Markus Lanz: Scharfe Kritik an Moderationsstil

Markus Lanz muss einmal mehr Kritik an seinem Stil hinnehmen - dieses Mal für eine Ausgabe seiner Talkshow

Markus Lanz ist einigen Kummer gewohnt. Seitdem er die Moderation der Spielshow "Wetten, dass..?" übernommen hat, hagelt es regelmäßig Kritik. Neu ist, dass man auch seinen Moderationsstil in der Talksendung "Markus Lanz" anzweifelt - so geschehen nach der Ausgabe vom 16. Januar, bei der unter anderem "Die Linke"-Politikerin Sahra Wagenknecht zu Gast war. Eine Zuschauerin stellte die Kompetenz des Südtirolers so sehr infrage, dass sie auf der Website "openpetition.de" eine Online-Petition schaltete, die den Sender ZDF auffordert, "sich von Markus Lanz zu trennen". Sie geht sogar noch weiter: Die Unterschriftenliste trägt die Überschrift "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!". Bislang sind über 28.000 Menschen ihrer Meinung und unterschrieben die Forderung.

Die Zuschauerin, die laut der Petition Maren Müller heißt, kritisiert, dass "Herr Lanz weder fähig noch willens ist, seinen Gästen gleichberechtigt Wohlwollen, Rederecht und Anstand entgegenzubringen", wie sie schreibt. Weiter bemängelt sie, der Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sowie die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit würden durch die "von Lanz demonstrierte tendenzielle Diskussionskultur grob vernachlässigt".

Markus Lanz hatte für die Sendung am 16. Januar die Politikerin Sahra Wagenknecht eingeladen, um mit ihr über die Arbeit der neu gewählten Regierung zu sprechen. Mit im Studio: die Schauspieler Moritz Bleibtreu und Christoph Karmann, Autor Philipp Möller und Journalist Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des Magazins "stern".

Nachdem Sahra Wagenknecht zu Beginn der Sendung kurz erläutert hatte, wie es sich anfühlt, im neu zusammen gesetzten Bundestag zu sitzen, ließ Jörges unmittelbar darauf eine Tirade ab und versuchte, alles, was die stellvertretende Vorsitzende der Partei "Die Linke" gesagt hatte, zu widerlegen. Für eine Ausgabe von "Markus Lanz" ist das nicht gerade üblich - normalerweise läuft diese Talkrunde immer etwas gemäßigter ab, die Gäste werden brav der Reihe nach zu ihren neusten Projekten befragt.

Markus Lanz ließ den Politikjournalisten jedoch gewähren und warf immer wieder zustimmende Sätze ein, etwa: "Find' ich gut" oder "Ich mag das, wenn Sie [Jörges, die Red.] nen Hals kriegen!" und legte im Anschluss an den Quasi-Monolog Jörges' nach. So unterzog er Wagenknecht regelrecht einem Kreuzverhör, bei dem es vor allem um die Haltung der Linkspartei zur Europäischen Union ging - ein Thema, das Jörges in den Raum geworfen hatte.

Markus Lanz im Gespräch mit Sahra Wagenknecht, der stellvetretenden Vorsitzenden der Partei "Die Linke" in seiner Sendung am Donnerstag, 16. Januar.

Doch bei all den Fragen, die Markus Lanz Sahra Wagenknecht stellte, schien er nicht sehr an den Antworten interessiert zu sein. Medienjournalist Stefan Niggemeier kritisierte den Moderator in seiner Sendungsrekapitulation ebenfalls und gab zu, nicht einmal bis zum Ende geschaut zu haben. Er hielt jedoch mehrere Dialoge schriftlich fest, die für den Verlauf des Gesprächs sehr charakteristisch waren.

So entstanden in der Sendung unter anderem folgende Dialoge:

Wagenknecht: Ich hab doch im Europäischen Parlament gesessen, fünf Jahre. Ich hab –

Lanz: Was haben Sie da gemacht, eigentlich?

Wagenknecht: Ich habe erlebt - Ich habe im Ausschuss für Wirtschaft und Währung gesessen.

Lanz: Ja.

Wagenknecht: Zum Beispiel in diesem Ausschuss –

Lanz: Was verdient man da?

Wagenknecht: Man verdient das gleiche wie im Bundestag, aber das –

Lanz: Wieviel? Wieviel verdient man da?

Wagenknecht: Ich glaube, zur Zeit sind das im Europäischen Parlament 7000 Euro oder so.

Lanz: Kriegt man im Monat.

Wagenknecht: Aber ich wollte Ihnen eigentlich was darüber erzählen, wie Lobbymacht funktioniert.

Oder auch:

Lanz: Da muss ich einmal einhaken. Das heißt, Sie unterstützen Europa uneingeschränkt? Das finden Sie gut?

Wagenknecht: Ja, was ist Europa?

Lanz: Ja, was ist denn Europa für Sie?

Wagenknecht: Ich unterstütze …

Lanz: Sagen Sie's mal.

Wagenknecht:… europäische Werte. Ich finde die europäische Kultur …

Lanz: Die europäische Union.

Wagenknecht: … großartig. Und ich finde die heutige Politik der Europäischen Union zutiefst falsch, weil es eine Politik ist, die vor allem große Unternehmen, große Konzerne, große Banken begünstigt und –

Lanz: Raus aus dem Euro oder drinbleiben?

Wagenknecht: Ja, das ist überhaupt nicht die Frage. Der Euro –

Lanz: Raus oder rein?

Wagenknecht: Der Euro ist jetzt - Na, rein können wir nicht, wir sind drin, und ob man ihn auflösen sollte ist, denke ich, jetzt aktuell nicht das Problem. Wir müssen nur gucken, wie wir die Europäische Krise -

Lanz: Die Frage würde ich trotzdem nochmal gerne nochmal stellen. Euro - Ja oder Nein?

Wagenknecht: Der Euro ist doch Realität. Wir …

Lanz: Für Sie, Frau Wagenknecht.

Wagenknecht: … entscheiden uns doch nicht, rauszugehen. Ich vermute …

Lanz: Nein, aber Sie haben gesagt, Sie haben die besseren Ideen. Sie haben die besseren Ideen.

Wagenknecht: Aber Sie müssen mich auch ausreden lassen …

Lanz: Ja.

Wagenknecht: … wenn Sie mir Fragen stellen und ich kann nicht antworten.

Sahra Wagenknecht, die immer wieder sichtlich um Geduld ringen musste, begann ihre Sätze immer wieder von vorne, konnte aber kaum einen Gedanken zu Ende führen. Ein wirkliches Gespräch, wie es eigentlich das Ziel besonders der Talkrunde von Markus Lanz ist, kam nicht zustande.Während seiner Befragungen schielte Lanz immer wieder über seine rechte Schulter, ganz so, als wollte er sich vergewissern, die Unterstützung von Hans-Ulrich Jörges zu bekommen. Der nickte hin und wieder zustimmend; Kameraschwenks auf die Gesichter der anderen Gäste, zeigten jedoch, dass diese sich zwischendurch über die Art des Streitgesprächs etwas wunderten - über Strecken der Diskussion wirkten die drei weiteren Studiogäste allerdings gedanklich abwesend.

Aus Zuschauersicht gibt es an der Performance von Markus Lanz tatsächlich etwas zu bemängeln, nämlich die Tatsache, dass er seine Gäste über Strecken des Abends schlichtweg gelangweilt hat.

Ob die Petition "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr" viel Erfolg haben wird, bleibt einmal dahingestellt. Markus Lanz äußerte sich bislang nicht zu der Kritik. Fakt ist jedoch, dass die Unterschriftenliste stündlich mehr Unterzeichnende zählt.

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