Maria Furtwängler + Florence Kasumba: So ist das "Tatort"-Powerduo hinter den Kameras

Maria Furtwängler und Florence Kasumba über Sympathie am "Tatort"-Set, Eifersucht in der Partnerschaft – und diese ewigen Klischees

Maria Furtwängler + Florence Kasumba

Auf der einen Seite: Maria Furtwängler, 52, die kühle Blonde. Auf der anderen: Florence Kasumba, 42, die afrodeutsche Powerfrau.

Maria Furtwängler + Florence Kasumba über ihre Rollen im Tatort

Mit ihren unterschiedlichen "Temperaturen", wie Maria Furtwängler es nennt, spielen die beiden auch als neues "Tatort"-Duo. Klingt vielversprechend. Doch GALA wollte auch wissen, wo es Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Frauen gibt.

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Renée Zellweger begeistert ihre Fans in der Rolle von Judy Garland.
©Gala

GALA: Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt wie Sie am Set, muss man sich da sympathisch sein?

Maria Furtwängler: Es wäre fatal, wenn es anders wäre! Wir haben uns schon lange im Voraus kennengelernt, die Regisseurin brachte uns zusammen. Ich fand das sofort sehr spannend, weil Florence und ich eine ganz unterschiedliche Temperatur haben. Eine Grundsympathie muss da sein.

GALA: Es kommt zwischen Ihnen im Film zu einer Tätlichkeit. Wie war das für Sie?

Furtwängler: Ich habe in meinem Leben drei Ohrfeigen bekommen und fand es jedes Mal ganz schlimm – für mich war das immer so kränkend und erschütternd. Ich finde es jetzt spannend, dass es zwischen den beiden Frauen zur körperlichen Auseinandersetzung kommt, denn es ist ja sehr selten, dass Frauen untereinander tätlich werden. Bei Männern nehmen wir das so hin.

Florence Kasumba: Wenn wir so eine Szene drehen, ist das nur technisch. Dann geht es darum, dass es glaubwürdig rüberkommt. Im normalen Leben habe ich noch nie jemanden geschlagen. Das ist für mich eine Grenzüberschreitung.

Florence Kasumba ist die erste dunkelhäutige Ermittlerin im deutschen Fernsehen. Sie war bereits in den Hollywood- Blockbustern "Black Panther" und "Avengers: Infinity War" zu sehen

GALA: Sie haben eine sehr starke Präsenz. Kommt die immer gut an?

Kasumba: Seit ich meine Haare abrasiert habe, gehen die Leute ganz anders mit mir um. Viele fühlen sich provoziert. Ich hatte zuletzt am Flughafen eine Kontrolle, bei der der Polizist schon die Hand an der Waffe hatte. Da denke ich dann: Wow, ich stehe doch nur hier! Wenn ich einen Raum betrete, spüre ich, dass viele Männer sich unwohl fühlen. Es wird still, ohne dass ich irgendwas gemacht habe.

GALA: Und wie reagieren Frauen?

Kasumba: Die sagen eher: "Hey, siehst du toll aus!"

GALA: Ihre "Tatort"-Figuren Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz kommen sich in die Quere – auch beim Flirten. Waren Sie privat schon mal in so einer Situation?

Furtwängler: Es gibt dieses herrliche Lied von Alanis Morissette – "Ironic". Da heißt es: "Meeting the man of your dreams and then meeting his beautiful wife …" Ich glaube, jeder von uns war schon mal hingerissen von jemandem, und plötzlich steht Madame daneben und sagt: "Hallo, wir haben uns noch gar nicht kennengelernt."

Kasumba: In unserem Beruf kommt es oft vor, dass man Szenen spielt, in denen man in einer Beziehung mit jemandem ist. Ich hätte ein Problem, wenn mein Mann jetzt zu Hause säße und eifersüchtig wäre. Wenn man jemanden mag, warum darf man dann nicht mit dem flirten?

Jetzt im TV: Bei ihrem ersten gemeinsamen "Tatort"-Fall müssen sich Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) zusammenraufen. Gedreht wurde in Göttingen. ("Das verschwundene Kind", Das Erste, 03.02.2019, 20.15 Uhr)

GALA: Sind Sie eifersüchtig, Frau Furtwängler?

Furtwängler: Ich bin kein sehr eifersüchtiger Mensch, nee. Ich habe immer die Vermutung, dass diejenigen Menschen am eifersüchtigsten sind, die selber nicht treu sind und deshalb diese Fantasie entwickeln, was bei dem anderen abgehen könnte. Ich bin davon nicht so betroffen.

GALA: Sie sind beide zweifache Mütter. Ist das etwas, was Sie  untereinander thematisieren?

Furtwängler: Eine Sache finde ich echt lustig. Ich bin zwar eine bekennende Feministin und kämpfe gegen alle Vorurteile – aber dann war schon meine dritte Frage an Florence: Sag mal, wie machst du das mit den Kindern, wer kümmert sich um sie, wenn du nicht da bist? Dabei habe ich es selbst immer schon gehasst, diese Frage gestellt zu bekommen.

Vor 17 Jahren übernahm Maria Furtwängler die Rolle der Charlotte Lindholm. Sie gehört zu den beliebtesten "Tatort"-Stars

GALA: Gehen wir also immer noch davon aus, dass Mütter mehr Verantwortung tragen als Väter?

Furtwängler: Ja. Mich hat das belastet. Mich hat dieses Gefühl immer beschäftigt: Tue ich den Kindern etwas Schlechtes, wenn ich drehe und nicht da bin? Ich würde so gerne an den Punkt kommen, wo wir anfangen, dieses Denken zu durchbrechen.

GALA: Frau Kasumba, kennen Sie solche Schuldgefühle auch?

Kasumba: Nein. Aber ich frage mich manchmal schon, warum ich so ticke. Ich denke, weil meine Mama auch gearbeitet hat. Sie hat uns Kindern vorgelebt: Ich gehe zur Arbeit, dann komme ich nach Hause und alles ist gut. Das vermittle ich jetzt auch. Ich habe zwei gesunde Kinder, bin verheiratet, alles läuft gut. Ich würde nicht so reden, wenn ich alleinerziehend wäre.

GALA: Wie war das denn bei Ihnen Frau Furtwängler, als Ihre Kinder klein waren?

Furtwängler: Meine Mutter war immer berufstätig, hat mir aber das Gefühl gegeben: Das Wichtigste im Leben ist, eine großartige Mutter zu sein. Dadurch hat sie Stress aufgebaut, wie mir im Nachhinein aufgefallen ist. In Deutschland ist das Mutter-Ideal so hoch wie in keinem anderen Land. Das stresst maßlos, diese übersteigerte Vorstellung von Mutterschaft. Meine Mutter hat die heftig hohen Erwartungen an mich weitergetragen, eine perfekte Super-Mutti zu sein. 

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