Marie Fredriksson: Eine Ausnahmekarriere made in Schweden

Vor 30 Jahren gelang Marie Fredriksson mit Roxette der Durchbruch. Die verstorbene Sängerin konnte auf eine Ausnahmekarriere zurückblicken.

Marie Fredriksson von Roxette während eines Auftritts in Prag

Neben ABBA gehörten Roxette ("Joyride") zu den wichtigsten Pop-Exporten Schwedens. Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre war das Duo aus Per Gessle (60) und der verstorbenen Marie Fredriksson (1958-2019) eine der Bands, an denen einfach keiner vorbeikam. Das gar nicht so geheime Erfolgsrezept: Die amazonenhafte Ausstrahlung von Fredriksson und perfekt produzierte Pop-Songs, die sofort ins Ohr gehen - nicht von ungefähr trug ein Best-of-Album den Titel "Don't Bore Us - Get to the Chorus!".

Ausgerechnet zum 30-jährigen Bandjubiläum und kurz vor dem Erscheinen des zehnten Albums "Good Karma" im Juni 2016, hatten Roxette ihren Abschied von der Bühne angekündigt. Am Montag (9.12.) ist Fredriksson im Alter von 61 Jahren verstorben. Sie hat ihren langjährigen Kampf gegen den Krebs verloren. 2002 war bei der Musikerin ein Hirntumor diagnostiziert worden.

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Am Anfang stand eine Bandauflösung

Gessle und Fredriksson waren schon seit den 70ern im Musikgeschäft unterwegs. Gessle spielte in einer der beliebtesten schwedischen Bands, Gyllene Tider. Die Wege der beiden kreuzten sich immer wieder. Unter anderem war Fredriksson auch auf dem Album "The Heartland Café" zu hören, mit dem Gyllene Tider 1984 den internationalen Markt erobern wollten. Ihr US-Label veröffentlichte unter dem Titel "Heartland" nur eine Auswahl der Songs und beantragte zudem einen weniger schwedisch klingenden Bandnamen. Gessle und seine Kollegen entschieden sich für Roxette, nach einem Song der britischen Band Dr. Feelgood. Doch "Heartland" floppte, Gyllene Tider beerdigten daraufhin nicht nur ihre internationalen Pläne, sondern lösten sich wenig später ganz auf.

Gessle und Fredriksson arbeiteten daraufhin an ihren Solokarrieren, bis EMI-Manager Rolf Nygren ihnen empfahl, es doch als Duo zu versuchen. Trotz des vorherigen Debakels nutzten die beiden dafür erneut den Namen Roxette, doch dieses Mal klappte es auf Anhieb mit dem Erfolg: Die erste Single "Neverending Love" (1986) verkaufte sich in Schweden 50.000 Mal und legte den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere in der Heimat. Bis zum internationalen Durchbruch dauerte es dagegen noch etwas. Dabei hatte einer der vielleicht glücklichsten Zufälle in der Pop-Geschichte seine Finger im Spiel.

Ein musikalisches Souvenir

Der amerikanische Austauschstudent Dean Cushman brachte 1988 aus Schweden das zweite Roxette-Album "Look Sharp" mit ins heimatliche Minneapolis und reichte es an einen örtlichen Radiosender weiter. Die Single "The Look" mauserte sich dort schnell zu einem Publikumsliebling. Andere Stationen griffen den Song auf und "The Look" wurde zu einem waschechten Radio-Hit, bevor Roxette in den USA überhaupt einen Plattenvertrag hatten. Nun war auch ihre Plattenfirma EMI vom internationalen Potenzial der Band überzeugt und veröffentlichte 1989 "The Look" weltweit. Die Single erreichte in den USA und vielen anderen Ländern die Spitze der Charts.

Für den nächsten Karriereschub bekamen Roxette Schützenhilfe aus Hollywood: Die Macher von "Pretty Woman" (1990) wollten ein Stück des Duos auf dem Soundtrack haben. Da Roxette laut Gessle keine Zeit für eine neue Komposition hatten, nahmen die Produzenten schließlich "It Must Have Been Love". Der Song war bereits 1987 in Schweden als Weihnachtssingle veröffentlicht worden. Die romantische Komödie mit Richard Gere (70) und Julia Roberts (52) wurde nach ihrem Kino-Start 1990 zu einem der beliebtesten Filme aller Zeiten und "It Must Have Been Love" zu Roxettes größtem Hit, der sich unter anderem zwei Wochen lang an der Spitze der US-Charts hielt.

Nachlassender Erfolg und ein Schicksalsschlag

Mit dem folgenden Album "Joyride" gingen Roxette 1991 erstmals auf große Welttournee und spielten vor insgesamt 1,7 Millionen begeisterten Fans. Der Erfolg in den USA ließ in den 90ern jedoch schnell nach. In anderen Teilen der Welt wie Südamerika, Australien und Europa verkauften Roxette dagegen weiterhin Millionen von Platten. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde ihre Karriere jedoch durch einen Schicksalsschlag unterbrochen.

Im September 2002 verlor Fredriksson in ihrem Badezimmer das Bewusstsein, stürzte und erlitt eine Gehirnerschütterung. Im Krankenhaus stellten die Ärzte bei der Sängerin einen Gehirntumor fest. Fredriksson musste sich einer Operation sowie einer langwierigen Chemo- und Bestrahlungstherapie unterziehen. In dieser Zeit hatte sie phasenweise Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen und mied die Öffentlichkeit.

Der lange Weg zum Comeback

Der Musik blieb Fredriksson zwar treu, allerdings komponierte sie lieber zusammen mit ihrem Ehemann Edmund Mikael Bolyos (62). Denn in der Band hatte schon zuvor der Haussegen schiefgehangen: Fredriksson fühlte sich von den Männern im Team, insbesondere dem damaligen Produzenten unterdrückt, wie sie 2015 in ihrer Autobiographie verriet. 2004 veröffentlichte sie das viel beachtete Solo-Album "The Change", in dem sie ihre Krankheit verarbeitete.

Im Oktober 2005 gab Fredriksson bekannt, dass sie den Krebs besiegt habe. 2006 feierten Roxette ihr 20-jähriges Jubiläum mit der "Rox Box", die neben den alten Hits auch zwei neue Songs enthielt. Auf eine echte Rückkehr der Band mussten die Fans jedoch noch etwas warten: Im Mai 2009 verkündeten Roxette, dass sie im Rahmen der "Night of the Proms"-Konzertreihe ihr Comeback geben würden. Schon am nächsten Tag holte Gessle bei einem Solo-Konzert in Amsterdam überraschend Fredriksson für die Roxette-Hits "It Must Have Been Love" und "The Look" auf die Bühne.

Das Ende der Band

In den folgenden Jahren erlebten Roxette einen zweiten Frühling. Im Herbst 2014 brach die Band zur großen Welt-Tournee zu ihrem 30-jährigen Jubiläum auf. Im Frühjahr 2016 dann der Schock: Roxette sagten die restlichen Konzerte ab, denn Fredriksson könne auf Anraten ihrer Ärzte nicht mehr touren. "Ich habe keine Kraft mehr", ließ sie ihre Fans wissen. Fredriksson leide immer noch an den Folgen der Krebserkrankung, erklärte Gessle später. "Auf einem Auge ist sie fast blind, schlimmer steht es aber um ihr Bein. Sie ist sehr eingeschränkt beim Laufen", erzählte er RTL damals. Schon die letzten Konzerte musste die Sängerin im Sitzen absolvieren, sich beim Betreten und Verlassen der Bühne stützen lassen.

Gessle wollte die Band zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgeben und ließ durchblicken, dass es zwar keine Konzerte mehr geben würde, dass man künftig aber vielleicht auf Musik aus dem Studio hoffen könne. Dazu wird es leider nicht mehr kommen. Fredriksson hinterlässt nicht nur ein großes musikalisches Erbe, sondern auch ihren Ehemann und ihre beiden Kinder, Josefin und Oscar. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

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