Manchester By The Sea: Casey Affleck als gebrochener Mann

Für "Manchester by the Sea"-Star Casey Affleck sollte eine Oscar-Nominierung selbstverständlich sein. Der Film geht unter die Haut.

Casey Affleck spielt in "Manchester by the Sea" Lee Chandler

Casey Affleck spielt in "Manchester by the Sea" Lee Chandler

Neben dem Musical "La La Land" zählt das Drama "Manchester by the Sea" zu den großen Favoriten im Oscar-Rennen. Casey Affleck (41, "Triple 9") spielt darin die Hauptrolle - einen gebrochenen Mann, dessen Schmerz zu jeder Sekunde greifbar ist. Seine Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" dürfte nach seinem Golden-Globe-Gewinn gesetzt sein. Regisseur Kenneth Lonergan (54, "You Can Count on Me") hat einen bewegenden Film über Trauer, Schmerz, Schuld und Verzweiflung inszeniert, der tief berührt.

Die Story

Lee Chandler (Casey Affleck) ist ein schweigsamer Einzelgänger, der als Hausmeister in einem Wohnblock in Boston arbeitet. An einem feuchtkalten Wintertag erhält er einen Anruf, der sein Leben auf einen Schlag verändert. Sein Bruder Joe (Kyle Chandler) ist gestorben. Nun soll Lee die Verantwortung für seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) übernehmen. Äußerst widerwillig kehrt er in seine Heimat, die Hafenstadt Manchester, zurück. Doch ist Lee dieser Situation und der neuen Herausforderung gewachsen? Und kann die Begegnung mit seiner Ex-Frau Randi (Michelle Williams), die alten Wunden der Vergangenheit heilen?

Performances, die unter die Haut gehen

Man kann es nicht anders sagen: Casey Afflecks Darbietung ist herausragend und Oscar-würdig. Der kleine Bruder von Hollywood-Star Ben Affleck (44, "Argo") beweist, dass seine erste Oscar-Nominierung im Jahr 2008 als "Bester Nebendarsteller" in "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" keine Zufallserscheinung war. Eindringlich, aber ohne große Gesten und aufwändiges Mienenspiel, schafft Affleck es, Lee Chandler als bis ins Mark gebrochenen Mann darzustellen, der von seinem Schmerz, seiner vermeintlichen Schuld und seiner Trauer aufgefressen wird.

Der 41-Jährige braucht dazu nicht einmal viel Text, denn Lee Chandler ist wortkarg und lässt hier und da lieber seine Fäuste die Wut ausdrücken, die er tief in sich verspürt und am liebsten gegen sich selbst richten würde. In jeder Sekunde des Films ist seine Verzweiflung spürbar. Man kann sich niemand anderen in der Rolle vorstellen - auch nicht Matt Damon, 46, der sie ursprünglich spielen sollte. Als kongeniale Szenenpartner hat Affleck Emmy-Gewinner Kyle Chandler (51, "Friday Night Lights"), die dreifache Oscar-Anwärterin Michelle Williams (36, "My Week with Marilyn") und Newcomer Lucas Hedges, 20, an seiner Seite.

Setbilder

Stars bei Dreharbeiten

Für den Film "Destroyer" wird der Hollywoodstar beim Drehen erwischt. Die kürzeren Haare und das sie müde und älter wirken lassende Make-up lassen die Oscarpreisträgerin wie einen ganz anderen Menschen erscheinen. Hättet ihr Nicole Kidman erkannt?
Cara Delevingne gewährt uns einen Blick auf das Set der kommenden Fantasy-Serie "Carnival Row", in der sie unter anderem neben Orlando Bloom spielt.
"Ich schaue in den Spiegel und frage mich, wer diese Frau ist", postet eine stark veränderte Anna Hofbauer, die sich sehr über die Rolle der "Päpstin" freut.
"Der Moment als ich versuchte die Welt zu retten", postet Doutzen Kroes. Das Supermodel ist total stolz über ihren kleinen Auftritt im Blockbuster "Justice League".

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Ein bisschen Spaß muss sein

Die tiefe Verbundenheit zwischen den Brüdern wird in den wenigen gemeinsamen Szenen offensichtlich. Herzzerreißend ist unter anderem der Moment, als Lee den leblosen Körper seines Bruders noch einmal sieht. Hier spürt man die unendliche Brüderliebe. Affleck und Williams sind einerseits als glückliches Paar, andererseits als zerrüttete Ex-Eheleute zu sehen. Viele Dinge bleiben unausgesprochen, doch in dem Moment, als es zu einer Aussprache kommt, zeigt Williams ihr Können. Lee und Randi winden sich, vor Trauer, Schmerz und der Liebe zueinander, die wohl nie versiegen wird. Es tut fast weh, hinzusehen, weil es so real wirkt.

Trotz der Schwere, die auf dem Film lastet, gibt es in "Manchester by the Sea" auch erstaunlich viel zu lachen. Für diese heiteren Momente sorgt vor allem Lucas Hedges alias Patrick. Der Newcomer wird vom Tod seines Vaters tief gebeutelt, doch ist er dennoch ein typischer 16-Jähriger, der vor allem zweierlei im Kopf hat: Mädchen und Sex. Die Situationskomik, die sich daraus ergibt, gepaart mit dem wortkargen Verhältnis zu seinem Onkel Lee, veranlasst an etlichen Stellen zum Schmunzeln und lautem Auflachen. Kenneth Lonergan ist ein Meister des trockenen Humors.

Realismus pur

Neben den überwältigenden schauspielerischen Leistungen überzeugt "Manchester by the Sea" auch durch seine realistische Umsetzung. Kenneth Lonergan verwendet ruhige und starke Bilder, die der Geschichte zusätzlich Tiefe verleihen. Er fängt die eisige Kälte, die Boston und Manchester im Winter umgibt, so perfekt ein, dass man fast im Kinosessel mitfrieren kann. Die Story wird ehrlich erzählt. Die Verwandten sind nun einmal überfordert, wenn es nach einem Todesfall darum geht, alles für die Beerdigung des Verstorbenen zu organisieren. Wie reagiert man richtig? Wie verhält man sich richtig? Was muss man sagen?

Diese Fragen werden nicht mit Klischees und Floskeln beantwortet, sondern auf absolut ehrliche Weise dargestellt, die zu allen Figuren ideal passt. Auch eine Szene, die schlechten Handyempfang realistisch umsetzt, sieht man nur selten. Ebenso selten verfliegen über 130 Filmminuten wie im Nu - doch keine einzige davon ist verschwendete Zeit. Wer am Ende ein klassisches Happy End erwartet, wird ein weiteres Mal in die Realität befördert. Und das macht den Film nur noch besser.

Fazit

Kenneth Lonergan ist mit "Manchester by the Sea" ein Meisterwerk gelungen. Das Drama geht unter die Haut und hallt lange nach. Die Figuren haben unergründliche Tiefe und grandiose Schauspieler fesseln den Zuschauer in jeder Sekunde. Lonergan zeigt, wie realistisch ein Film und wie gebrochen ein Mensch sein kann. Das mag wehtun, doch solche Filme müssen gemacht und angesehen werden. Ganz großes Kino!

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