"Leaving Neverland"-Doku: Die Vorwürfe gegen Michael Jackson

Die US-Dokumentation "Leaving Neverland", die am 6. April um 20.15 Uhr auf ProSieben erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, wirft ein schockierendes Licht auf Michael Jackson. Das sind die Vorwürfe der vermeintlichen Opfer

Michael Jackson

Hatte Michael Jackson (†50) einen dunkle Seite und wenn ja, wie dunkel war sie? Dieser Frage nimmt sich die Enthüllungs-Dokumentation "Leaving Neverland" an, die erstmals am 3. und 4. März 2019 in den USA ausgestrahlt wurde und am heutigen Samstag auch auf Deutsch zu sehen sein wird. Die Anschuldigungen gegen den King of Pop - sie sind gravierend. Erhoben werden sie von den beiden Männer Wade Robson und James Safechuck, die als Kind viel Zeit mit Jackson verbracht haben - und von ihm missbraucht worden sein sollen.

"Leaving Neverland"-Doku: Michael Jackson soll sehr vorsichtig agiert haben

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Laut Safechuck gab es in der Neverland Ranch mehrere Orte, an die Jackson seine Opfer brachte. Der Gang zum Schlafzimmer des Sängers sei mit Glocken versehen gewesen, die Jackson warnen sollten, sobald sich jemand näherte. Auch habe Jackson den Kindern eingetrichtert, dass sie alle gemeinsam ins Gefängnis gehen müssten, sollte jemals herauskommen, was sie miteinander machen. Anderen Menschen - vor allem Frauen - könne und dürfe man nicht trauen, soll er ihnen immer wieder gesagt haben.

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Ein Ehering als Belohnung

Beide Männer geben in der Doku an, von Jackson sexuell missbraucht worden zu sein - von Oralverkehr und Selbstbefriedigung berichten die beiden vermeintlichen Opfer. Als "Belohnung" habe Jackson den Kindern dann Geschenke gemacht, im Fall von Safechuck etwa Schmuck. Er habe von Jackson an einem Punkt sogar einen Ehering erhalten.

Robson: "Ich dachte er liebt mich"

Zudem hätten beide erst sehr viel später realisiert, dass ihnen Unrecht getan wurde. Jahrelang habe Robson wirklich geglaubt: "Ich liebte ihn und er liebte mich", zitiert die Seite "The Hollywood Reporter" aus der Sendung. Joy Robson und Stephanie Safechuck, die Mütter der beiden angeblichen Opfer, erzählen in der Doku, dass Jackson stellenweise wie ein "eigener Sohn" anmutete. Seine kindliche Art und sein Weltruhm hätten beide davon überzeugt, dass ihre Kinder sicher bei ihm wären.

Michael Jackson (†)

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Safechuck + Robson: Warum die Falschaussagen?

1993 und 2003 musste sich Jackson vor Gericht wegen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verantworten. Sowohl Safechuck als auch Robson gaben damals an, dass sich der Sänger nie an ihnen vergangen habe. In "Leaving Neverland" erklärten die beiden nun, dass Jackson sie massiv unter Druck gesetzt und zu diesen Falschaussagen gedrängt habe. Doch: Wie wahr sind die in der Doku erhobenen Vorwürfe wirklich?

Dieser eklatante Fehler unterlief dem Regisseur

Kurz vor der Ausstrahlung von "Leaving Neverland" im deutschen Fernsehen gestand Regisseur Dan Reed einen schweren Fehler, der ihm unterlaufen ist. Entdeckt hat ihn der Jackson-Biograf Mike Smallcombe und weist via Twitter auf ihn hin. Safechuck erklärte in der Dokumentation, er sei zwischen 1988 und 1992 auf der Neverland Train Station mehrmals misshandelt worden. Brisant: Die Zugstation wurde erst 1993 gebaut und 1994 eröffnet. Das belegen Baupläne, die Smallcombe twitterte.

Red musste seinen Fehler zugeben. "Ja, es scheint über das Datum der Station keinen Zweifel zu geben." An den Vorwürfen ändere das seiner Meinung nach nichts. Smallcombe ist über die Nachlässigkeit verärgert. An Reed gewandt sagt er: "Steh einfach dazu, verändere deine Geschichte nicht. Das passiert, wenn du nicht ausreichend recherchierst." Wenn Reed bei diesem einfach zu recherchierenden Detail gepatzt hat, sind ihm dann auch andere Fehler unterlaufen?
Auch Jacksons Familie ist entsetzt über den Film.

Jacksons Nachlassverwalter gegen den TV-Sender "HBO"

Bereits im Vorfeld der Ausstrahlung haben Jacksons Nachlassverwalter mit einer Klage gegen HBO reagiert. 100 Millionen Dollar (etwa 88 Millionen Euro) sollen sie Medienberichten zufolge von den Machern fordern.

"Michael ist ein leichtes Ziel, weil er nicht hier ist, um sich zu verteidigen, und das Gesetz schützt den Verstorbenen nicht vor Verleumdung, egal wie extrem die Lügen sind", sei in der Klage zu lesen. Die angeblich falschen Behauptungen dürfe HBO durch die Doku aus einem bestimmten Grund nicht verbreiten: Der Sender habe in einem Vertrag von 1992 versichert, den Musiker weder aktuell noch in der Zukunft zu verunglimpfen. HBO hatte damals Aufnahmen von Jacksons Welttournee "Dangerous" ausgestrahlt.

Während "Leaving Neverland" im Fernsehen lief, wurde auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Stars außerdem ein zweistündiges Konzert von Jackson veröffentlicht.

Verwendete Quellen: HBO, The Hollywood Reporter, YouTube

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