche mir einfach einen entspannten Lebensalltag – und manchmal spiele ich noch ein Konzert. So ein Mal im Jahr. Ich kann mir nicht vorstellen komplett aufzuhören. Gehen Künstler in Rente? Ich glaube nicht. Das zieht man doch bis zum Ende durch, oder?


MIchael Schulte

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