Lena Klenke über "Fack ju Göhte": "Ich hatte Glück, dass ich nicht zum Hauptcast gehörte"

Schauspielerin Lena Klenke konnte "Fack ju Göhte" als Sprungbrett nutzen. Nun will sie jedoch zeigen, dass sie mehr als die Rolle eines rotzigen Teenagers kann und wagt in ihrem neuen Film eine Zeitreise. 

Schauspielerin Lena Klenke.

Zu Beginn des Interviews stellt sich Anna-Lena Klenke, 23, nur mit "Lena" vor. "Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der mich bei meinem ganzen Namen nennt. Deswegen sage ich am Set auch, dass ich nur Lena genannt werden möchte, weil ich auf Anna überhaupt nicht reagiere", sagt sie zur Erklärung. 
So auch bei den Dreharbeiten ihres neuen Films "Ottilie von Faber-Castell – eine mutige Frau". Im Film bestimmt der Bleistiftfabrikant Lothar von Faber seine 16-jährige Enkelin Ottilie zur Firmenerbin. Während sie sich in der Männerwelt behaupten muss, bekommt sie Hilfe von ihrem Hausmädchen, gespielt von Lena Klenke. Im GALA-Interview erklärt die Schauspielerin, auf welche Erkenntnis sie während der Dreharbeiten gestoßen ist.

Lena Klenke über eine mutige Frau

GALA: In Ihrem neuen Film ist Mutig-Sein ein großes Thema. Wer ist denn der mutigste Mensch, den Sie kennen?
Lena Klenke: Meine Mutter. Sie hat sich schon immer Sachen getraut, vor denen ich sehr viel Respekt habe. Oft waren es einfach berufliche oder private Entscheidungen, aber es gehört viel Mut dazu, seinen eigenen Weg zu gehen und seinem Bauchgefühl zu vertrauen. 

Was hat Ihre Mutter für Entscheidungen getroffen, die Sie so bewundern?
Sie hatte einen ganz schlimmen Autounfall, bei dem ihre Knie zertrümmert wurden. Sie musste komplett neu laufen lernen. Im Krankenhaus wurde ihr gesagt, dass sie wohl nie wieder Sport machen wird. Inzwischen kann sie das aber und sie hat damit allen gezeigt, dass es funktioniert, wenn man nur will.

Jedes Projekt ist eine komplett eigene Welt.

Es ist schön, dass Sie mit Ihrer Mutter eine Frau nennen. Ihr aktueller Film "Ottilie von Faber-Castell" spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Es geht darum, Klischees und alte Rollenbilder zu brechen. Haben Sie es je als Nachteil empfunden eine Frau zu sein?
Nein, eigentlich gar nicht. In der Filmindustrie kamen zuletzt viele Sachen ans Tageslicht. Ungleiche Gehälter und #metoo zum Beispiel. Das hat mich nachdenklich gestimmt und ich habe überlegt, ob ich schon mal in solchen Situationen war, in denen ich benachteiligt wurde und es vielleicht gar nicht gemerkt habe. Ich habe früh angefangen zu drehen und am Set zu arbeiten, dabei ist mir Gott sei Dank nie irgendwas passiert und ich habe mich meinen Kollegen immer gleichgesetzt gefühlt.

Ihre bisherigen Projekte sind sehr unterschiedlich: Die Serie "How to sell drugs online (fast)", der aktuelle Film "Ottilie von Faber-Castell“ und natürlich auch "Fack ju Göhte". Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Am meisten kann ich gar nicht sagen, weil jedes Projekt eine komplett eigene Welt ist. Bei "Ottilie von Faber-Castell" haben wir in Prag gedreht. Das historische Setting war fantastisch, aber natürlich spielen auch die Leute am Set eine große Rolle. Das Gefühl, zusammen etwas zu erarbeiten, ist am besten.

Lena Klenke bewundert Menschen, die in sich ruhen

Sie haben mit unglaublichen Schauspielern gearbeitet. Haben Sie noch Vorbilder?
Bei "Ottilie von Faber-Castell" habe ich es sehr genossen mit Martin Wuttke zu drehen. Als wir zu Drehbeginn gemeinsam vom Hotel abgeholt wurden, war ich total aufgeregt. Dabei ist er auch nur ein Mensch und wahnsinnig bodenständig. Er ruht wirklich in sich, das bewundere ich sehr.

Sie haben gesagt, dass Prag eine unglaubliche Kulisse ist. Aber auch die Kostüme im Film "Ottilie von Faber-Castell" sind atemberaubend. Wie war es wortwörtlich in eine vollkommen andere Zeit zu schlüpfen?
Ich war begeistert, was die Kostümbildnerin aus unterschiedlichen Fundi aus ganz Europa gesammelt hat. Einige Stücke kamen aus Budapest, Paris oder auch Berlin. Interessant war auch, dass im Film fast 20 Jahre vergehen und sich damit auch die Mode verändert hat. Es hat schon was mit mir gemacht, als ich jeden Morgen in ein enges Korsett geschnürt wurde. Aber spätestens nach dem Mittag musste das Kleid zwei Stufen lockerer gebunden werden!

Ich muss nochmal nachfragen: Im Film vergehen 20 Jahre?
Ja, nicht ganz. Die Geschichte basiert auf einen Roman, in dem 16 Jahre vergehen. Zu Beginn des Films ist meine Rolle 17 Jahre alt, am Ende ist sie Anfang 30. In der Post-Produktion wurden später leichte Falten hinzugefügt.

Im echten Leben sind Sie 23 Jahre alt. Wie hat sich das angefühlt, als Sie sich mit kleinen Fältchen gesehen haben?
Ich finde das tatsächlich schön, weil ich meistens jünger geschätzt werde und daher auch immer jüngere Rollen verkörpere. Als Schauspielerin finde ich es wahnsinnig spannend, mit einer Rolle älter zu werden und mir auszumalen, was diese Frau in den Jahren erlebt hat.

"Fack Ju Göhte" brachte Jella Haase und Max von der Groeben den Durchbruch

Bei "Fack Ju Göhte“ haben Sie zum Beispiel eine Schülerin gespielt. Der Film hat den beteiligten Schauspielern extrem viel Aufmerksamkeit eingebracht. Hatten Sie Angst auf der Rolle dieses Films sitzen zu bleiben?
Ich bin unheimlich dankbar, bei den Filmen dabei gewesen sein zu dürfen. Wir wussten damals gar nicht, was das für ein Erfolg wird. Ich hatte aber eigentlich Glück, dass ich nicht zum Hauptcast gehörte. Viele meiner damaligen Kollegen werden immer noch damit identifiziert. Das kann ein Vorteil sein, weil sie jetzt eine große Bekanntheit haben und es als Sprungbrett nutzen können. Allerdings müssen sie sich auch aus dieser Rolle wieder rauskämpfen. Ich bin froh, dass meine Rolle so war, wie so war und ich seit dem zeigen darf, zu was ich noch fähig bin.

Der Film "Ottilie von Faber-Castell – eine mutige Frau" wird am Samstag, den 14. September, um 20:15 Uhr im ZDF ausgespielt.

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