Kinotipp: "Don Jon"

Von Pornos und der Liebe: Joseph Gordon-Levitts Regiedebut "Don Jon" läuft diese Woche in den Kinos an. Mit Gala.de sprach der Hollywoodstar über falsche Erwartungen und die Intelligenz von Scarlett Johansson

Don Jon

Routiniert düst der Ober-Macho "Jon Martello" (Joseph Gordon-Levitt) durchs Leben: Regelmäßig Muckibude, jeden Tag Wohnung saugen, Freitags Saufen mit den Kumpels, Sonnntags Essen bei Mutti. Achja: und natürlich täglich Internet-Pornos. Denn "Jon" ist der Porno-Sucht erlegen. Schon das verheißungsvolle Summen beim Öffnen seines Laptops bringt ihn auf Hochtouren. Dagegen kommt auch seine neue attraktive Freundin "Barbara Sugarman" (Scarlett Johansson) nicht an. Doch die bemerkt das zunächst gar nicht, denn sie ist viel zu sehr damit beschäftigt, aus "Jon" ihren idealen Partner zu machen. Dazu gehören Kinoabende mit Romantic Comedys, der Kirchgang mit den Schwiegereltern und der Besuch der Abendschule - damit "Jon" ein besseres Gehalt nach Hause bringt. Doch dort begegnet dieser einer etwas älteren Frau (Julianne Moore), die ihn plötzlich zum Nachdenken bringt...

Mit seinem Regiedebut "Don Jon" ist Joseph-Gordon Levitt eine intelligente Komödie auf das Zusammenspiel von Medien und Beziehungen gelungen, die schon auf der Berlinale zum Publikumsliebling avancierte. Johansson und auch Levitt selbst haben sichtlich Spaß daran, sich in die Oberflächlichkeit ihrer Charaktere zu stürzen und sorgen so für zahlreiche Lacher beim Publikum. Mit Gala.de hat Joseph Gordon-Levitt über falsche Vorstellungen von der Liebe und seine Filmpartnerin Scarlett Johansson gesprochen.

Wie haben Sie es geschafft, Scarlett Johansson für die Rolle der "Barbara Sugarman" zu gewinnen?

Ich hatte sie dafür schon im Kopf, als ich das Drehbuch geschrieben habe und habe mich total gefreut, das ihr das Projekt gefiel. Sie hat sich sehr für die Themen im Film interessiert. Schließlich wurde sie selbst oft auf ihren Körper reduziert und das hat sie nicht verdient - sie ist eine tolle Künstlerin und eine kluger Mensch. Aber darum geht es im Film eben, ihre Figur ist jemand, der seine ganze Identität über standardisierte Vorstellungen von Schönheit und Sexualität definiert. Und das ist unbefriedigend und führt nicht zu einer echten, ehrlichen Liebe.

"Jon Martello" stählt regelmäßig seinen Körper.

Wie kamen Sie darauf, ausgerechnet einen Film über Pornosucht zu drehen?

Ich wollte eine Geschichte über die Liebe erzählen und darüber, was oft dazwischen kommt. Wir alle haben die Tendenz, uns und andere an bestimmten Erwartungen über Männer und Frauen zu messen, anstatt sich wirklich aufeinander als Individuen einzulassen. Diese Erwartungen haben wir vielleicht aus unserer Erziehung, von Freunden, der Kirche oder eben auch aus verschiedenen Arten von Medien übernommen. Wie beeinflussen die Medien also unsere Vorstellungen von der Liebe? Sind Medien gut für uns? Darüber denke ich Tag und Nacht nach, das finde ich wahnsinnig spannend.

Wie wurden Sie von Medien in Ihrem Leben beeinflusst?

Sicherlich sowohl in guter und schlechter Weise. Die "Sesamstraße" hat auf mich und Millionen anderer Kinder auf der Welt zum Beispiel schon von klein auf stark eingewirkt. Aber ich wurde auch negativ beeinflusst. Ich bin ein bisschen wie "Barbara Sugarman" und habe vielleicht die Fantasien aus romantischen Filmen etwas zu sehr idealisiert. Manchmal vergleiche ich mein eigenes Leben mit diesen Liebesgeschichten - was gar nicht gut ist. Und das will ich im Film zeigen.

War es schwierig, die Sequenzen aus Internetpornos für den Film zu auszuwählen?

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Es war ein sehr akribischer Vorgang. Wir wollten die Stellen finden, die sich pornografisch anfühlten, aber gleichzeitig sollten die Bilder natürlich auch für eine Mainstream-Konmödie angemessen sein. Das war vor allem im Schnitt eine große Herausforderung.

Was hat Sie als Schauspieler am Regie führen gereizt?

Vor zehn Jahren habe ich mir zum Geburtstag ein Schnittprogramm gekauft und mir hat das so viel Spaß gemacht, dass ich von da an wusste, dass ich irgendwann einmal selbst einen Film machen will. Und in den vergangenen Jahren habe ich bereits unzählige Kurzfilme und Videos gemacht - kleine Projekte mit Freunden oder alleine.

Könnten Sie sich vorstellen, für die Regiearbeit die Schauspielerei aufzugeben?

Oh nein, ich liebe die Schauspielerei. Es ist eine ganz andere Erfahrung, denn als Schauspieler kann man sich nur auf eine Sache konzentrieren. Als Regisseur hingegen muss man sich auf tausend Dinge einlassen - manche davon sind spannend, manche langweilig. Aber das gehört dazu.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Film besonders gut?

Das sind meist die kleinen Dinge, die die Schauspieler mit eingebracht haben, die ich nicht erwartet hätte. Eine Szene kam bei der Premiere hier in Berlin besonders gut an: Scarlett Johansson wirft mir darin einen koketten Blick zu, nachdem sie gerade total gemein zu meiner Rolle war - und dieser Blick ist wirklich sexy! Das Publikum reagiert stark darauf und das hat mich gefreut.

Können Sie eigentlich Ihren Erfolg gerade fassen?

Nein, ich versuche, einfach dankbar zu bleiben. Ich habe im meinem Leben wirklich viel Glück gehabt.

"Don Jon" läuft ab dem 14. November in den deutschen Kinos.

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