Kostja Ullmann: "Wenn ich an meine Anfangsjahre zurückdenke, ging es mir da ähnlich"

Kostja Ullmann ist ab Ende Mai in der Serie "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" zu sehen. Was er mit seiner Rolle Ben gemeinsam hat, erzählt er im GALA-Interview.

Kostja Ullmann

Ab dem 28. Mai ist Kostja Ullmann, 35, in der Joyn-Serie "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" zu sehen. Dort schlüpft er in die Rolle von Uber-Fahrer Ben, dessen Leben mit Mitte 30 Kopf steht. Bei seinen Fahrten wird er mit einer Reihe Fahrgästen und ihren unterschiedlichen Schicksalen konfrontiert. Auch Fahri Yardim, 39, und Edin Hasanovic, 28, steigen zu Ullmann ins Auto. 

Die Serie spielt in Kostjas Heimatstadt Hamburg. Wieso sich Kostja so gut in seine Rolle versetzen konnte und welche Erfahrung er selber mal in einem Taxi gemacht hat, erzählt er im GALA-Interview. 

Kostja Ullmann im GALA-Interview

GALA: Die Serie "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" zeigt in jeder Folge neue Gesichter und deren Geschichten. Was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal das Skript gelesen haben? 

Kostja Ullmann: Von der Idee her fand ich die Serie direkt spannend. Wir alle kennen das, wenn wir uns in ein Taxi oder ein Uber setzen, dann fängt man relativ entspannt an zu quatschen und öffnet sich wahnsinnig schnell einer komplett fremden Person. Da kann einiges Tolles entstehen. Auf der einen Seite sieht man Ben, wie er mit seinen Problemen zu kämpfen hat, aber auf der anderen Seite werden auch die ganzen Geschichten und Probleme von den Fahrgästen in sehr kurzer Zeit erzählt. Man bekommt Einblicke in die unterschiedlichen Leben. 

Florian David Fitz + Kostja Ullmann

Kabbelei auf dem roten Teppich

Florian David Fitz und Kostja Ullmann
Florian David Fitz‘ Sprüche bei Interviews auf dem roten Teppich sind gerne mal ein bisschen schmutzig. Doch dass der Schauspieler seinen Freund und Kollegen Kostja Ullmann da mit reinzieht, ist neu.
©Gala

Die Serie ist eine "Dramedy" - das heißt, den Zuschauer erwarten nicht nur lustige Geschichten einer Uber-Fahrt, sondern es gibt auch ordentlich Drama? 

Genau. Die Geschichten fallen von einem Extrem ins andere. Teilweise ist es das, was Taxi- oder Uber-Fahrer erleben, die tagtäglich in ihr Auto steigen. Mit jedem Fahrgast steigt auch eine neue Geschichte ein. Es können skurrile, lustige Fahrgäste, wo verrückte Geschichten erzählt werden, einsteigen und im nächsten Moment steigt jemand ein, und es wird ein Drama erzählt, bei dem es von den einen auf den anderen Moment total emotional wird. 

"Ich glaube an dem Punkt waren wir alle schon mal"

Sie spielen Uber-Fahrer Ben, der sich damit über Wasser hält, auf Häuser aufzupassen und Menschen von A nach B zu fahren. War es schwer, sich in die Rolle einzufinden? 

Nicht wirklich. Ich glaube an dem Punkt, an dem sich Ben gerade befindet, waren wir alle schon mal. Er steht grade mitten im Leben, wo er noch nicht richtig angekommen ist und wo er nicht weiß, wo es hingeht. Die Ungewissheit, nicht zu wissen, was das nächste Projekt ist und wie es weiter geht, hat man als Schauspieler andauernd. Wenn ich an meine Anfangsjahre zurückdenke, ging es mir da ähnlich, wie es Ben in der Serie geht. Er probiert sich irgendwie über Wasser zu halten. Was die Liebe angeht, ist er noch relativ unsicher. Er erwartet ein Kind von einer Frau, die aber nichts von ihm wissen möchte, weil er keine Sicherheit mitbringt. Das sind natürlich alles Gefühle, die man ähnlich kennt. 

Wie würden Sie Ben mit drei Worten beschreiben? 

Großherzig, naiv und neugierig ist er. 

Ben agiert mit seinen Fahrgästen auf einer sehr persönlichen Ebene. Trinkt mit ihnen sogar Bier, spricht über ernste Krankheiten oder die Kindererziehung - springt Ben als Hobby-Therapeut ein? 

Ich glaube das ist, was alle Taxi- und Uber-Fahrer ein bisschen sein müssen - ein Freizeit-Therapeut. Man muss sich die Probleme der ganzen Leute anhören. Ben ist jemand, der sich der Probleme annimmt. Er könnte auch nur dasitzen und schweigen und sich nicht damit konfrontieren wollen. Aber Ben hat ein großes Herz und versucht, den Menschen zu helfen und mehr über sie und ihre Probleme zu erfahren. Er probiert, zu jedem Fahrgast eine persönliche Bindung aufzubauen.

"Jeder kommt mit den unterschiedlichsten Energien ans Set"

Und gleichzeitig hat Ben seine eigenen Probleme, um die er sich kümmern muss. 

Genau. Ben ist wie ein Therapeut, sitzt aber gleichzeitig auch gegenüber auf dem Stuhl beim Therapeuten und probiert, auch seine Probleme irgendwie zu verarbeiten. In jeder Geschichte seiner Fahrgäste wird er auch mit sich und seinen Problemen konfrontiert. 

Die Fahrgäste werden unter anderem von Edin Hasanovic, Fahri Yardin und Susanne Wolff gespielt. Wie waren die Dreharbeiten mit so vielen erfolgreichen deutschen Schauspielern für Sie? 

Kostja Ullmann und Edin Hasanovic 

Am Tag hatte ich drei, vier tolle Kollegen am Set, mit denen ich zusammenarbeiten durfte - das kannte ich so auch noch nicht. Jeder kommt mit den unterschiedlichsten Energien ans Set und hat eine ganz andere Art zu spielen und seine Rolle anzulegen. Ben oder auch ich als Schauspieler, musste sich auf jeden Gast wieder neu einstellen und das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, zumal ich einfach großartige Kollegen hatte. Die Stimmung war extrem gut dadurch, dass jeder einfach Bock hatte, etwas ganz Besonderes aus seiner Rolle zu machen - deswegen war das ein großer Spaß.

Haben Sie einen Fahrgast, den Sie besonders ins Herz geschlossen haben? 

Die Rolle von Susanne Wolff mit ihrer Krebserkrankung hat mich sehr berührt, zumal ich sie auch als Schauspielerin großartig finde. Wie sie die Rolle gespielt hat, fand ich sehr bewegend. 

"Ich wäre eher im Kindergarten gelandet"

Wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte, wäre Taxi-/Uber-Fahrer ein Job, der Ihnen Spaß machen würde? 

Ich fahre schon sehr gerne Auto, aber den ganzen Tag im Auto sitzen, wäre mir dann doch zu lang. Was ich natürlich spannend daran finden würde, wäre der Austausch mit ganz unterschiedlichen Menschen und verschiedene Geschichten zu erfahren. Aber ich glaube, ich wäre eher im Kindergarten gelandet und hätte lieber mit Kindern gearbeitet, als mit verrückten Fahrgästen.  

Haben Sie selber eine einprägsame Taxigeschichte als Fahrgast erlebt? 

Ich bin mal am Hauptbahnhof in ein Taxi gestiegen, weil ich schweres Gepäck dabeihatte. Als der Taxifahrer dann die Adresse gehört hat, wo ich hinwollte, war er gar nicht erfreut, weil es kein sehr weiter weg war. Er ist ausgerastet, hat laut geschrien und die Faust erhoben beim Fahren. 

Wie haben Sie darauf reagiert? 

Ich war total erschrocken und wollte, dass er rechts ranfährt und mich rauslässt. Aber er wollte nicht anhalten, weil er auf das Geld angewiesen war. Wir sind dann in einen Stau geraten. Da sind wir ins Gespräch gekommen und ich erfuhr dann, warum er so aufgebracht war: Er war in einer finanziell schwierigen Lage und hatte Probleme mit seinen Kindern. Plötzlich habe ich die Geschichte dahinter gesehen, das hat mir die Augen geöffnet. 

Verwendete Quellen: Eigenes Interview 

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