Marius Müller-Westernhagen: Und auch er gibt seine Echos zurück

Via Facebook hat sich nun auch Marius Müller-Westernhagen entschieden vom Echo distanziert. Die Rückgabe seiner acht Echo-Trophäen soll ein Zeichen setzen, weitere Musiker ziehen nach und schon folgen erste politische Konsequenzen

Marius Müller-Westernhagen gibt seine acht Echos zurück

Die Echo-Debatte schlägt weiterhin hohe Wellen: Nachdem sich zahlreiche Künstler, Prominente und Politiker wie Tote-Hosen-Frontmann (55) oder Außenminister (51) kritisch über den Musikpreis und die Auszeichnung der Rapper (31) und (33) geäußert haben, haben mittlerweile mehrere Musiker angekündigt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter jetzt auch der deutsche Rockstar (69, "Freiheit"). Der Eklat um die Echo-Verleihung erhöht auch den Druck auf die Verantwortlichen. Und das mit Erfolg: Der Präsident des Deutschen Kulturrates kündigte jetzt seinen Rücktritt aus dem Echo-Beirat an.

Marius Müller-Westernhagen: Er gibt seine Echos zurück

"Mit großem Interesse habe ich von Südafrika aus die peinlichen Vorkommnisse bei der diesjährigen ECHO-Verleihung und die darauf entstandene Debatte verfolgt", schreibt Westernhagen auf seinem Facebook-Profil und geht nicht nur mit dem Preis, sondern auch mit der gesamten Musikindustrie hart in Gericht. "Die Verherrlichung von Erfolg und Popularität um jeden Preis demotiviert die Kreativen und nimmt dem künstlerischen Anspruch die Luft zum Atmen". Eine "neue Stufe der Verrohung" sei erreicht.

Money makes the world go round. Mit großem Interesse habe ich von Südafrika aus die peinlichen Vorkommnisse bei der...

Gepostet von Westernhagen am Dienstag, 17. April 2018

Skandal um Farid Bang und Kollegah beim Echo

"Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem Echo ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant. Money makes the world go round", schreibt Westernhagen weiter. Farid Bang und Kollegah gewannen den Echo in der Kategorie "Hip-Hop/Urban National", obwohl einzelne Textstellen der Rapper als antisemitisch gewertet werden. So heißt es in einer Textzeile des Albums "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" etwa: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Der Ethikrat beschäftigte sich zwar damit, gab am Ende aber grünes Licht. Für Westernhagen sei es "lächerlich", sich "hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen", denn "Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm."

Musikindustrie ist "skrupellos und korrupt"

Weiter bezeichnet er die Musikindustrie als "skrupellos und korrupt", weil diese "ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet". Kulturell sei der Echo ohnehin noch nie relevant gewesen.

Klaus Voormann: Auch er gab seinen Echo ab

Nun wolle Westernhagen sich seinem Kollegen Klaus Voormann (79) anschließen und alle seine Echos zurückgeben. "Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen", schließt Westernhagen seinen Eintrag. Voormann war 2018 für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden und hatte kürzlich erklärt, dass er den Preis zurückgeben werde. Westernhagen war im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk geehrt worden und hatte in den vorangegangenen Jahren insgesamt sechs weitere Echos gewonnen.

Diese Stars ziehen jetzt nach

Weitere Künstler hatten in den vergangenen Stunden ebenfalls erklärt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter Dirigent Enoch zu Guttenberg (71), Pianist Igor Levit (31) und das Notos Quartett. (68, "Nessaja") hatte unterdessen auf Facebook den Rücktritt der Verantwortlichen gefordert. An ihre Stelle sollten "glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren" treten.

Christian Höppner verlässt Echo-Beirat

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, zieht sich aus dem Echo-Beirat zurück. Er räumte ein, dass die Echo-Vergabe an die politisch umstrittenen Rapper „ein Fehler“ gewesen sei. Das Gremium hatte sich gegen den Ausschluss des Rap-Albums entschieden. Die Vergabe des Echos richtet sich nach Verkaufszahlen und Juryempfehlungen. In strittigen Fällen wird ein Beiratsmitglied angerufen, ob dies erfolgt ist kann man nicht sagen. Vor der Verleihung hieß es jedenfalls, dass die künstlerische Freiheit im Text des Rap-Albums von Farid Bang und Kollegah "nicht so wesentlich übertreten" worden sei. Viele Musiker sind anderer Meinung und sehen die hohe Verantwortung von Musiktexten. Und einigen Rappern gelingt sogar die Mehrfachauszeichnung für ein Album: Gerade erst hat mit den Texten seines Rap-Albums "Damn" den Pulitzer-Preis 2018 gewonnen. Vielleicht können sich die Rüpel-Rapper da noch etwas bei ihm abschauen?

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