Kinotipp: "Slow West" - schöne harte Western-Welt

Michael Fassbender, der einsame Wolf unter den aktuellen Hollywood-Kerlen, hätte schon längst für einen Western gebucht werden müssen. Nun ist es endlich passiert. Das Ergebnis ist sehenswert - nicht nur wegen Fassbender

"Slow West" - Kodi Smit-McPhee, MIchael Fassbender

Die Story: für einen Western ganz schön poetisch

Durch den Wald treiben Nebelschwaden, ein Pferd schnaubt, ein blasser Jüngling schaut sich um und reckt entschlossen das Kinn nach vorn. Könnte ein Gruselfilm werden oder irgendetwas mit Ringen, Königen, Hebammen. Doch kurz darauf ist das Pferd aschebedeckt, der Junge auch, Indianermütter fliehen mit ihren Kindern und der Knabe steht einem Uniformierten mit Flinte gegenüber, der ihn erschießen will. Wir sind im wilden Westen angekommen.

Und mittendrin ist Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee), "Sohn von Lady Cavendish", wie er sich selbst vorstellt - ein schottischer Adelsspross mit einem Handbuch für den Wilden Westen in der Satteltasche und dem Plan, hier in Colorado das Mädchen zu finden, das er von ganzem Herzen liebt. Das Mädchen, das nach einem tragischen Todesfall mit seinem Vater aus Schottland auf den amerikanischen Kontinent flüchten musste: seine Rose (Caren Pistorius).

Ihr gilt in "Slow West" fast alle Sehnsucht: Rose Ross (Caren Pistorius).

Ihr gilt in "Slow West" fast alle Sehnsucht: Rose Ross (Caren Pistorius).

Vor lauter Liebe und Landlorderziehung ist Jay für eins überhaupt nicht gerüstet: das Überleben in den Wäldern Colorados. Ein Wunder, dass er überhaupt so weit kam.

Das findet auch Silas Selleck ( ), ein aus Irland stammender, aber längst in der rauen neuen Welt angekommener Haudegen und Miet-Beschützer. Für einhundert Dollar, fünfzig jetzt, fünfzig später, will er Jay Cavendish auf dem Weg zu Rose begleiten. Wenn der erstmal seine überflüssigen Satteltaschen losgeworden ist und sein armes Pferd überlebt.

Man freut sich für Jay und sein Leben, dass der brummige, wortkarge Silas jetzt mitreitet. Und ahnt doch, dass auch der seine eigenen Interessen, die nicht notwendig Jays sind, verfolgt. Denn auch er hat es auf Rose Ross und ihren Vater abgesehen, er weiß nur nicht, wo sie wohnen.



Ihm auf den Spuren wiederum sind einige alte Banditen, mit denen er früher gemeinsame Sache machte, die jetzt aber auf eigene Rechnung arbeiten. Und währenddessen sitzt Rose, Dreh- und Angelpunkt allen Sehnens, in einem Häuschen im Kornfeld, versucht Butter zu machen und ist in einen Indianer verliebt. Kann das gut ausgehen?

Die Stars: international und besonders

Michael Fassbender ist Silas Selleck, der Kopfgeldjäger. Er selbst sagt über den Film, er habe schon von Kindesbeinen an davon geträumt, in einem Western zu spielen. Seine Fans, die ihn in Werken wie "Shame", "A Dangerous Method" und "12 Years A Slave" schätzen gelernt haben, werden fragen, warum er dann nicht schon viel früher in einem mitgespielt hat. Es wirkt einfach wie eine perfekte Paarung. Zur Verpflichtung des Iren trug bei, dass er schon in zwei Kurzfilme des Regisseurs Maclean mitgespielt hatte und beide ein gemeinsames Langfilmprojekt suchten. Über Fassbender wurden dann auch die erfolgreichen Produzenten von "Shame" und "The King's Speech" ins Boot geholt, die dem Film ein entsprechend professionelles Setup gaben.

NIcht auf Anhieb ein gutes Team: Silas (Michael Fassebnder) und Jay (Kodi Smit-Mcphee) im wundebaren Neo-Western "Slow West"

Nicht auf Anhieb ein gutes Team: Silas (Michael Fassebender) und Jay (Kodi Smit-McPhee) im wunderbaren Neo-Western "Slow West"

Für Jay Cavendish wurde ein junger Schauspieler, nämlich der Australier Kodi Smit-McPhee, 19, engagiert. Der spielt den Schotten mit zu Drehzeiten gerade mal 17 Jahren zart, naiv, aber entschlossen. Und er gehört zu den Talenten Hollywoods, die man seit seinem ersten großen und preisnominierten Auftritt im Vampirfilm "Let Me In" im Auge behalten sollte. Schmunzel-Fakt: Zusammen mit , die ebenfalls als entschlossene junge Dame im Neo-Western " " den Durchbruch schaffte, hat er auch schon gespielt, nämlich in "Romeo und Julia" aus dem Jahr 2013.

Die Darstellerin der Rose, Caren Pistorius, kommt aus Südafrika und hat gerade einen weiteren Film mit Michael Fassbender (und und Alicia Vikander) abgedreht.

Das Fazit: Unbedingt anschauen

Was für ein Anblick: Michael Fassbender - hier ins einer Rolle als "Silas Selleck" in "Slow West"- in antiquierter Unterwäsche.

Was für ein Anblick: Michael Fassbender - hier ins einer Rolle als "Silas Selleck" in "Slow West"- in antiquierter Unterwäsche.

Wild ist "Slow West", der Western und erste Spielfilm von John McLean, nur stellenweise. Da gibt es Indianerjagd und Deserteure und Banden und Betrüger und Räuber und Waisen. Und gegen Ende eine fast epische Schießerei, die Tarantinos würdig wäre.

Hart ist "Slow West" in dem Sinne, dass er weniger auf Western-Romantik und mehr auf die tatsächlichen Lebensumstände im 19. Jahrhundert setzt, dass Klassengesellschaft, Hunger, Vertreibung und Tod keine Tabus sind und dass die Härten des Lebens nicht nur publikumswirksame Helden, sondern auch verzweifelte Nebenfiguren treffen.

Und langsam ist "Slow West" auch - in seiner umwerfenden Bildsprache, der Poetik der Erzählung, im schwärmerischen Blick aus den Augen des schottischen Jünglings. Das die Themen des Westerns, des Aufeinandertreffens von alter und neuer Welt, der Verlust der Unschuld und der Traum von großer Freiheit, an einer noch dazu sehr zarten Liebesgeschichte entlang erzählt werden, dass verleiht ihm eine ganz besondere Stimmung. Das wusste auch das "Sundance Film Festival" zu schätzen - und kürte "Slow West" im Frühjahr mit seinem Drama-Hauptpreis für internationale Filme.

Mehr Informationen:

"Slow West" kommt am 30. Juli 2015 ins Kino. Website mit Trailer

"Slow West" war der Gewinner des "World Cinema Jury Prize: Dramatic Winner" beim "Sundance Film Festival" in Utah.

Wichtige Beteiligte im Überblick:

  • Kodi Smit-McPhee
  • Michael Fassbender
  • Ben Mendelsohn
  • Caren Pistorius
  • Rory McCann
  • Andrew Robert
  • Edwin Wright
  • Kalani Queypo
  • John Maclean

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