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Lana Del Rey Star oder Sternchen?


Gefeiert für ihren Stil, kritisiert für ihre Auftritte: Hat Lana Del Rey das Zeug zur Weltkarriere à la Lady Gaga? Wer ist sie wirklich? "Gala" hat sich auf Spurensuche begeben

Das rote Vivienne-Westwood-Kleid scheint ihr die Luft abzuschneiden.

Lana Del Rey hat gerade bei den Brit Awards den Preis als internationaler Newcomer überreicht bekommen. Das Publikum in der O2-Arena wartet gespannt auf ihre Worte, doch die Sängerin nuschelt sich durch ihre Dankesrede. "Ihr könnt euch nicht vorstellen, was mir der Preis bedeutet." Das übliche Danke-Fans-danke-Plattenfirma. Bumm!, macht es dumpf, als sie am Schluss das Mikro aufs Pult legt.

Lange galt die Sängerin als Single, doch bei der Londoner Fashion Week zeigte sie sich erstmalig mit ihrem Freund Barrie-James O
Lange galt die Sängerin als Single, doch bei der Londoner Fashion Week zeigte sie sich erstmalig mit ihrem Freund Barrie-James O¿Neill, Frontman der Rockband Kassidy.
© Action Press

Keine Frage, die große Performance liegt dieser Newcomerin nicht. Natürlich flammen da wieder die Diskussionen auf wie vor einigen Wochen, als sie in der Comedy-Show "Saturday Night Live" nicht überzeugte und kurz darauf Konzerte absagte. Lana Del Rey: Das Popwunder, deren düsterträumerische Musik es ruck, zuck weltweit in die Top-Positionen der Charts gebracht hat, deren Stil Millionen fasziniert, um deren Person sich Mythen ranken - wie groß ist ihr Talent wirklich? Was ist ihre eigentliche Identität? In einem Trailerpark soll sie gelebt, das Video zu ihrer Hitsingle "Video Games" eigenhändig zusammengeschnippelt haben, ihre Songs selbst komponieren. Auf der anderen Seite gibt es diese mittelmäßigen Auftritte, die Gerüchte, dass ihre Familie schwer reich ist, dass Style und Sound ihr von Produzenten und Beratern auf den Leib geschneidert worden sind. Fangen wir bei der Familie an. Dass Lana Del Rey eigentlich Elizabeth Grant heißt, die älteste von drei Kindern ist und in dem kleinen Wintersportort Lake Placid im Bundesstaat New York aufwuchs, ist bekannt. Ihre Eltern seien "keine Millionäre", betont sie in Interviews. Na ja, ihr Vater Rob ist Geschäftsmann, hat mit Immobilien, Designermöbeln und dem Erwerb von Internet-Domains ein Vermögen gemacht. Das US-Fachblatt "Domainer’s Magazine" widmete seiner Erfolgsgeschichte 2008 eine ausführliche Story, zählt darin seine spektakulärsten Deals auf. Mutter Pat kommt aus der Werbebranche. Bei der Startphase ihrer Karriere bekam Lana ordentlich Support von ihrem Vater. Er ließ Lana bei von ihm organisierten Konferenzen auftreten und stellte sie wichtigen Leuten vor. "Gala" erreicht ihn in seinem Büro in Lake Placid. Gern würde er über seine erfolgreiche Tochter reden, sagt Rob, aber man müsse vor her das Okay von ihrem Management einholen. Stolz klingt er. Nett und offen. Leider rührt sich das Management trotz Anfrage nicht.

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Zurück zu Lana. Mit 18 Jahren ging sie nach New York, studierte Metaphysik, schrieb sich nebenbei den Herzschmerz einer unglücklichen Liebe von der Seele und tingelte mit ihrer Musik durch die Clubs in Williamsburg und Brooklyn. Sie wurde von einem kleinen Label entdeckt, lebte von dem Vorschuss tatsächlich eine Zeitlang in einem Trailer park in New Jersey. Ihr erstes Album verschwand 2010 allerdings sofort in der Versenkung und ist mittlerweile nicht mehr zu bekommen. Danach landete sie bei Interscope, der Plattenfirma, die auch Lady Gaga zu einem Weltstar aufbaute. Dort vollzog sich die Wandlung von Lizzy Grant zu Lana Del Rey. Wie man bei Interscope auf sie aufmerksam wurde, ist ungeklärt. Man habe ihre Songs im Netz gehört, erzählt sie. Im Gespräch ist Lana top gestylt, aber auch top zurückhaltend. Man spürt, dass sie einfach nicht die Person ist, die mit ihrer Art sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Von einer Lady Gaga ist sie Lichtjahre entfernt - aber sie wirkt auch nicht wie ein Kunstprodukt, das andere sich ausgedacht haben.

Über sich selbst redet sie ungern. Ist sie Single? Keine Antwort. Gut, mittlerweile ist dieses Geheimnis geflüftet: Auf der Londoner Fashion Week schlenderte sie mit Barrie- James O’Neill, Sänger der Indieband Kassidy aus Glasgow, durch die Stadt. Seit sechs Monaten sollen sie zusammen sein. Wie aber gerät ein Girl vom Big Apple an einen schottischen Rocker? Nun, die Familie ihrer Mutter Pat kommt aus der Ecke. So mysteriös geht es also gar nicht zu bei Lana. Und vielleicht kann Barrie-James ihr ja in Sachen Bühnen- Performance ein paar Tipps geben. Hauke Herffs, Sandra Reitz Mitarbeit: Julide Tanriverdi

gala.de

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