"The Voice Kids": Max Giesinger im Interview

Max Giesinger begann seine Karriere selbst bei "The Voice of Germany", heute ist er Coach bei "The Voice Kids". GALA sprach mit ihm über seine Karriere und die Suche nach dem passenden Deckel.

Er war vor sieben Jahren selbst Kandidat bei "The Voice of Germany", heute beurteilt Max Giesinger, 31, selbst Gesangstalente auf dem roten Stuhl. Bereits zum zweiten Mal ist der Sänger und Songwriter als Coach beim Show-Ableger "The Voice Kids" dabei. Ein großer Erfolg für Max, der es nach seiner eigenen Teilnahme nicht gerade leicht hatte. Der Stempel des Castingshow-Kandidaten verhinderte den Durchbruch für einige Jahre, so glaubt er.

Warum er es dann 2016 doch noch geschafft hat, erzählt der Musiker im GALA-Interview. Außerdem kläre ich, Gala.de-Redakteurin Julia Nothacker, mit ihm, ob seine Begründung, aus Zeitgründen in keiner Beziehung zu sein, nicht nur eine lahme Ausrede ist.

Max Giesingers Zeit nach "The Voice of Germany"

GALA: Max, das ist jetzt mein zweites Interview mit dir. Das erste ist schon lange her, fünf oder sechs Jahre, also noch vor deinem großen Durchbruch. Hast du damals eigentlich damit gerechnet, dass es noch dazu kommt?

Max Giesinger mit anderen Kandidaten bei "The Voice of Germany" im Januar 2012

Max: Die ersten zwei Jahre nach meiner Teilnahme bei "The Voice of Germany" hatte ich eigentlich schon ein bisschen damit abgeschlossen, dass der Durchbruch noch kommt. Das war auch eine harte Phase. Für mich gab es eine lange Zeit nichts Größeres, als mit meiner Musik durchzustarten. Nicht deswegen, weil ich ein Superstar werden wollte. Ich wollte einfach, dass meine Musik ernst genommen wird und damit auf Tour gehen. Aber nach meiner "The Voice of Germany"-Teilnahme hatten viele Leute Vorurteile. "Ach, der Giesinger. Die Songs sind nicht schlecht, aber einen Plattenvertrag gibt es nicht, weil wir dich aufgrund der Show nicht bei den Radiosendern platzieren können". Solche Aussagen habe ich oft gehört und das war natürlich schade. Ich wollte den Menschen beweisen, dass ich es trotzdem packen werde.

Als ich dann Songs wie "80 Millionen" oder "Wenn sie tanzt" geschrieben habe, die später glücklicherweise große Hits wurden, wurde ich trotzdem weiterhin von Plattenfirmen abgelehnt. Einige Monate später kamen diese Leute dann beim Echo bei mir an und meinten: "Ach Max, das haben wir ja schon immer gewusst." Ich habe mir damals gemerkt, wer an mich geglaubt hat und wer erst nach dem Erfolg ankam.

GALA: Aber ist es dann nicht ein Widerspruch, wenn du jetzt Coach bei "The Voice of Germany" bist und eigentlich weißt, dass es die Kids nach ihrer Teilnahme wahrscheinlich schwer in der Branche haben werden?

Max: Wir sind da ja schon realistisch und trichtern den Kids nicht ein, dass sie Superstars werden. Bei "The Voice Kids" geht es ja gar nicht darum, dass die Kids eine Musik-Karriere starten. Es gibt weder einen Plattenvertrag noch sonst eine Verpflichtung. Die Talente haben einfach Spaß an der Musik und dürfen das gemeinsam ausleben. Und wenn das Potenzial da ist und man es wirklich will, darf man nicht den falschen Leuten vertrauen, muss die richtigen Schritte gehen und das Durchhaltevermögen haben, nicht nach drei, vier Jahren aufzugeben.

Als Künstler mit seinen eigenen Songs an den Start zu gehen, ist ein harter Weg. Wer weiß, wenn es bei mir anders gelaufen wäre und ich nicht immer diesen unbändigen Willen zum Musik machen gehabt hätte, dann wäre ich jetzt wahrscheinlich Banker oder so. Damals hab ich meine Ausbildung aber nach zwei Wochen abgebrochen. Das hat sich einfach falsch angefühlt.

Keine Zeit für die Liebe?

GALA: Du bist einer der Künstler, der sagt, er habe keine Zeit für eine Beziehung. Wenn du ganz ehrlich bist, ist das nicht eigentlich nur eine Ausrede?

Max: Ich bin ja jetzt in einem Alter, in dem man über vieles nachdenkt. Ich habe das nächste Level der Selbstreflexion erreicht ... und ich glaube, du hast komplett recht. Es ist eine Ausrede! Wenn jetzt eine Frau kommen würde, mit der es zu 100 % passt ...

GALA: ... sagt man doch nicht, man hat keine Zeit.

Max: Nee. Obwohl, der Max vor drei Jahren hätte das vielleicht noch gemacht. Da wollte ich alles mitnehmen und habe an die Karriere gedacht. Aber heute muss ich es niemandem mehr mit meiner Musik beweisen. Ich bin seit vier, fünf Jahren gut unterwegs, habe auf jedem Konzert gespielt, auf dem ich spielen wollte, habe viel mehr erreicht, als ich überhaupt erreichen wollte, was ich mir jemals erträumt habe. Wenn ich jetzt also den richtigen Deckel finden sollte, spielt man vielleicht ein paar Konzerte weniger, um die Beziehung in den Griff zu bekommen. Also, mein Denken hat sich schon geändert.

GALA: Fühlst du dich mit den vielen Möglichkeiten, die es heutzutage in Sachen Liebe gibt, überfordert?

Max Giesinger auf der Bühne im Jahr 2018

Max: Das ist ja ein großes Problem unserer ganzen Generation, die mit Tinder und diesen ganzen Dating-Apps aufgewachsen ist. Ich glaube, dass man aktiv daran arbeiten muss, dass man nicht immer um die nächste Ecke guckt und denkt, es könnte noch besser werden. Am Ende wird man damit nicht zufrieden werden. Ich denke, die Kunst im Glücklichsein besteht darin, dass man auch mal zufrieden ist und nicht immer einem noch größeren Glück hinterherhetzt. Das ist nicht einfach in unserer Zeit. Man sieht durch Instagram und Co. ständig perfekte Menschen vor sich. Das vergiftet gerade unser Klima.

Manchmal denke ich mir, es wäre viel besser gewesen, in den 80er Jahren aufzuwachsen. Da lebte man auf seinem Dorf, hat seine Partnerin vielleicht in der Stadt kennengelernt, aber viel weiter ging der Radius nicht. Dadurch war es natürlich einfacher, sich festzulegen. Das ist wie mit Urlaub. Wenn einem die ganze Bandbreite an Möglichkeiten zur Verfügung steht, kann man sich nicht mehr entscheiden und dann bleibt man zu Hause.

GALA: Es gibt sicherlich viele weibliche Fans, die nach dem Konzert auf dich warten. Nutzt du diese Möglichkeit auch manchmal aus?

Max: Selbst, wenn ich Lust darauf hätte, das findet einfach nicht statt. Nach dem Konzert geht man schlafen und hängt dann nicht mehr großartig mit Leuten ab, weil man auch auf seine Energie achten muss. Außerdem bin ich sehr froh, wenn ich mal mit einer Frau ins Gespräch komme, die mich nicht kennt. Das passiert natürlich leider immer seltener. Ich war gerade auf Bali und dort ging das noch. Das fühlt sich dann sehr schön und echt an.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

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