Keira Knightley: Wenn Liebe zum Wahn wird

Fatale Leidenschaft, elegant in Szene gesetzt: In "Anna Karenina" erforscht Titelheldin Keira Knightley Tiefen und Untiefen im Herzen einer Frau. Die Tolstoi-Verfilmung ist das Kino-Drama des Winters

Manchmal reicht schon ein kurzer Blickkontakt

- und das Schicksal zweier Menschen ist für den Rest ihres Lebens besiegelt. Als die wohlhabende Anna Karenina, eine verheiratete Dame aus der feinen Gesellschaft von St. Petersburg, auf einem Moskauer Bahnsteig dem jungen, attraktiven Kavallerie-Offizier Wronskij vorgestellt wird, ist es um beide geschehen. In dem flüchtigen Moment, als sich ihre Augenpaare kreuzen, wird ein Feuer der Leidenschaft entfacht, bei dem die beiden alles andere um sich herum vergessen.

Die Britin faszinierte die Geschichte der Anna Karenina (hier mit Graf Wronskij): "Männern wird eine Affäre nach wie vor verziehen, weil das in ihrer Natur läge. Frauen gelten bis heute als die Gefallenen", sagte sie im Gespräch mit "Gala".

Die Schlüsselszene gleich zu Beginn des neuen opulenten Kostümfilms "Anna Karenina" (ab 6. Dezember im Kino) lässt keine Zweifel: Diese Frau und dieser Mann sind füreinander bestimmt und werden ihren Gefühlen folgen, welche schweren gesellschaftlichen und emotionalen Konsequenzen ihre Amour fou auch haben wird. "Mich hat Anna Kareninas vielschichtiger Charakter komplett fasziniert", schwärmt Keira Knightley, 27, über ihre Titelrolle im Interview mit "Gala". "Sie hat diese dunkle, manipulative Seite, kann aber auch liebevoll und inspirierend sein. Ich erkenne davon einiges in mir wieder und denke, jede Frau trägt diese beiden Seiten in sich. Ihre Geschichte ist für mich zeitlos. Auch heute stoßen Menschen noch auf gesellschaftliche Schranken und haben Schwierigkeiten, ihre wahren Gefühle mitzuteilen."

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Traumhafte Kostüme, sündhaft teurer Schmuck - aber in Anna Kareninas Seele sieht es alles andere als glanzvoll aus.

Die dramatische Geschichte spielt während der Zarenzeit im Jahr 1874. Damals hatte die Aristokratie das Sagen, St. Petersburg war das politische Machtzentrum des russischen Reiches. Mittendrin: die wunderschöne Anna Karenina, unglücklich verheiratet mit dem hochrangigen Regierungsbeamten Karenin (Jude Law). Während eines Balls in Moskau nähert sie sich dem ihr sehr zugeneigten Graf Wronskij (Aaron Taylor-Johnson) zunächst vorsichtig an - spektakulär die Szene, in der sich die beiden Tanzenden nicht mehr aus den Augen und Armen lassen -, dann aber versucht sie ihre Gefühle für den jungen Offizier zu unterdrücken. Der Roman von Leo Tolstoi wurde insgesamt elf Mal verfilmt, mit Greta Garbo (1935) ebenso wie mit Vivien Leigh (1948), Jacqueline Bisset (1985) oder Sophie Marceau (1997). Weil ihre Leidenschaft am Ende über die Vernunft siegt, verliert Anna Karenina auf tragische Weise nach und nach alles, was ihre Existenz ausmacht: ihre Ehe und Ehre, ihre Kinder, ihre Stellung in der gehobenen Gesellschaft, den Geliebten und schließlich ihren Verstand. "Alles ist zu Ende. Ich habe nichts außer dir. Vergiss das nicht", sagt sie verzweifelt zu ihrem schönen Grafen - um sich kurz darauf in klirrender Kälte vor einen Zug zu werfen. Glühende Leidenschaft und Eiseskälte, Gefühl und Vernunft: Weil sie kein Gleichgewicht findet, finden kann, bleibt am Ende nur der eine Ausweg.

Ihr letzter Hilfeschrei. "Wir alle kennen doch das Gefühl, wenn man Schmerzen hat vor Sehnsucht, eifersüchtig und einsam ist, aber auch überquillt vor Glück", so Knightley, die für die emotionale Ambivalenz ihres Filmcharakters großes Verständnis aufbringt. Vielleicht auch deshalb, weil sie in früheren Beziehungen ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Die rehäugige Britin scheint wie geschaffen für die Rolle der widersprüchlichen - und neben "Effi Briest" und "Madame Bovary" berühmtesten - Ehebrecherin der Weltliteratur. "Tolstoi verurteilt Annas Verhalten. Für ihn ist sie eine Anti-Heldin. Ich sehe das nicht so. Wenn man in einer Partnerschaft unglücklich ist, muss man etwas dagegen tun", so die Schauspielerin, deren Liebesleben inzwischen gefestigt ist. Bereits zum dritten Mal arbeitete Keira Knightley mit dem britischen Regisseur Joe Wright zusammen ("Stolz und Vorurteil", "Abbitte"). Er hat die Handlung wie ein Bühnenstück angelegt, in dem sich für jede neue Szene der Vorhang öffnet. "Der britische Historiker Orlando Figes beschreibt die High Society von St. Petersburg als eine Gruppe von Menschen, die wie auf einer Bühne leben. Diese Idee habe ich aufgegriffen", so Wright.

"Die russische Aristokratie hat komplett den Lebensstil der französischen Hautevolee kopiert", schwärmt Keira Knightley, bekennender Kostümfilm-Fan, über die schwelgerische Optik und die exzentrischen Kleider. "Die Kleidung spielte eine große Rolle dabei, wer Anna ist und was sie verkörpert: Sie trägt Schleier, was wie ein Käfig ist. Und sie kleidet sich viel in Rot - im biblischen Sinne die Farbe der gefallenen Frau." Mit ihrer Zerrissenheit zwischen Leidenschaft und Vernunft, sagt Keira Knightley, kann sich jede Frau heute noch identifizieren: "Wir sind das ungebändigte Tier mit den gleichen Emotionen geblieben." Annette Utermark, Roland Rödermund
Mitarbeit: Julide Tanriverdi

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