Marina And The Diamonds: Missverständnisse in der Popmusik

"Marina And The Diamonds" hat ihr zweites Album auf den Markt gebracht. Mit "Electra Heart" hat die Britin sowohl eine äußerliche als auch musikstilistische Wandlung durchgemacht, die nicht jeder versteht. Im Interview mit Gala.de erzählt sie, warum

Marina And The Diamonds

Mit ihren blonden langen Haaren, dem babyblauen Kleid mit pinkem Petticoat

und einem Schönheitswettbewerbslächeln sieht Marina Diamandis auf der Bühne aus wie eine Prom-Queen. Genau wie der verkörperte amerikanische Traum, dessen Oberflächlichkeit die Sängerin alias "Marina And The Diamonds" bereits mit ihrer Hitsingle "Hollywood" im Jahr 2010 kritisierte. Damals noch mit schwarzen Haaren und Anti-Attitüde platzierte sie sich im Windschatten britischer Popsängerinnen wie Lily Allen, Amy Winehouse, Kate Nash oder Duffy in den Top-15 der deutschen Charts. Das Video zu "Hollywood" wurde im Musikfernsehen rauf und runter gespielt.

Was ist also passiert mit der griechischstämmigen Britin mit dem verwirrenden Künstlernamen, hinter dem sich nur sie und keine Band versteckt? Ist sie dem Ruhm erlegen und nun doch zur Britney-Spears-Kopie und "Primadonna" geworden, über die sie auf der ersten Single des neuen Albums "Electra Heart" singt? Im Gespräch mit Gala.de verrät die gut gelaunte Sängerin, was sich hinter der neuen Marina versteckt und welche Herausforderung es ist, bei einem Katy-Perry-Konzert aufzutreten.

Star-Frisuren

Blonde Haare

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Sie wollten schon als Kind Popstar werden, haben sogar versucht, sich durch ein Casting in eine Boyband einzuschleichen. Wie nah sind Sie Ihrem Ziel mittlerweile gekommen?

Ich bin vielleicht zwei oder drei Monate davon entfernt (lacht). Da dieses Album poppiger ist als das erste, fühle ich mich auch mehr wie einer. Aber ich weiß nicht, ob das dauerhaft ist. Vielleicht schlage ich nach "Electra Heart" wieder eine völlig andere Richtung ein.

Überall liest man, dass "Electra Heart" ein Konzeptalbum ist. Was macht ein Konzeptalbum für einen Künstler so attraktiv?

Eigentlich nichts, weil man die ganze Zeit erklären muss, was es bedeutet. Ich habe einfach über mein Liebesleben geschrieben, indem ich den fiktionalen Charakter "Electra Heart" entwickelt habe. Deshalb ist es gar kein richtiges Konzeptalbum, sondern eins über Liebe. Ich habe versucht, die Idee der Liebe zu erforschen und die Angst, die damit zusammenhängt.

Klingt, als bräuchten Sie eine Rolle wie "Electra Heart", um persönlichere Texte zu schreiben …

Ich kann nicht sagen, ob ich sie wirklich gebraucht habe, aber als ich die Lieder machte, schien es der richtige Weg, die Frustration zu verarbeiten. Das war tröstlich. Auch wenn ich den Gedanken, eine Figur zu erschaffen, um mit meinen eigenen Problemen fertig zu werden, hasse (lacht). Ich habe versucht, über eine Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, hinwegzukommen. In den Songs "Bubblegum Bitch", "Homewrecker" und "Primadonna" mache ich mich über die Tatsache lustig, dass ich in einer Beziehung mit jemandem war, der mich nicht geliebt hat.

Sie haben auch das Genre gewechselt, von Indie-Popsongs hin zu elektronischer Musik. Warum?

Ich hab diese Richtung nicht absichtlich eingeschlagen. Denn ich denke gar nicht in Musikgenres, wie "Ich möchte, dass das bluesig klingt" oder eben elektronisch. Bei mir bestimmen die Texte die Musik. Das Album ist sehr kalt und elektronisch, weil die Person, die die Platte inspiriert hat, total abgeklärt war. Könnte eine Erklärung sein, oder?

Ihr Debütalbum haben Sie fast komplett allein geschrieben, an der neuen Platte hat Katy-Perry-Produzent Dr. Luke und Greg Kurstin, der mit Lily Allen zusammenarbeitet, mitgeschrieben. Wie kommt’s?

Aus irgendeinem Grund war ich eigentlich auch strikt gegen Co-Schreiber. Vielleicht weil ich dachte, dass man kein ernstzunehmender Künstler ist, wenn man seine Songs nicht allein schreibt. Nach sechs Monaten war jedoch alles, was ich geschrieben hatte auf irrwitzige Art und Weise unfertig. Dann habe ich mich entschieden, doch ein paar Sessions mit anderen Musikern zu machen und plötzlich konnte ich die Songs auch beenden. "Starring Role" war dann an einem Tag fertig, obwohl ich acht Monate lang nur ein Grundgerüst und eine Strophe hatte. Ich habe realisiert, dass ich viel inspirierter bin, wenn noch jemand mit mir im Raum ist. Das Label hat wahrscheinlich auch gedacht: 'Wir müssen sie mit den heißesten Produzenten da draußen zusammenbringen, dass wir ein paar Hits kriegen.' Wenn ich es allein gemacht hätte, wären am Ende vielleicht die gleichen Songs wie auf dem ersten Album herausgekommen.

Die Lieder haben Sie mit Liebeskummer geschrieben, wie ist Ihre Laune auf der Bühne, beim Singen?

Die ist glänzend. Denn mittlerweile kann ich Spaß an solchen Songs wie "Homewrecker" oder "Bubblegum Bitch" haben. Heute bin ich noch ein bisschen verärgert, aber habe nicht mehr dieses kalte Gefühl.

Aber sind Sie immer noch Mitglied des "Lonely Hearts Club", über den Sie auch auf der Platte singen?

Natürlich bin ich das. Wahrscheinlich für immer, bis ich sterbe (lacht).

"Marina And The Diamonds" hat sich für ihre neues Album die Haare (vorübergehend) blond gefärbt.

Die Figur "Electra Heart", für die Sie sich extra die Haare gefärbt haben, und das ganze Album sind eine Ironisierung der Situation. Wie wichtig ist es, dass das Publikum diese Ironie versteht?

Es ist lustig, Sie sind eine der wenigen Journalisten, die mich danach fragen. Denn die Leute verstehen es teilweise sehr wörtlich, was ich da singe. Sie kritisieren mich für einen Song, den ich "Homewrecker" nenne und ich frage: 'Aber findet ihr das nicht komisch?' Und sie antworten: 'Nein, da sind Teenager in der ersten Reihe bei deinen Gigs und du singst: Ich bin eine Ehezerstörerin.' Ich finde das verrückt, denn Fiktion und Einbildung sind doch überall in der Musik. Das ist doch so normal. Es ist also das Wichtigste, dass die Leute meine Ironie verstehen.

Lesen Sie eigentlich die Rezensionen über "Electra Heart"?

Ich habe vor einem Monat die erste gelesen und sofort wieder aufgehört, denn sonst hätte ich mich wahrscheinlich schon umgebracht. Das Einzige, was ich daraus ziehen konnte, war, dass die meisten die Platte und genau die Ironie schlecht verstanden haben. Ich dachte teilweise, die Rezensionen seien ein Witz. Aber vielleicht hat einfach niemand meine Art von Sinn für Humor. Obwohl, ein paar muss es geben, denn ich habe ja Fans.

Sie sind außerdem bei Konzerten von Coldplay und Katy Perry als Support aufgetreten. War das aufregend?

Ja und es war eine tolle Möglichkeit mich als Performer zu verbessern. Sonst hat man nicht die Chance vor so vielen Leuten zu spielen. Das ist eine große Herausforderung.

Und was ist die nächste Herausforderung?

Ich hoffe, dass meine Stimme bald wieder besser ist. Ich hatte vor zwei Monaten eine Stimmbandverletzung. Mittlerweile ist es wieder besser, aber die Promotion für mein Album ist schon anstrengend. Ich will es gut durch die nächste Tour schaffen.

Werden Sie dann die Haare wieder dunkel färben?

(Sie atmet erleichtert aus) Ja, ich lasse es rauswachsen.

Sieht das für einige Zeit nicht ziemlich komisch aus?

Das macht mir nichts aus.

Aber die Fans lieben "Marina And The Diamonds" offensichtlich auch mit blonden Haaren und dunklem Ansatz. Beim Konzert in Hamburg ist sie sichtlich nervös, hat die 300 Fans, die die Tickets nur gewinnen konnten, sofort auf ihrer Seite. Die "We love you, Marina"-Rufe aus dem Publikum bezeugen das. Scheint als hätte doch nicht jeder sie missverstanden.

Ines Weißbach

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