Joker: Film versetzt die USA in Ausnahmezustand

Ein Meisterwerk oder eine Gefahr für die Bevölkerung? Selbst das US-Militär sorgt sich inzwischen wegen des Kinostarts von "Joker".

Joaquin Phoenix als gefeierter wie umstrittener "Joker"

Stehende Ovationen und einen Goldenen Löwen in Venedig, dazu anhaltende Oscar-Gerüchte um Hauptdarsteller Joaquin Phoenix (44) - nicht nur Comic-Fans sind angesichts der Vorschusslorbeeren für "Joker" gespannt auf den Film. Eine gänzlich andere Form der Anspannung wird dagegen von diversen Behörden im Vorfeld des US-Kinostarts von Todd Phillips Streifen am 4. Oktober (Deutschland-Start: 10. Oktober) verbreitet. Dort steigt offenbar mit jedem Tag die Angst, dass es zu Anschlägen bei den Vorführungen kommen könnte - so wie einst an einem schrecklichen Tag in Aurora, Colorado, im Jahr 2012.

Viel Identifikations-Potenzial?

Damals stürmte ein junger Mann das dortige Kino während der Mitternacht-Premiere von "The Dark Knight Rises", erschoss zwölf Menschen und verletzte viele weitere teils schwer. Er habe sich mit dem von Heath Ledger verkörperten Batman-Widersacher verbunden gefühlt, sich als "The Joker" bezeichnet, wurde damals vermeldet. Die größte Gefahr bestehe laut FBI und US-Militär nun offenbar erneut in Hinsicht auf das hohe Identifikations-Potenzial, das die Gefährder mit der Hauptfigur des neuen Films haben könnten.

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Diversen US-Seiten zufolge, etwa "Indie Wire", sprechen die Behörden von möglicher "Incel Violence". Unter "Incel" wird eine bestimmte Gruppe an Männern - meist weiß und heterosexuell - verstanden, die ein misogynes (frauenfeindliches) Weltbild hegen, unfreiwillig keinen Geschlechtsverkehr haben und in Selbstmitleid baden. Exakt wie Arthur Fleck alias Joaquin Phoenix in "Joker"?

Die Polizei macht sich laut eines Berichts der US-Seite "Variety" jedenfalls auf das Schlimmste gefasst und will ihre Präsenz während des Eröffnungswochenendes von "Joker" deutlich erhöhen. Gleichzeitig wird in einem Statement der LAPD (Polizei von Los Angeles) darin aber auch betont, dass es bislang noch keinerlei besorgniserregende Hinweise für mögliche Anschläge gäbe.

Viel Wirbel um nichts?

Natürlich sind potenzielle Gräueltaten im Zuge des Kinostarts von "Joker" hochgradig ernst zu nehmen, die Debatte darum scheint es dagegen nicht immer zu sein. Andernfalls müsste sie auch deutlich vehementer in Bezug auf Selbstjustiz-Helden der Marke "John Wick" oder "Rambo" geführt werden. In diese Kerbe schlug unlängst auch das für "Joker" zuständige Filmstudio Warner Bros., das sich in einem Statement zu den Bedenken geäußert hat.

Darin heißt es unter anderem, dass der Film "keine Gewalt in der echten Welt befürworten" würde und es "weder die Absicht des Films, des Regisseurs oder des Studios sei, den Charakter als Helden darzustellen." In der Tat orientiert sich der Film nachweislich an Antihelden, etwa aus Martin Scorseses Klassiker "Taxi Driver" - und der wird noch heute als bedenkenloses Meisterwerk gefeiert.

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