Maniac: Science-Fiction im Auenland

Gleich drei (und mehr) Serienwünsche auf einmal? Die neue Mini-Serie "Maniac" mit Emma Stone ist das TV-Pendant eines Überraschungseis.

Schach gegen ein Plüschtier? In "Maniac" das Normalste der Welt

Im goldenen Zeitalter der Serien ist es fast unmöglich geworden, besonders herauszustechen. Jedes Genre, ob Fantasy, Crime, Horror oder Sci-Fi, ist mehr als reichlich abgedeckt. Und selbst Oscargewinner reißen sich schon seit längerer Zeit um die Rollen abseits der großen Leinwand. Wie also soll man bei diesem Überangebot an wöchentlicher Top-Unterhaltung den Fuß in die Wohnzimmertür des Zuschauers bekommen? Indem einfach aus allen Genres die besten Facetten herausgepickt werden, scheint sich der frischgebackene "Bond"-Regisseur Cary Joji Fukunaga (41) gedacht zu haben, als er seine neue Netflix-Serie "Maniac" konzipierte, die am 21. September in ihrer Gänze bei dem Streaminganbieter veröffentlicht wird.

Darum geht es in "Maniac"

Zwei Figuren stehen im Zentrum der Geschichte. Da ist zum einen Owen Milgrim ( , 34), der Spross einer millionenschweren Unternehmerfamilie. Große Lebensfreude kann der junge Mann aber nicht aus seinem Erbe ziehen, denn er leidet unter schwerer Schizophrenie. Unter gänzlich anderen Vorzeichen, aber mit derselben Folge verlief bislang das Leben der jungen Frau Annie Landsberg ( , 29). Sie stammt aus einer zerrütteten Familie und weiß schlichtweg nicht, wohin mit ihrem Leben. Hilfe suchen beide Geplagten in einem medizinischen Experiment.

Mit bewusstseinsverändernden Drogen macht sich der Wissenschaftler James K. Manterey (ein kaum wiederzuerkennender , 47) an seinen Probanden zu schaffen. Welche Aus- und Nebenwirkungen die Pillen haben, darüber kann er allerdings nur spekulieren - und so taumeln Owen und Annie bald schon durch die abgedrehtesten (Alb-)Traumwelten.

Von allem ein bisschen

Erst seit gestrigem Donnerstag ist bekannt, dass Cary Joji Fukunaga die Regie des nächsten "Bond"-Streifens mit übernehmen wird. Er machte sich als Erfinder der hochgelobten HBO-Serie "True Detective" eindrucksvoll einen Namen. Auch in den zehn Folgen der Mini-Serie "Maniac" findet sich ein Crime-Erzählstrang, der an "Die Sopranos" erinnert. Aber dabei bleibt es bei weitem nicht, wie eingangs erwähnt. Den schwarzen Humor und die schrägen Charaktere (auch wirkt mit) scheint sich "Maniac" direkt von "Fargo" zu entleihen. Bei den Fantasy-Einlagen wird unverhohlen "Der Herr der Ringe" zitiert, ebenso verhält es sich beim Sci-Fi-Aspekt mit dem Klassiker "2001: Odyssee im Weltraum".

"Das ist so ne' Art multireale Gehirn-Magie-Scheiße", fasst im Trailer Stones Figur Annie Landsberg das Erlebte zusammen. Und erklärt damit quasi schon in der Vorschau, dass "Maniac" nicht für jedermann zugänglich sein wird. Ähnlich wie "Westworld", in der Sci-Fi durch größtmöglichen Aufwand und Starpower mit dem Western-Genre verknüpft wird, lässt "Maniac" sogar noch viel mehr Szenerie-Wechsel und "Mindfucks" zu. Schauwerte liefert die Serie dabei irgendwo zwischen den Filmen "Inception" und "Vergiss mein nicht".

Rahmenhandlung für all diese Episoden bildet dabei das Labor von James K. Manterey - wenn man so will vergleichbar mit wenig geliebtem Film "Sucker Punch", in dem eine Gruppe Mädchen dem grausamen Alltag einer Irrenanstalt in kunterbunte Fantasy-Szenarien entflieht. Bei all dem wird klar: Wer Spaß dabei hat, die Referenzen an andere Filme zu suchen, wird "Maniac" lieben. Die Gefahr, sich von diesen unterschiedlichen Einflüssen überfordert zu fühlen, ist aber immens groß. Seichte Unterhaltung für nebenbei ist "Maniac" jedenfalls ganz und gar nicht, darauf sollten sich Interessierte unbedingt einstellen.

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