Kinotipp: Dieser Film feiert das Leben

Ein Ex-Knacki und ein gelähmter Aristokrat - das ist das unwahrscheinliche neue Dreamteam des Kinos: "Gala" erklärt den Millionenerfolg "Ziemlich beste Freunde" und erzählt die wahre Geschichte dahinter

Ziemlich beste Freunde

Den muss man einfach sehen!"

Selten zuvor wurde dieser Satz so häufig über einen Film gesagt wie zurzeit über "Ziemlich beste Freunde", die größte Überraschung des jungen Kinojahrs. Auf die Frage, was denn den Reiz dieser Tragikomödie ausmacht, finden die meisten erst einmal keine rechte Antwort, schwärmen nur: "Ich weiß auch nicht, das musst du einfach selbst sehen!" Jeder dritte Franzose, insgesamt knapp 20 Millionen Menschen, ist für diesen Film ins Kino gegangen, und Präsident Nicolas Sarkozy war so angetan, dass er es sich nicht nehmen ließ, Regisseur Olivier Nakache und dessen Filmteam zum Diner in den Elysée-Palast einzuladen.

Das Filmplakat mit den beiden Hauptdarstellern Omar Sy und Francois Cluzet.

Seit zwei Wochen staunt man auch in Deutschland über das "phénomène", das die Zuschauer nach 112 Minuten Weinen und Lachen glücklich aus dem Kino entlässt und bei wirklich jedem zwischen 16 und 60 ein frohes Gefühl in der Herzgegend verbreitet. Auch wir lassen uns anstecken von der Begeisterung, die aus unserem Nachbarland herüberschwappt. Zwar lief "Ziemlich beste Freunde" bundesweit in nur 167 Kinos an, doch bereits nach dem ersten Wochenende hatten den Film mehr als 300000 Zuschauer gesehen - sofort erhöhte der Verleih die Zahl der Kopien auf 431. Mit Erfolg: Fast eine Million Zuschauer sind bis zum vergangenen Sonntag ins Kino geströmt, "Ziemlich beste Freunde" ließ damit Favoriten wie die Stieg-Larsson-Neuverfilmung "Verblendung" locker hinter sich.

Ein Grund für den Sensations-Erfolg: Die Geschichte ist wahr und wirkt dadurch so authentisch, geht uns deshalb so zu Herzen. Philippe Pozzo di Borgo, Pariser Aristokrat und ehemaliger Marketingleiter des Champagner-Imperiums Pommery, hat sie erlebt. Er ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt, stieß bei der Suche nach einem Pfleger auf Abdel Sellou, einen kleinkriminellen Araber, der ihn, den von Bedauern und Rücksichtnahme Zermürbten, "wachküsste" und ihm durch seine unkonventionelle Art und seinen kompromisslosen Humor neuen Lebensmut einimpfte. "Wenn ich Abdel nicht getroffen hätte, wäre ich gestorben", beschreibt Pozzo di Borgo rückblickend die Beziehung der beiden Freunde.

In der französischen Komödie "Ziemlich beste Freunde"spielen Omar Sy und François Cluzet das ungleiche Freundespaar, im echten Leben heißen die beiden Abdel Sellou und Philippe Pozzo di Borgo.

Im Film ist sein Seelenretter der Senegalese Dries, der gerade eine sechsmonatige Haftstrafe abgesessen hat und in einer der rauen Pariser Banlieues zu Hause ist. Trotz oder gerade weil der Pfleger kein Mitleid mit seinem Auftraggeber hat, ihm einen Behindertenwitz nach dem anderen auftischt und ihn mit politischen Unkorrektheiten nur so überschüttet, begegnen sich die beiden auf Augenhöhe "Diese Vorstadtjungs kennen kein Mitleid", warnt ein Freund den Gelähmten im Film, und der antwortet: "Das ist genau, was ich will: kein Mitleid." Am Ende, als die beiden längst beste Freunde geworden sind, ist es der vorlaute Pfleger, der den Aristokraten ermutigt, sich auf eine neue Liebe einzulassen - Pozzo di Borgo hat auch im realen Leben noch einmal geheiratet, zwei Kinder bekommen und lebt heute mit seiner Familie in Marokko. Inspiriert wurden die beiden Regisseure von einer kleinen Doku ("À la vie, à la mort"), die 2004 im französischen Fernsehen lief und die besondere Begegnung zwischen Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Sellou thematisierte. Inzwischen hat sich Hollywoods findiger Großproduzent Harvey Weinstein ("Inglourious Basterds") die Rechte für den amerikanischen Markt gesichert. Er sollte bei seinem Remake bedenken, dass es die beiden Hauptdarsteller Francois Cluzet und Omar Sy sind, die viel von dem Charme des Films ausmachen. Sie erst erwecken die schlichte Geschichte zu wahrem Leben.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des Films ist seine Botschaft, die so schlicht wie unschlagbar ist: Es kann eine Welt ohne Rassismus, Diskriminierung und Klassenunterschiede geben. Hoch anzurechnen ist den Filmemachern, dass sie ihre Message an den Zuschauer bringen, ohne kitschig zu werden, ohne in Gutmenschentum zu verfallen, ohne den didaktischen Zeigefinger zu bemühen. Stattdessen setzen sie auf Humor und Optimismus, um Werte wie Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit und wahre Freundschaft zu vermitteln. Werte, nach denen sich in der heutigen Zeit jeder sehnt, in Frankreich, Deutschland und überall sonst auf dieser Welt.

Hili Ingenhovern

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2012

20. Dezember 2012: Zac Efron und Imogen Poots stehen gemeinsam für den Film "Are We Officially Dating" in New York vor der Kamer
12. Dezember 2012: Erschreckend authentisch verkörpert Matthew McConaughey in dem Film "The Dallas Buyers Club" den Aids-Kranken
11. Dezember 2012: Emmy Rossum steht für "You're Not You" vor der Kamera.
6. Dezember 2012: Während wir in Deutschland vor Kälte bibbern, drehen Courtney Cox und Josh Hopkins am Strand von Malibu eine F

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