Lady Gaga Die Frau hinter der Maske

Lady Gaga
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Lady Gaga ist allgegenwärtig. Ihre aktuelle CD stürmt die Charts. Aber wie sieht das Leben der Popsängerin jenseits der schrillen Kostüme aus?

Die ganze Welt ist ihre Bühne:

Kein Tag vergeht, an dem man Lady Gaga nicht in einem neuen extravaganten Outfit, mit Fantasiefrisur, alienartigem Makeup und Monsterkrallen zu Gesicht bekommt. Wird der größte Popstar unserer Zeit jedoch auf seine wahre Identität angesprochen, zitiert Gaga den Titel ihres dritten Albums "Born This Way", das sich in der ersten Woche nach Erscheinen bereits eine Million Mal verkaufte.

Ja, sie, Stefani Joanne Angelina Germanotta, sei vor nunmehr 25 Jahren genau so zur Welt gekommen. "Als ich noch zur Schule ging", erzählte Gaga vorige Woche im amerikanischen Frühstücksfernsehen, "hätte ich gern jeden Tag eine Maske getragen, aber ich durfte nicht, weil es diese Schuluniformen gab. Heute kann ich mich endlich so zeigen, wie ich wirklich bin: Ich liebe es, mich zu verkleiden."

Besuch der amtierenden Queen of Pop: Mitte Mai spielte Lady Gaga bei der britischen Gratiszeitung "Metro" für einen Tag Chefreda
Besuch der amtierenden Queen of Pop: Mitte Mai spielte Lady Gaga bei der britischen Gratiszeitung "Metro" für einen Tag Chefredakteurin.
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Einen Schlüsselmoment erlebte Gaga, als sie mit 14 Jahren die Rolle der Adelaide im Musical "Guys And Dolls" nicht bekommen sollte, nur weil sie brünett war. "Ich wusste, dass ich die beste Stimme hatte, also kaufte ich mir eine blonde Perücke", sagt sie in der MTV-Dokumentation "Inside The Outside". Das Ergebnis: Sie setzte sich durch. "Von da an wusste ich, dass ich sein konnte, wer immer ich wollte." Tatsächlich spielt für Gagas Kunst die Wahrheit keine Rolle. Am glücklichsten sei sie, wenn sie als Performance-Artist ein Leben zwischen Realität und Fantasie führen könne: "Ich entscheide, wie die Welt mich sehen soll."

Egal ob Gaga einen Auftritt hat, sich mit ihrem Kreativteam "Haus of Gaga" trifft oder einfach nur zum Work-out will: Spätestens um sechs Uhr morgens sitzt sie bei ihrer Stylistin in der Maske. "Man würde mich niemals in Trainingshosen sehen, selbst wenn ich ins Krankenhaus müsste", erklärte sie im Interview mit der "New York Post". Auf der Bühne trinkt Gaga nicht einen Tropfen Wasser, obwohl ihre Performance meist mehr als zwei Stunden dauert - ihre Fans sollen nichts Menschliches an ihr entdecken. Zur Toilette müsse sie nie, da sie ohne Ausscheidungsorgane geboren worden sei, so ihre Behauptung. In ihrem Leben regiert die Fantasie: "Die Imagination ist meine stärkste Antriebskraft."

Sie schläft kaum, schaut in ihrem New Yorker Mini-Apartment lieber Filme wie Sylvester Stallones "Rocky", isst Ei-Sandwiches und trinkt literweise Kaffee. Während der 18 Monate dauernden "Monster Ball"-Tour chillte sie in ihrem "Gagamobil" mit Jameson-Whiskey und rauchte 30 Zigaretten pro Tag, die sie aber nur pafft, "weil es einfach gut aussieht". Wegen ihres Alkoholkonsums - Gaga nennt es ihre "Drunk Diet", die sie brauche, um kreativ zu sein - machten sich ihre Eltern solche Sorgen um sie, dass ihre Mutter Cynthia sie auf der Welttour begleitete; ihren Vater Joe ruft Gaga täglich an, wo auch immer sie ist. "Als Italienerin bin ich ein Familienmensch, da bin ich sehr altmodisch", erklärt Gaga. Eine Herzoperation ihres Vaters vor zwei Jahren schweißte die beiden umso mehr zusammen: "Er ist nicht nur mein Vater, er ist mein bester Freund und mein Ratgeber. Er erkennt sich in mir wieder, daher war er früher auch so streng mit mir. Heute sitzen wir oft zusammen und er kocht mir seine Hackbällchen."

Platz für einen Partner hat Gaga nicht. Von ihrer großen Liebe, dem Barkeeper, Drummer und Personal Trainer Lüc Carl, hat sie sich gerade zum zweiten Mal getrennt. "Ich bin ein Workaholic und habe keine Zeit für eine Beziehung", gesteht Gaga. "Es kommt für mich nicht infrage, der Liebe wegen weniger Herzblut in meine Arbeit zu stecken." Für den Erfolg tut sie alles, das bekam Carl bereits 2005 zu spüren, als er sie vor die Wahl stellte: Ruhm oder ich - und verlor.

"Es hat mein Herz gebrochen, doch ich habe damals gemerkt, dass die Musik für mich an erster Stelle steht", sagt die Sängerin im Rückblick. Erst fünf Jahre und zwei Alben später fand sie wieder mit Lüc zusammen. Trotz der erneuten Trennung sagt sie immer noch: "Er ist meine Muse und hat mich zu vielen meiner Songs inspiriert." In ihrer Garderobe hängt bis heute ein überdimensionales Schwarz-Weiß-Foto von ihm.

Noch mehr Inspiration für ihr "Gagaversum", wie Lady Gaga ihre Welt nennt, findet sie allerdings in der Liebe zu ihren Fans. "Sie machen 50 Prozent meiner Person aus", erklärte sie im Interview mit dem amerikanischen "Rolling Stone". Liebevoll nennt die Künstlerin sie "meine kleinen Monster". Mit deren Briefen und Geschenken dekoriert Gaga ihr "Heiligtum", ihre "Festung der Einsamkeit" - einen kleinen, abgedunkelten Raum, den sie hinter jeder Bühne einrichten lässt. Hierhin zieht sie sich zurück, um Kraft zu tanken.

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Immer wieder besinnt sie sich auf ihre Anfänge, auf die Schulzeit, in der sie gehänselt wurde, weil sie anders war. Ihre Fans geben ihr heute die Bestätigung, nach der sie immer gesucht hat: so geliebt zu werden, wie sie ist. "Meine Fans sind meine Medizin. Ich sehe mich selbst durch sie. Ihre Liebe bringt mich näher zu Gott", schilderte Gaga ihrem Freund Elton John in einem Interview, das er für das japanische "V Magazin" mit ihr führte. Die Fans gratulieren ihrer Monster-Mami sogar zum Muttertag, auch weil sie ihnen regelmäßig Pizza und Muffins bringt, wenn sie für Konzerttickets Schlange stehen.

Ihre mediale Allgegenwart brachte ihr jüngst den "Forbes"-Titel der mächtigsten Prominenten der Welt ein. Doch solche Auszeichnungen kümmern Gaga wenig. Sie möchte der Welt zeigen, dass man es auch als Underdog bis ganz nach oben schaffen kann. Schon heute weiß sie, was einmal auf ihrem Grabstein stehen soll: "Sie war immer sie selbst: Sie gab nichts darauf, was die anderen über sie dachten."

gala.de


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