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Jasmin Wagner "Es hätte damals auch ganz anders laufen können"

Jasmin Wagner
Jasmin Wagner
© Aryashirazi
"Blümchen" war einmal, jetzt startet Jasmin Wagner durch. Mit ihrer Single "Gold" hat die Sängerin bereits gezeigt, dass auch Jasmin eine Hit-Maschine sein kann, jetzt folgt ihr Album "Von Herzen". Im GALA-Interview spricht sie über den Erfolgsdruck, die traurigen Schicksale ihrer 90er-Jahre-Kollegen und warum sie dieses Schicksal zum Glück nicht ereilt hat.

Jasmin Wagner, 41, ist zurück! Nun gut, zurück ist die Sängerin schon länger, 2019 feierte sie nach 18 Jahren erfolgreich ihr Comeback als "Blümchen", doch nun will Jasmin neue Wege gehen und unter ihrem echten Namen den Elektro-Schlager-Himmel stürmen. Ihr Album "Von Herzen" erscheint am 23. Juli 2021. Ob das bedeutet, dass "Blümchen" wieder weichen muss oder Jasmin beide Künstlerinnen am Leben erhält – wir haben sie gefragt.

Jasmin Wagner setzt sich nicht mehr unter Druck

GALA: Sie veröffentlichen Ihr erstes Album seit mehr als fünfzehn Jahren. Wie groß war die Anspannung und der Druck, dass es besonders gut werden muss?

Jasmin Wagner: Beim Schreiben der Songs habe ich keinen Druck verspürt. Klar bin ich angesichts der Veröffentlichung aufgeregt. Aber mit 40 kam generell eine große Entspanntheit in mein Leben. Mir wurde bewusst, dass jetzt die zweite Hälfte meines Lebens anfängt und ich diese mehr auf den Genuss und die Freude ausrichten möchte. Ich habe mir früher immer Gedanken darum gemacht, was die anderen Menschen denken. Aber das hat mich an einigen Stellen in meinem Leben sehr gebremst.

Die Musikrichtung Ihres Albums wird als Elektro-Schlager-Sound bezeichnet. Können Sie das näher erklären?

Mir war es wichtig, einen Sound zu kreieren, an dem ich Spaß habe und zu dem ich mich auf der Bühne bewegen kann. Die Musik von "Blümchen" hat die Leute immer zum Tanzen angeregt, das wollte ich auch als Jasmin Wagner beibehalten. Ich liebe elektronische Musik und gehe selbst gerne auf DJ-Festivals. Auch, wenn ich jetzt in der Schlagerwelt angreife, steht mir dank Blümchen auch der Elektro-Sound zu.

Wann wird "Blümchen" endgültig schlafen gehen?

Apropos "Blümchen": Ist "sie" jetzt wieder weg oder werden Sie zukünftig sowohl als Blümchen als auch als Jasmin Wagner auftreten?

Jasmin Wagner ist heute viel gelassener als früher
Jasmin Wagner ist heute viel gelassener als früher
© Christian Barz

Aktuell ist es so: Wenn man mit mir spricht, redet man mit zwei Künstlerinnen gleichzeitig. (lacht) Spaß beiseite, am Anfang war es ein bisschen schwer für mich. Und auch die Fans werden herausgefordert. Mein genialer Masterplan bestand darin, dass ich 2020 als "Blümchen" Konzerte gebe, "Blümchen" dann schlafen lege und Jasmin Wagner das Feld übernehmen lasse.

Nun sind wegen Corona aber noch einige "Blümchen"-Shows offen, so dass sie erstmal noch wach bleibt und es Blümchen und Jasmin Wagner parallel gibt. Was sicherlich vorkommt, ist, dass Blümchen auf der Bühne steht und plötzlich sagt: "Ich habe eine Freundin, sie heißt Jasmin Wagner und hat ein neues Lied, das singe ich euch jetzt vor." Ich gehe damit ganz spielerisch um. (lacht)

Werden Sie "Blümchen" irgendwann für immer schlafen legen?

Mir war von Anfang an klar, dass ich ein neues Album nicht als "Blümchen" schreiben würde. Ich liebe "Blümchen". Ich wäre selbst ein Fan, wenn ich sie nicht wäre. (lacht) Aber meine musikalische Basis hat sich verändert. Es wird vielleicht früher oder später die Zeit kommen, in der ich "Blümchen" nicht mehr mit Leben versorgen kann.

Die Schicksale von Britney Spears und Co.

Jasmin Wagner als "Blümchen" im Jahr 1997
Jasmin Wagner als "Blümchen" im Jahr 1997
© imago images

Sie waren damals 15, als die erste Blümchen-Single "Herz an Herz" erschien. Viele Künstler, die in dem Alter ihre Karriere starten, kommen später als Erwachsene nicht damit zurecht. Warum glauben Sie, ist das Ihnen nicht passiert?

Ich war zwar sehr jung, aber dadurch haben sich die Menschen auch sehr viel Mühe mit mir gegeben. Meine Mutter, die eben keine amerikanische Karriere-Mom war, hat immer auf mich aufgepasst. Sie hat mir schnell klargemacht, welche Gefahren da draußen lauern. Hätte ich mit auf den Aftershow-Partys damals gefeiert, hätte sie mich zurück auf die Schulbank geschleift. Das hat sie mir wirklich angedroht und das wollte ich unbedingt verhindern. (lacht) Ich bin sehr dankbar, dass es mir nicht so ergangen ist. Es hätte auch ganz anders laufen können.

Umso mehr bewegen mich die Schicksale der 90er-Jahre-Stars, die ich auch noch persönlich kannte. Ich habe damals mit Britney Spears abgehangen, wenn sie in Deutschland war. Deswegen hat es mich sehr berührt, als ich mitbekommen habe, dass es ihr so schlecht geht und sich ihr Leben in diese andere Richtung entwickelt. Wenn man wie sie ein Weltstar ist, steht nochmal ein anderer Druck und eine andere Maschinerie dahinter.

Den ersten Teil des Interviews mit Jasmin Wagner über die besonders persönlichen Songs ihres Albums, ihr neues Leben als Single nach dem Ehe-Aus im vergangenen Jahr und ihre Dating-Pläne für die Zukunft lesen sie hier.

Verwendete Quelle: eigenes Interview

Gala


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