Kinotipp: "Der Medicus"

Der als unverfilmbar geltende Erfolgsroman von Noah Gordon wurde ausgerechnet von einem deutschen Regisseur verarztet. Neben dem routinierten Ben Kingsley und Publikumsliebling Elyas M'Barek glänzt ein Engländer mit schönen Augen namens Tom Payne

Stellan Skarsgard und Tom Payne in der Verfilmung von "Der Medicus"

Die Story

England im elften Jahrhundert: Der kleine "Rob Cole" (Adam Thomas Wright) verliert Familie und Heimat, als seine Mutter an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Entschlossen überzeugt der sonst perspektivlose Grünschnabel ausgerechnet den brummigen Bader "Henry Croft" (Stellan Skarsgard), ihn als Helfer und später Lehrling mitzunehmen. Er lernt einiges über das Zähneziehen, das Einrenken von Gelenken und das Beschwatzen der Leute. Als Jugendlicher erfährt er am Rande einer Augenoperation seines Meisters jedoch, dass noch viel mehr möglich ist - wenn man die medizinische Ausbildung im persischen Isfahan beim berühmten Heiler "Ibn Sina" (Ben Kingsley) durchlaufen kann.

Der dann fast erwachsene "Rob Cole" (Tom Payne) macht sich auf den Weg. Und gelangt - getarnt als englischer Jude, Christen haben zu der Zeit im Süden einen schweren Stand - nach Persien, an die Schule und mit viel Glück und Durchsetzungskraft auch in die Klasse des legendären Forschers und Arztes "Ibn Sina". Der ist zwar ein Liebling des regierenden Tyrannen, "Shah Ala ad-Daula" (Olivier Martinez), doch die Hetze der Mullahs und die unruhigen Zeiten bedrohen auch seine Schule ständig. Als schließlich die Pest in die Stadt eingeschleppt wird, lernen die Schüler zwar viel, stehen aber auch bald vor den brennenden Grundfesten ihres Krankenhauses.

Filmpremiere

Der Medicus kommt nach Berlin

Ursula Karven und Maria Furtwängler

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Die Stars

Dass man Ben Kingsley in jeden Kaftan stecken kann und einen orientalischen Weisen aus dem Bilderbuch vor sich stehen hat, das hat sich in dessen Schauspiel-DNA eingegraben. Kein Wunder, dass er immer wieder in solchen Rollen landet (und man dann kurzzeitig vergisst, dass der immer fleißige Engländer auch viel anderes spielt). Er tut das als "Ibn Sina Avicenna" auch tadellos.

Überraschender jedoch ist die Tatsache, dass der jetzt gerade erst 21 gewordene Brite Tom Payne als "Rob Cole" an seiner Seite so gut mithalten kann. Und das liegt nicht nur an seinen schönen blauen Augen, erinnert stellenweise aber - die Augen, das Wuschelhaar - dennoch an den Auftritt von Ben Whishaw in der ebenso pompösen Literaturverfilmung "Das Parfum".

Solide und nicht sofort erkennbar sind mit dabei: Olivier Martinez als gedopter Shah, der kaum die Augen aufkriegt; Emma Rigby, bekannt aus der TV-Serie "Once Upon A Time In Wonderland" in der Rolle der "Rebecca", die Frau, für die "Rob" fast alles hinschmeißen würde, auch wenn sie mit jemand anderem verheiratet ist; sowie Deutschlands aktueller Publikumsliebling Elyas M'Barek als reicher, feierfreudiger, aber durchaus liebenswerter Mitstudent "Karim". In einer kleineren Rolle ist übrigens auch der Hamburger "Tatort"-Hingucker Fahri Yardim zu sehen.

Liebenswerter Höhepunkt: Stellan Skarsgards dampfplaudernder Barbier und Bader "Henry", der die schönen Frauen lobt, immer ein Stück Holz zum Draufbeißen und ein ordentliches Feuerchen in seinem schmucken Zeltwagen und einen lustigen Schwank auf der Zunge führt. Und trotzdem mit dem Abschied vom jungen "Rob" eine der ergreifendsten Szenen des Films abliefert, eine von denen, die nicht ins kitschige abgleitet.

Fazit

Die Verfilmung nach nur rund zwanzigjährigem Ringen ist grundsätzlich gelungen, Regisseur Philipp Stölz kann mit sich zufrieden sein. Die Produzenten Nico Hofmann und Wolf Bauer auch. Der Autor Noah Gordon selbst hat die Arbeit abgenickt und an der ersten Drehbuchfassung mitgearbeitet. 26 Millionen Euro sollen, so "Spiegel Online", hier verarbeitet worden sein. Viele Szenen entstanden vor Traumkulissen in Marokko, die zuvor schon Ridley Scotts "Königreich der Himmel" als Setting dienten. Austattung, Inszenierung und auch die Filmlänge von 150 Minuten haben hollywoodeske Dimensionen und meist ordentliche Qualität. Wie lang dann die angedachte spätere längere Fensehfassung - hallo, ARD-Weihnachtsfilm 2014 - sein soll, bleibt abzuwarten, die zweieinhalb Stunden sind eigentlich schon hart an der "Ist-noch-unterhaltsam-Grenze".

Wer Weihnachten mal für ein paar Stunden raus möchte - Wüste und Pest statt Gans und Verwandtschaftsgeschnatter - der wird ab dem 25. Dezember im Kino jedenfalls auf seine Kosten kommen.

Das Buch hatte in den Achtziger Jahren immerhin sechs Millionen Leser. Das könnte für einen ordentlichen Filmerfolg ausreichen.

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Der Medicus

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