Kinotipp: "American Hustle"

David O. Russell liefert nach "The Fighter" und "Silver Linings" den nächsten Oscar-Favoriten. In "American Hustle" wird gelogen und betrogen, was das Zeug hält - ein Riesenspaß mit Staraufgebot

Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper

Christian Bale mit Wohlstandsplauze und schlecht sitzendem Toupet, Bradley Cooper mit steifer Löckchenfrisur, Jennifer Lawrence als ebenso überdrehte wie überschminkte betrogene Ehefrau und Amy Adams in Kleidern, deren Dekolletees nur wenig der Fantasie des Betrachters überlassen: "American Hustle" ist allein optisch ein überragender Kinogenuss.

In Verbindung mit der teilweise auf Tatsachen beruhenden Story um ein gewieftes Trickbetrügerpaar, das - unfreiwillig, versteht sich - mit dem FBI in gemeinsamer Sache gegen korrupte Politiker vorgeht, ist der neue Film von Erfolgsregisseur David O. Russell ("Silver Linings") völlig zu Recht einer der großen diesjährigen Oscar-Favoriten.

Die Story

Szene aus "American Hustle": "Sydney" (Amy Adams und "Irving" (Christian Bale) ziehen armen Schluckern das letzte Geld aus den Taschen.

"Irving Rosenfeld" (Christian Bale) verdient sein Geld vornehmlich mit allerlei dubiosen Geschäften. Gemeinsam mit seiner Liebschaft "Sydney Prosser" (Amy Adams) zieht er bedauernswerten Kleinschuldnern mittels betrügerischer Kreditversprechen auch noch die letzten Cents aus den Taschen. Doch eine der gemeinsamen Aktionen läuft schief, und das Paar wird von FBI-Agent "Richie DiMaso" (Bradley Cooper) vor die Wahl gestellt: Entweder helfen sie ihm, die korrupten Machenschaften einiger Kongressabgeordneter aufzudecken, oder sie wandern für viele Jahre ins Gefängnis. In den Fokus des jungen, überambitionierten FBI-Agenten ist insbesondere "Carmine Polito" (Jeremy Renner), der Bürgermeister von New Jersey, gerückt. Hinter der vermeintlich weißen Weste des beliebten Politikers vermutet "DiMaso" Verrat, Korruption und mafiöse Machenschaften.

Ein falscher Scheich soll die Undercover-Aktion perfekt machen und "Polito" mittels verheißungsvollen Investitionsangeboten in die Korruptionsfalle locken. Und während sich der FBI-Mann im Zuge der gemeinsamen Pläne immer mehr in "Sydney" verguckt, droht "Rosenfelds" ahnungslose Ehefrau "Rosalyn" (Jennifer Lawrence) zunehmend, die Aktion unwissentlich zu gefährden.

Hintergrund

Szene aus "American Hustle": Ein falscher Scheich soll Bürgermeister "Carmine Polito" (Jeremy Renner) in die Korruptionsfalle locken.

Die abenteuerliche Anti-Korruptions-Undercover-Aktion ist unter dem Namen "Abscam" tatsächlich Teil der amerikanischen Geschichte, wenngleich O. Russells Figuren nur lose darauf basieren. Im Jahr 1978 engagierte das FBI den verurteilten Trickbetrüger Melvin Weinberg für die Durchführung der Operation "Abscam", eine Abkürzung für "Abdul Scam" ("Abdul Betrug") und lockte unter dem Vorwand eines nicht existenten Scheichs und der fiktiven Firma "Abdul Enterprises, Ltd." amerikanische Amsträger in die Falle. Bei verschiedenen Treffen in einem Haus in Washington, D.C. erbat man politische Unterstützung gegen großzügige Bezahlung. Die Aktion hatte insgesamt sieben Verhaftungen zur Folge und musste sich – vor allem vonseiten der betroffenen Politiker - Kritik wegen Anstiftung zu Straftaten gefallen lassen.

Die Stars

Christian Bale, Amy Adams, Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Jeremy Renner - die Liste der großen Namen in "American Hustle" ist lang und liest sich wie ein glamouröses Klassentreffen der Stars aus O. Russells beiden vorangegangenen Filmen. Jennifer Lawrence und Bradley Cooper tanzten sich 2012 als "Tiffany" und "Pat" in "Silver Linings" mit sehr viel schrägem Humor ihre Depressionen von der Seele. Dafür gab es einen Oscar für Jennifer Lawrence als "Beste Hauptdarstellerin" und Nominierungen für unter anderem Cooper, O. Russell und in der Kategorie "Bester Film".

Erfolgsverwöhnt war auch O. Russells vorheriger Film "The Fighter", für den Christian Bale in seiner Rolle als "Dicky Eklund" den Oscar als "Bester Nebendarsteller" mit nach Hause nehmen durfte und der wiederum in zahlreichen weiteren Kategorien nominiert war. Unter anderem für Amy Adams als "Beste Nebendarstellerin".

Das bewährte O.-Russell-Ensemble vereinigt sich in "American Hustle" zum ultimativ schrägen Gesamtkunstwerk, verstärkt durch Jeremy Renner als netter Politiker und Familienvater mit braungebranntem Pokerface und kunstvoll frisierter Seventies-Tolle sowie Robert DeNiro in einer zwar kleinen, aber dafür wichtigen Rolle, Letzterer ebenfalls ein O.-Russell-Veteran aus "Silver Linings".

Amy Adams, Bradley Cooper, Jeremy Renner, Christian Bale und Jennifer Lawrence in "American Hustle".

Fazit

Wer hier eigentlich die Guten und wer die Bösen sind, wird auch nach 138 Minuten Filmspaß nicht ganz klar - und das ist auch gut so: In "American Hustle" ist einfach jeder ein potentieller Betrüger, genauso wie jeder auch ein potenzielles Opfer darstellt. Hier lügen alle einander ungeniert an - weil jeder versucht, immer das Beste für sich selbst herauszuschinden. Ob es sich dabei um Politiker, FBI-Beamte, Kleingauner oder betrogene Ehefrauen handelt, spielt keine Rolle.

Die historischen Fakten der "Abscam"-Affäre liefert vor diesem Hintergrund eine passende Grundlage für O. Russells satirischen Blick auf fragwürdige gesellschaftliche Moralvorstellungen: Selbst wenn das Ziel noch so gut gemeint ist - der Weg dorthin sollte nicht über Leichen gehen.

Trailer

"American Hustle"

Trailer: "American Hustle"

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