Jennifer Rostock: "Schlaflos" in Hamburg

"Jennifer Rostock" veröffentlichen im Januar ihr neues Album "Schlaflos". Bei einer Bootsfahrt durch den Hamburger Hafen gab es erstmals einen Vorgeschmack auf die neuen Songs

Am Mittwoch (20.November 2013) um 19:00 Uhr legt eine kleine, bunt beleuchtete Barkasse von Landungsbrücke 10 ab. Laute Musik dröhnt in den Hamburger Hafen hinaus. Auf dem stark schwankenden Gefährt findet nicht etwa eine Geburtstagsparty statt - die Rockband "Jennifer Rostock" lud zum Prelistening ihres neuen Albums "Schlaflos". Die Atmosphäre auf dem kleinen Boot ist gesellig. Es gibt Schnaps, Bier und Knabberzeug. Eine eigenwillige Deko aus Plastikblumen, Lichterketten und Weihnachtsgirlanden verleiht dem Gefährt den Charme eines urigen Partykellers. Die Location haben die Rocker nicht ohne Grund gewählt: "Dann könnt ihr nicht flüchten", meint Keyboarder Joe. Die Band schüttelt erst einmal jedem Gast die Hand und plaudert ein wenig, fast so wie bei einem Familienfeier. Frontfrau Jennifer, 26, trägt die Haare als wilden Lockenkopf mit weißem Blumenkranz, die obligatorische Lederjacke darf natürlich nicht fehlen.

"Jennifer Rostock" stellen ihre neuen Songs auf einer nächtlichen Hafenrundfahrt vor.


Das Partyboot legt ab und die Reise durch das neue Album "Schlaflos" kann losgehen. Laute Musik dröhnt aus den Boxen, acht der dreizehn Songs der neuen Platte bekommen die Gäste an diesem Abend zu hören. Die ersten Töne sind ungewohnt elektrisch und experimentell, dann geht es rasch über ihn den gewohnt rotzigen und rockigen "Jennifer Rostock"-Sound. "Ihr habt euch was getraut und euch wieder neu erfunden," meint Andreas Weitkämpfer, der die Band schon lange begleitet, stolz zu seinen Schützlingen. "Jennifer Rostock" haben sich auf ihren Album in der Tat weiterentwickelt. Schon der erste Song, den sie bereits veröffentlicht haben "Ein Schmerz und eine Kehle" kündigt den frischen Wind an, der auf dem neuen Album weht. Die fünf Rocker aus dem hohen Norden wagen sich hinaus aus ihrem gewohnten Terrain und mischen Hip-Hop-lastige Klänge unter die E-Gitarren. "Das überrascht vielleicht viele. Aber wir mussten ein Statement setzen und das tut dieser Song", meint Bandmitglied Joe. Auch die anderen Songs halten einige Überraschungen bereit. So säuselt Sängerin Jennifer einem bei "Schlaflos" ungewohnt leise ins Ohr, während sie in "Ein Schmerz und eine Kehle" die volle Belastbarkeit ihrer Stimmbänder ausreizt.

Sängerin Jennifer Weist ist stolz, das neue Album vorstellen zu können.


"Schlaflos" ist das Motto, das die neuen Songs verbindet. "Das ganze Album handelt von Dingen, die uns wach gehalten haben", erklärt Joe. Da geht es um durchfeierte Nächte, ebenso wie "nächtliche Gedankenstrudel". Natürlich kommen alteingesessene "Jennifer Rostock"-Fans auf ihre Kosten: Auf der neuen Platte, die am 17. Januar erscheinen wird, ist wieder mächtig was los, es scheppert, rumpelt und dröhnt. Die Band ist ihrem unperfekten und rohen Sound treu geblieben. "Wir sind vielleicht nicht immer perfekt gekleidet und nicht immer radiotauglich ... ", meint Joe, "... aber vielleicht wollen wir das auch gar nicht sein", brüllt Sängerin Jennifer ins Mikro. Unter laute E-Gitarren mischen sich Elektro-Sounds, nachdenkliche Texte wechseln sich mit herrlich ironischen Zeilen ab. So nimmt der Text von "Kein Bock, aber Gästeliste" mit spitzer Zunge die Mentalität der "In ist, wer drin ist"-Gesellschaft aufs Korn. Auch ein sanftes Liebeslied hat es auf das Album geschafft. "Aber ihr dürft keine Geigen erwarten", meint Joe über ihren Song "Du nimmst mir die Angst".

Mit "Schlaflos" haben sich die ehemaligen "Bundesvision Song Contest"-Teilnehmer zwar weiterentwickelt, aber nicht grundlegend verändert. Seit ihrem Karrierestart im Jahr 2007 kennt man sie als unkompliziert, liebenswert und partywütig. Die jungen Wilden sind sie geblieben. Und so wird auf der kleinen Reise durch den Hamburger Hafen mit den Fans das ein oder andere Schnäpschen gekippt. "Wir freuen uns schon so darauf, die Songs auf Festivals wie 'Southside' oder 'Hurricane' live zu spielen," meint Jennifer. "Aber vorher müssen wir noch ein bisschen üben," wirft Bassist Christoph ein.

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche