Joaquin Phoenix: "Ich bin süchtig nach Glück"

In dem Zukunftsdrama "Her" geht Joaquin Phoenix eine virtuelle Liebesbeziehung ein. "Gala" sprach mit ihm über Freundschaft, Familiensinn und die Suche nach der eigenen Identität

Joaquin Phoenix

Sitzt man Joaquin Phoenix gegenüber, bekommt man zwangsläufig das Gefühl, tief in seine Seele blicken zu können. Vielleicht weil er einen so neugierig und offen mit seinen graugrünen Augen anschaut. Dann lacht er gerne und laut. Und er liebt es zu rauchen. Immer wieder steckt er sich eine neue Zigarette an, inhaliert tief und bläst die dicken Rauchringe in die Hotelsuite. Muss er länger über seine Antwort nachdenken, fährt er sich gedankenverloren mit dem Handrücken über die markante Narbe an der Oberlippe. Nach seiner kreativen Pause ist er seit wenigen Monaten zurück im Showbusiness. Man hat ihn vermisst. Nicht umsonst wurde er dreimal für den Oscar nominiert ("Gladiator", "Walk The Line", "The Master"). Mit "Her" hat es diesmal nicht geklappt. Dabei ist es seine bislang zärtlichste Rolle.

In "Her" verlieben Sie sich in Samantha. Sie ist ein künstliches Wesen, das aus einem Computer spricht. Im Original wird es von Scarlett Johansson gesprochen.

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Scarletts Stimme wurde erst im Nachhinein im Studio aufgenommen. Während der Dreharbeiten hatte ich immer die Stimme der britischen Schauspielerin Samantha Morton im Ohr. Beide haben sehr erotische Stimmen ...

Der Film: Der einsame Schriftsteller Theodore (Joaquin Phoenix) verliebt sich in die Stimme eines Software-Updates: Samantha. Amy (Amy Adams) aus dem echten Leben hat dagegen keine Chance. Das Spike-Jonze-Drama läuft jetzt im Kino.

Könnten Sie sich vorstellen, auch im wirklichen Leben einem Computer Ihre intimsten Geheimnisse anzuvertrauen?

Nein. Meine intimsten Geheimnisse vertraue ich auch real lebenden Menschen nur sehr selten an.

Haben Sie durch den Film Ihren Umgang mit sozialen Medien verändert?

Kaum. Das liegt vor allem daran, dass ich sehr selten im Internet surfe. Und auch auf Facebook oder Twitter sucht man mich vergebens. Ich google nicht mal.

Ihre Figur entwickelt ein Suchtverhältnis zu Samantha. Gibt es etwas, wonach Sie süchtig sind?

Ich bin süchtig nach Glück. Und es gibt viele Glücksmomente in meinem Leben: wenn ich mit meinen Hunden spazieren gehe, aufs Meer hinausblicke, mit meiner Freundin ins Kino gehe oder mich mit meinen Neffen und Nichten zum Essen treffe. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und habe ein sehr enges Verhältnis zu meinen Geschwistern. Den Kindern meiner Schwester Liberty habe ich bei der Geburt die Nabelschnur durchtrennt. Das werde ich nie vergessen.

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20

In "Her" haben Sie neben der Liebesbeziehung zu Samantha auch eine platonische Freundin. Gibt es das überhaupt - unsexuelle Freundschaft zwischen Mann und Frau?

Das ist wirklich selten. Aber ich habe tatsächlich eine platonische Freundin! Allerdings ist sie lesbisch.

Gehen gemeinsame Wege: Joaquin Phoenix, 39, und Partnerin Allie Teilz, 20.

Sie waren zwei Jahre verschollen. Kurz zuvor haben Sie zusammen mit Ihrem Schwager Casey Affleck "I’m Still Here", einen Pseudo-Dokumentarfilm gemacht, in dem Sie Hollywood durch den Kakao ziehen.

(lacht) Ja, da haben Casey und ich uns einen schönen Scherz erlaubt. Das war zu einer Zeit, als ich von dem ganzen Hollywood-Zirkus die Nase gestrichen voll hatte. Ich bin eben viel lieber in Gesellschaft von Menschen, die sich nicht überwiegend über Ruhm und Reichtum definieren. Aber im Laufe der Zeit habe ich gespürt, dass ich die Schauspielerei doch sehr vermisse. Dann hatte ich das große Glück, dass mir "The Master" und "Her" angeboten wurden. Zwei Filme, die mir wieder gezeigt haben, warum ich es liebe, vor der Kamera zu stehen.

Ist Schauspielerei eigentlich auch eine Art von Realitätsflucht?

Das würde ich nicht sagen. Die Schauspielerei, so wie ich sie verstehe, hat vor allem etwas mit der Suche nach der eigenen Identität zu tun. Früher hat sie mir sehr dabei geholfen, langsam aus dem Schatten meines Bruders zu treten. (River Phoenix starb 1993 mit 23 Jahren an einem Drogen-Cocktail; Anm. der Red.) Jetzt betrachte ich die Schauspielerei als Abenteuer. Jeder Film ist eine Entdeckungsreise ins Unbekannte. Das finde ich sehr aufregend.

Gala

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Gala: Inhaltsverzeichnis

In Hollywood heißt es, die beste Voraussetzung, Schauspieler zu werden, sei eine schlimme Kindheit. Stimmt das?

Damit kann ich leider überhaupt nicht dienen. Ich komme aus einer Hippie-Familie. Wir sind sehr viel mit dem Wohnwagen herumgereist, sogar bis nach Südamerika. Wir lebten zwar in ziemlich einfachen Verhältnissen, aber es gab jede Menge Liebe und Verständnis - und immer viel zu lachen. Unsere Eltern haben uns sehr darin bestärkt, mutig zu sein, unsere eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Sie klingen sehr froh und optimistisch. Warum haben Sie denn bloß so ein düsteres Image?

Keine Ahnung. Ich bin eigentlich gar nicht so introvertiert oder melancholisch, wie man mich oft darstellt. Im Grunde meines Herzens bin ich ein positiver Mensch, der gerne lacht und Späße macht. Fragen Sie meine Freunde!

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