John Doman: Vom Polizisten zum Papst

John Doman steht im Mittelpunkt eines Ränkespiels um Macht, Sex und Drogen. In der zweiten Staffel der ZDF-Serie "Borgia" spielt er wieder das Oberhaupt des mächtigsten Papst-Clans der Geschichte

John Doman als "Rodrigo Borgia"

Schon zu Beginn der zweiten Staffel der ZDF-Serie "Borgia" ist klar: Das Leben des Papst-Clans wird auch in den sechs neuen Folgen nicht weniger machtlüstern, blutrünstig und sexbesessen. Papstsohn "Cesare Borgia" (Mark Ryder) zieht es vor, sich in Gegenwart von Frauen lieber nicht anzuziehen, Papsttochter "Lucrezia" (Isolda Dychauk) versteckt ihre Schwangerschaft im selbstgewählten Exil und "Rodrigo Borgia" alias "Papst Alexander VI." ersticht im Wahn zwei Bedienstete. Sechs neue Folgen des intriganten Renaissance-Ränkespiels in Spielfilmlänge zeigt das ZDF ab Montag (30. September). Im Vorfeld sprach Gala.de mit Hauptdarsteller John Doman, 68, über die Rolle als Papst, seine autoritäre Aura und den Quereinstieg ins Schauspiel.

Die erste Staffel "Borgia" war 2011 mit durchschnittlich fünf Millionen Zuschauern ein großer Erfolg in Deutschland und lief in insgesamt 85 Ländern. Mussten Sie darüber nachdenken, bei der zweiten wieder mitzumachen?

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Das war für mich sofort klar, denn die sehr komplexe Rolle des "Papstes Alexander" oder "Rodrigo Borgia" ist einfach großartig. Das wäre sie für jeden Schauspieler. Er ist so skrupellos wie in der ersten Staffel, doch jetzt kommt auch noch seine Drogenabhängigkeit dazu. Außerdem ist er besessen von seiner Tochter "Lucrezia" und muss lernen, mit seinem Sohn "Cesare" umzugehen, der ein eigenständiger Mann werden und an die Macht kommen will. Es passiert sehr viel in der zweiten Staffel und das hat Spaß gemacht.

Ein Leben voller Sex und Gewalt: Papstsohn Cesare (Mark Ryder) will sein Priesteramt aufgeben, um weltliche Macht zu erringen. Außerdem kämpft er um die Liebe von Carlotta von Aragon (Paloma Bloyd).

Während der ersten Staffel haben Sie erzählt, dass sie einige Zeit brauchten, um sich an das Papstkostüm und die Perücke zu gewöhnen …

Diesmal war es aber eher wie nach Hause kommen. Jetzt gibt's allerdings das nächste Problem: Wir haben zuerst in Prag gedreht, für die zweite und jetzt auch die dritte Staffel arbeiten wir aber auch in Italien, da ist es ziemlich heiß unter der Perücke und in den schweren Papstkostümen. (lacht)

Kannten Sie Italien vorher?

Ich war schon ein paar Mal in Rom und in der Toskana. Aber jetzt habe ich noch viel mehr über das Land erfahren. Denn dort, wo wir drehen, ist es immer wunderschön. Es sind Orte, die in der Renaissance gebaut wurden. Das fasziniert mich, weil wir so was in Amerika nicht haben. Für uns ist alles schon alt, wenn es aus dem 19. Jahrhundert kommt.

Interessieren Sie sich durch "Borgia" mehr für europäische Geschichte?

Ich habe viel über die Renaissance und das Mittelalter gelesen. Aber das liegt wohl am Alter. Je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich für Geschichte im Allgemeinen.

Sie spielen jetzt zwar den Papst, aber auffällig ist, dass Sie sonst häufig Polizisten verkörpern. Als "Commissioner Rawls" in der Serie "The Wire" , die lange als die beste der Welt galt, wurden Sie berühmt. Haben Sie eine Vorliebe für Beamte?

Es stimmt, ich spiele viele Officer. Wahrscheinlich weil ich diese Aura der Autorität um mich habe. Jeder Schauspieler hat ja ein bestimmtes Aussehen und Wesen und ich sehe eben aus wie ein Cop. Ich versuche natürlich dagegen zu arbeiten, weil ich auch andere Rollen spielen möchte.

Als Papst sind Sie auch überzeugend.

Danke, das hoffe ich. Ich sehe mich übrigens immer mit gemischten Gefühlen auf dem Bildschirm. Ich bin überkritisch mit mir und schaue, ob es wahrhaftig ist, was ich da spiele. Wenn ich einen falschen oder unechten Moment sehe, macht mir das zu schaffen. Ich versuche zwar, die zu eliminieren, aber nichts ist perfekt.

Lucrezia (Isolda Dychauk) musste ihre Schwangerschaft verstecken, um wieder verheiratet werden zu können und ist glücklich als sie ihren Sohn Giovanni in die Arme schließen kann.

"Borgia"-Ideengeber Tom Fontana erzählte, dass er die Charaktere seiner Serien vermisst, sobald sie abgedreht sind. Kennen Sie dieses Gefühl?

Nicht wirklich. Nach jeder Figur hoffe ich einfach auf die nächste Rolle, auf die ich mich fokussieren kann. Ich werde nach der dritten Staffel aber meine Kollegen vermissen. Die sind ein großartiger Haufen. Wir verbringen viel Zeit miteinander, essen, trinken, machen Party und arbeiten natürlich auch. Das sind Schauspieler aus der ganzen Welt. In der ersten Staffel hatten wir 24 verschiedene Nationalitäten am Set, jetzt sind es noch mehr. Das sind so viele kulturelle Hintergründe und wir haben eine tolle gemeinsame Zeit. Eine vierte Staffel würde es für mich allerdings nicht geben, denn ich sterbe im Jahr 1503. Also "Rodrigo" stirbt. Die Show wird vielleicht mit "Cesare" und "Lucrezia" weitergehen.

Sie sind ein Quereinsteiger und erst seit 22 Jahren Schauspieler. Ärgern Sie sich, dass Sie nicht früher angefangen haben?

Um ehrlich zu sein, ärgere ich mich tatsächlich ein bisschen, dass ich nicht diese großartigen Rollen, die für jüngere Männer geschrieben wurden, spielen kann. Auf der anderen Seite, wer weiß schon, was passiert wäre, wenn ich früher angefangen hätte? Ich bin glücklich, mit dem was ich geschafft habe. Dass ich eine zweite Karriere starten konnte.

Vorher waren Sie in leitender Position in der Werbebranche. Konnten Sie diese Fähigkeiten fürs Schauspielen gut gebrauchen?

Die Ware des Schauspielers ist seine Lebenserfahrung. Alles was du hast, sind selbst erlebte Dinge. Deshalb konnte ich mich sicher auch auf den komplett anderen Beruf vorher stützen.

Wie kam es zur zweiten Karriere?

Ich habe die letzten zwei Jahre im Job heimlich nachts Schauspielunterricht genommen und in kleinen Theatern gespielt. Keiner wusste davon außer meiner Frau und meiner Sekretärin.

Da hat auch nicht zufällig mal ein Kollege im Publikum gesessen?

Nein, die Theater waren wirklich klein (lacht).

Was war damals Ihr Ziel als Schauspieler?

Ich wollte das Handwerk lernen, Erfahrungen sammeln, alles, was möglich war, mitnehmen. Meine Philosophie war es, irgendeinen Job zu bekommen, egal was, ob Bühne, Film oder Fernsehen. Ich wollte sowieso alles machen.

Wann haben Sie entschieden, Ihren festen Job zu kündigen?

Ich bin heimlich zu Vorsprechen gegangen und wurde für die Werbung eines Telekommunikationsunternehmens gebucht. Da musste ich mich entscheiden, ob ich das mache oder nicht. Und als ich mich dann dafür entschieden hatte, wusste ich auch, dass ich das Werbebusiness aufgeben muss. Zwei Wochen bevor ich das erste Mal im Fernsehen zu sehen war, habe ich den Job gekündigt.

Und was haben Ihre Kollegen gesagt?

"Bist du verrückt? Was tust du? Da draußen gibt es keine Jobs." Ich hatte ihnen nämlich gar nicht erzählt, dass ich Schauspieler werde. Die dachten, ich würde nur ein Sabbatical nehmen, an den Strand gehen und herausfinden, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen möchte. Dass ich als Schauspieler erfolgreich sein könnte, hat keiner kommen sehen.

Gala.de-Redakteurin Ines Weißbach traf John Doman in Hamburg.

Ihre Enkelkinder sind sieben und zehn Jahre alt. Wissen die eigentlich, was ihr Großvater beruflich macht?

Es ist interessant, dass Sie das erwähnen, denn meine Frau war kürzlich in Italien und hat ein paar Bilder und Videos am Set gemacht. Wie ich das Make-up und meine Haare gemacht kriege. Die hat sie den Kindern gezeigt und die waren sehr überrascht "Oh, Papa John ist ein Schauspieler? Wirklich?" Natürlich können sie nichts von dem anschauen, was ich momentan mache. Obwohl, ich drehe auch eine Serie, die "Rizzoli & Isles" heißt. Vielleicht könnten sie die in einem Jahr schon gucken. Darin spiele ich den Vater von "Maura Isles", der ein Mörder für die Mafia war.

Also erneut kein Polizist.

Genau, da bin ich wieder der böse Typ, der seine Tochter sehr liebt.

"Borgia" ist am 30. September, 1. Oktober, 3. Oktober, 7. Oktober, 9. Oktober und 10. Oktober jeweils um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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