Lang Lang: "Wer viel übt, muss nicht einsam sein"

Er liebt seine Mutter - und Social Media: Der Pianist Lang Lang ist der erste multimediale Klassikstar. In "Gala" zeigt er aktuelle Schnappschüsse und spricht über ein Leben zwischen Tasten und Twitter

Lang Lang

Er reicht sein Champagnerglas herüber:

"Probieren Sie mal, der ist hervorragend! Ein Dom Pérignon Vintage 2003!" Heute Abend wird Lang Lang, 30, in Schloss Versailles eine Komposition über diesen und zwei andere Jahrgangs-Champagner uraufführen. Dass er sich schon mittags ein Schlückchen gönnt, verwundert dennoch. Sollte der disziplinierte Klassikstar manchmal Fünfe gerade sein lassen? Wir fragen nach.

Wie klingt Champagner? Vielleicht tatsächlich so wie die drei Stücke des Komponisten Alexandre Desplat für Dom Pérignon, die Lang Lang in Versailles spielte.

Waren Sie schon mal beschwipst?

Ich trinke eigentlich nicht, höchstens ein Glas zum Anstoßen. Aber letztens habe ich in den Weinkellern von Dom Pérignon sechs verschiedene Vintages verkostet. Danach habe ich mich zum ersten Mal ein wenig gefühlt wie auf Wolken. (lacht)

Klingt sehr diszipliniert.

Ich muss sehr diszipliniert sein. Auch beim Essen. Vor einem Konzert schlägt mir zu schwere Kost auf den Kreislauf, also komme ich oft erst um Mitternacht dazu. Wenn ich dann zu viel esse, nehme ich sofort zu.

Feiern Sie denn manchmal nach einem Konzert, so wie die Rockstars?

Manchmal, ja. Meinen 30. Geburtstag haben wir im Juni an drei Abenden hintereinander gefeiert. Aber dass Rockstars das ständig tun, halte ich für ein Gerücht. Überlegen Sie doch mal: Drei Stunden Heavy-Metal-Konzert und danach noch Party? Das ist doch crazy!

Was war das schönste Geschenk zu Ihrem 30. Geburtstag?

Ein Buch über die Stationen meines Lebens, das mein Vater selbst geschrieben hat.

Lang Langs Mutter Zhou Xiulan ist die wichtigste Person in seinem Leben. Sie begleitet ihren Sohn überall hin.

Und was haben Sie von Ihrer Mutter bekommen?

Meine Mutter macht mir täglich das größte Geschenk, indem sie mit mir reist und sich um mich kümmert. Sie ist ein wundervoller Mensch, sie ist fürsorglich und die beste Ratgeberin. Das Leben als Musiker kann sehr einsam sein. Viele Kollegen haben Heimweh. Bei mir ist das anders: Ich habe meine Mutter - und bin auch über Social Media ständig in Kontakt mit anderen Menschen. Wer viel übt, muss nicht einsam sein.

Sie haben fast 15 Millionen Follower weltweit. Lesen Sie die Kommentare Ihrer Fans?

Nicht alle, das wäre zu viel. Aber ich lese die erste Seite und oft auch die zweite und dritte. Meistens, wenn ich im Auto sitze. Und manchmal antworte ich auch.

Was tun Sie noch, wenn zwischen Studioaufnahmen, Proben und Konzerten ein wenig Zeit bleibt?

Ich gehe viel spazieren. Und ich spiele gerne Pingpong mit Freunden. Ein paar von ihnen spielen richtig professionell.

Und wie gut spielen Sie selbst Tischtennis?

Ganz okay. Besser jedenfalls als Fußball! Darin bin ich total schlecht, obwohl ich ein großer Fan bin. Besonders vom FC Barcelona.

Schnappschuss aus dem Taxi: ein Plakat für sein Konzert "Lang Lang And Friends", das am vergangenen Dienstag in der New Yorker Carnegie Hall stattfand.

Gibt es noch etwas, was Sie überhaupt nicht können?

Ich komme morgens nicht aus den Federn. Nach zwei Weckrufen muss meine Mutter an der Tür Sturm klopfen, bis ich aufstehe.

Sie gehören zu den Superstars der Klassik. Was haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre Ihres Lebens vorgenommen?

Noch mehr Nachwuchsarbeit zu betreiben, weil Ausbildung der Schlüssel zu allem ist. Neben meiner Stiftung und meiner Klavierschule in Shenzhen eröffne ich als nächstes ein Musikstudio in Peking.

Denken Sie auch daran, eine Familie zu gründen?

Nicht heute oder morgen, aber ganz sicher bevor ich vierzig werde. Aber vorher muss ich meinen Zeitplan umstellen. Wenn ich eine Familie gründe, möchte ich es richtig machen und für mein Kind da sein.

Sie selbst sind schon als Kind viel unterwegs gewesen. Mit zwölf Jahren waren Sie das erste Mal in Deutschland - wie war Ihr erster Eindruck von unserem Land?

Ich war beeindruckt vom Lebensstandard. Jeder schien ein eigenes Haus und ein tolles Auto zu haben! Und ich habe damals zum ersten Mal einen Supermarkt und einen Fahrkartenautomaten gesehen. So etwas gab es in China noch nicht.

Lang Langs Hände sind sein Kapital und in Millionenhöhe versichert. Die Maniküre übernimmt er selbst - aus Sorge, dabei verletzt zu werden.

Fast zwei Jahrzehnte später sind Sie jetzt für Ihre Verdienste um die Musikkultur mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Eine besondere Ehre?

Es macht mich sehr stolz, denn Deutschland ist das Mutterland der klassischen Musik. Die Deutschen haben Musik in ihrer Seele.

Darf ich zum Abschied Ihre Hand drücken - oder wäre das bei einem Pianisten zu gefährlich?

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