Kino-Tipp: Allein mit dem "Lone Ranger"

Johnny Depps neuer Film "Lone Ranger" ist in den USA bei Kritikern und Publikum gefloppt. Gala.de hat sich trotzdem ins Kino gewagt und präsentiert nun die Filmkritik der weltweit einzigen "Lone Ranger"-Fans

"Lone Ranger", "Tonto"

Um es gleich vorweg zu sagen: Wir wissen, dass wir mit unserer Meinung weltweit allein sind. Wir können es uns nicht erklären, aber es ist wahr: Wir haben den neuen Johnny-Depp-Film gesehen - und fanden ihn gut. Sogar laut gelacht haben wir im Kinosessel, scharf die Luft eingesogen bei den Actionszenen. Hätte uns nicht wie die anderen Kritiker der Plot verwirren müssen ? Sollte der Film uns nicht viel zu lange vorgekommen sein? Müssten wir uns nicht über das Übermaß an Filmzitaten ärgern? Wie konnte es dazu kommen, dass wir die weltweit einzigen "Lone Ranger"-Fans wurden?

Die Gala.de-Redakteurinnen Sarah Stendel und Ines Weißbach nach dem Kinobesuch:

Ines: Bisher hat sich ja mein Bezug zu Western auf "Die Söhne der Großen Bärin"-Bücher aus Vatis Sammlung, die Prügelwestern mit Bud Spencer und einen Besuch in Bad Segeberg beschränkt, aber "Lone Ranger" eben fand ich großartig. Obwohl ich die Geschichte um den Ranger und seinen Indianer-Kompagnon "Tonto" vorher gar nicht kannte.

"Lone Ranger", "Tonto" und das Pferd "Silver" wollen Outlaw "Butch Cavendish" schnappen, der den Bruder des Rangers auf dem Gewissen hat.

Sarah: Könnte es sein, dass das an einer gewissen Vorliebe für Johnny Depp liegt?

Ines: Nicht nur, denn ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet. 149 Minuten lang und dann auch noch von allen Kritikern verrissen. Besser, man liest sowas erst nach dem Film. Überrascht war ich vor allem, weil ich mir unter "Lone Ranger" einen ernsthaften Western vorgestellt habe und nichts Witziges.

Sarah: Ich fand's auch echt lustig. Vielleicht liegt das daran, dass ich heute noch bei den typischen Disney-Buddy-Film-Sprüchen lachen muss, aber Armie Hammer und Johnny haben super zusammengepasst. Wahrscheinlich haben wir hier die Geburt eines neuen Filmtraumpaares gesehen.

Ines: Ja, der Armie, er sieht aus Schwiegermuttis Liebling, überzeugt aber in seiner ersten Hauptrolle. Das musst du erst mal schaffen, dich nicht von Johnny Depp an die Wand spielen zu lassen. Und der ist immerhin doppelt so alt.

Spektakulär sind vor allem die Verfolgungsjagden, die sich "Tonto" und der "Lone Ranger" mit ihren Gegenspielern liefern. Meist sind Züge im Spiel.

Sarah: Depps "Tonto" erinnert natürlich stark an "Jack Sparrow".

Ines: Ich war ja bei der Pressekonferenz mit Johnny Depp in Berlin. Angesprochen auf die Ähnlichkeit der beiden hat er zwar erst etwas verwirrt getan und gesagt, dass es grundverschiedene Charaktere sind - nämlich "ein Mann weniger Worte, eine One-Man-Band" und ein "Aufschneider, der andere braucht, um sie zu manipulieren". Dann hat Johnny aber auch eingesehen, dass sie "das gleiche Wesen" sind. "Sie kommen beide aus meinem bedauernswerten Gehirn". Johnny bleibt eben Johnny.

Sarah: Und Jerry Bruckheimer bleibt Jerry Bruckheimer. Das merkt man an den spektakulären Actionszenen. Ich muss gestehen, dass ich bei denen immer daran denke, wie viel Kohle da gerade in die Luft gepulvert wird. Sah nach unglaublich viel aus, aber dafür war's auch ziemlich cool und packend! Und gleich zweimal Verfolgungsjagden auf nem Zug, ich hab mitgefiebert.

Die Damen des Films: Auf "Rebecca Reid" (links, Ruth Wilson) hat nicht nur der "Lone Ranger" ein Auge geworfen. "Red Harrington" (Helena Bonham Carter) weiß sich mit den Waffen einer Frau zu wehren - und zwar dem Schießeisen, das sich in ihrem Holzbein versteckt.

Ines: Überhaupt sind die Wild-West-Bilder schon einzigartig. Wenn "Tonto" und "John Reid" da auf dem Zugdach aneinandergekettet ins Verderben rennen, lohnt sich auch mal ein Blick in den Hintergrund.

Sarah: Die Landschaftsaufnahmen sind der Hammer und die Wüstenbilder möglichst trist, wie es sich für einen Western gehört. Ich habe mich einfach gut unterhalten gefühlt. Auch die Sequenzen mit dem weißen Pferd fand ich urkomisch.

Ines: Genau, das Zauberpferd "Silver", das den "Lone Ranger" zum Seelenwanderer erklärt. Spätestens als es auf dem Dach steht, um "John Reid" und "Tonto" aus dem brennenden Haus zu befreien, war klar, dass hier nichts mehr mit rechten Dingen zugeht. Wahrscheinlich auch ein Hinweis darauf, dass sich der Film selbst nicht so ganz ernst nimmt.

Sarah: Das hat man spätestens dann gemerkt, wenn Johnny Depp immer wieder die Krähe auf seinem Kopf füttert, indem er sich Futter vors Gesicht bröselt ...

"Butch Cavendish" (William Fichtner) sieht nicht nur böse aus, er ist es auch.

Ines: Ansonsten fand ich den Film übrigens gar nicht so disneymäßig.

Sarah: Doch, der war super für elfjährige Jungs. In typischer Disney-Manier sind die Guten die Schönen und Schlauen und die Bösen die mit den verfaulten Zähnen und den fiesen Tricks. Starke Frauenfiguren gibt's fast gar nicht, dafür aber viel Action und coole Sprüche. Würde meinem kleinen Neffen gefallen. Oder war er dafür zu düster?

Ines: Joa, es wird zwar nur angedeutet, wie "Butch Cavendish" einem Ranger das Herz rausreißt und verspeist. Ich fand’s trotzdem nicht so appetitlich.

Sarah: Gut, das kann aber nicht der Grund sein, warum in Amerika keiner ins Kino gegangen ist. Immerhin soll Disney einen Verlust von 140 Millionen Euro mit dem Film einfahren.

Die Gala.de-Redakteurinnen Sarah Stendel und Ines Weißbach sind auf "Tontos" Seite.

Ines: Das sind doch Peanuts für die. Habe ich nicht gerade gelesen, dass sie mit Freizeitparks und Fernsehproduktionen 1,4 Milliarden Euro Gewinn im Quartal machen? Dann bauen die eine "Lone Ranger"-Achterbahn und alles ist wieder gut.

Sarah: War auf jeden Fall gutes Popcornkino.

Ines: Wir haben uns amüsiert. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen oberflächlich, aber ist das nicht manchmal auch genug?

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