Leaving Neverland: Diese Vorwürfe sind neu

Die Gerüchte um Kindesmissbräuche von Michael Jackson reißen seit mehr als 25 Jahren nicht ab. Was ist in "Leaving Neverland" wirklich neu?

Michael Jackson im Jahr 1993

Unausgewogen, fehlerhaft, revolutionär, brisant, herzzerreißend. Die Attribute, welche der umstrittenen Dokumentation "Leaving Neverland" (Samstag, 20:15 Uhr, ProSieben) zugeschrieben werden, haben eine unglaubliche Bandbreite. Die Kommentare teilen sich dabei klar in zwei Lager: Das eine ist felsenfest davon überzeugt, dass Michael Jackson (1958-2009) unschuldig ist. Das andere ist sich sicher, dass der King of Pop über viele Jahre hinweg zahlreiche Kinder sexuell missbraucht hat. Doch neu ist das Ganze natürlich nicht; die Vorwürfe reichen bereits ins Jahr 1993 zurück.

Das sind seine vermeintlichen Opfer

2005 musste sich Jacko sogar vor Gericht verantworten und wurde damals eigentlich komplett rehabilitiert. Die angeblichen Opfer entpuppten sich als wenig glaubhaft und verstrickten sich in offensichtlichen Widersprüchen. Doch nun - knapp zehn Jahre nach seinem Tod - soll nun eine Doku wirklich Licht ins Dunkel bringen. War Jacko eine Kinder vergewaltigende Bestie? Oder kristallisieren sich am Ende die beiden vermeintlich neuen Opfer doch wieder nur als geltungssüchtige Lügner heraus? Es wäre nicht das erste Mal. Was ist nun also wirklich neu an den Vorwürfen?

Im Kern stützt sich "Leaving Neverland" auf die Aussagen zweier Männer, die angeben, von Michael Jackson mehrfach sexuell missbraucht worden zu sein. Es handelt sich dabei um Wade Robson (36) und James Safechuck (41). Letzteren lernte Jacko im Jahr 1987 kennen, als sie gemeinsam einen Werbefilm drehten. Safechuck war damals zehn Jahre alt. Anschließend lud der Popstar ihn mehrfach zu sich auf die Neverland Ranch ein. Robson war hingegen erst fünf Jahre alt, als er ein Treffen mit Jacko gewann. Auch ihn begrüßte Jacko anschließend immer wieder auf seinem Anwesen. So viel ist klar.

Bedrohte Michael Jackson die beiden?

Die beiden sollen von Jacko immer wieder sexuell missbraucht worden seien, hätten sich angeblich sogar schnell anziehen müssen, wenn sich jemand genähert hätte. Michael Jackson hätte dafür Alarm ausgelöst. Diese angeblichen, sexuellen Missbräuche werden in der Doku mit vermeintlichen Liebesbriefen und Tonbandaufzeichnungen, in denen Jacko seine Zuneigung den Jungen gegenüber schildert, untermauert. Sie hätten nichts über die Geschehnisse verraten dürfen, sonst wären er und auch die Kinder lebenslang ins Gefängnis gesteckt worden, so die angebliche Drohung von Jacko.

Erst nach dem Tod von Jackson im Jahr 2009 wandten sich die beiden mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Beide versuchten die Nachlass-Verwaltung von Jackson auf Schadensersatz zu verklagen, ein Richter wies ihre jeweiligen Klagen 2017 aber letztlich ab. Die Firma hafte nicht für das Verhalten des Sängers, so dessen Begründung. Eine wirkliche Prüfung der Anschuldigungen fand allerdings nie statt.

Wade Robson war außerdem am Prozess 2005 beteiligt und sagte als Zeuge für Michael Jackson aus. Der King of Pop habe sich ihm niemals unangemessen genähert, erzählte er damals den Geschworenen und dem Richter unter Eid. Ist so ein plötzlicher Sinneswandel glaubhaft? Auch damit setzt sich "Leaving Neverland" auseinander. Die Opfer hätten viele Jahre geschwiegen, weil sie schwer traumatisiert gewesen seien. Endgültige Beweise fehlen allerdings bis heute.

Fehler in "Leaving Neverland"

Mittlerweile machen erste Berichte über faktische Fehler innerhalb der Doku die Runde. Ein Biograf von Michael Jackson bemerkte, dass Safechuck angibt, bis 1992 auf der Neverland Train Station missbraucht worden zu sein. Das Problem: Das Gebäude wurde laut Baugenehmigung erst 1993 erstellt und 1994 eröffnet. Robson hingegen erzähle in der Doku über einen Ausflug seiner Familie zum Grand Canyon. Er und Jackson seien alleine zurück auf der Neverland Ranch geblieben. Seine Familie hingegen habe in Vernehmungsprotokollen davon gesprochen, dass ihr Sohn nicht alleine mit Jackson zurückblieb.

Regisseur Dan Reed räumte den Fehler bezüglich des Bahnhofs bereits ein, merkte aber an, dass Safechuck vor und nach dem Bau der Train Station dort gewesen und von Jacko missbraucht worden sei. Endgültig geklärt werden die Vorwürfe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl nie. Man muss jedoch zur Ehrenrettung von Michael Jackson festhalten, dass er zumindest vor Gericht freigesprochen wurde, auch die neuen Vorwürfe sind kein Beweis für Übergriffe. Jacko selbst kann sich überdies nicht mehr gegen die Anschuldigungen wehren.

Michael Jackson hatte offenbar ein zumindest ungewöhnliches, bis gestörtes Verhältnis zu Kindern, insbesondere zu kleinen Jungen. Diese Nähe, diese Zuneigung sind nur sehr schwer mit einem normalen Umgang zwischen einem Erwachsenen und einem Kind zu vergleichen. Ob sich aus diesem skurrilen Verhalten Jackos jedoch auch strafbare Handlungen ergaben, bleibt wahrscheinlich für immer im Verborgenen.

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