Iris Berben: Wo geht's denn hier zum Film?

Für "Gala" erinnert sich Schauspielerin Iris Berben zusammen mit dem Produzenten Nico Hofmann an die Anfänge ihrer großen Leidenschaft: den Film

Wir treffen uns im Schiffrestaurant "Klipper"

, am Berliner Spreeufer. Es regnet, also wird erst mal gefrühstückt. Mit großen Lockenwicklern im Haar greift Iris Berben zu Spiegeleiern und Krabben, an ihrer Seite ihr Terrier Paul. Sie hat für ihn ein ganzes Repertoire an Spitznamen: Paulino, Paulchen, Paolo mio ... Auch Nico Hofmann wirkt entspannt - erstaunlich, denn neben dem international besetzten "Medicus"-Dreh in Köln hat der Filmproduzent diverse andere Projekte, die seinen Terminkalender fast zum Platzen bringen. Sein Gesicht beginnt zu leuchten, als er am Steg das imposante Wasserflugzeug liegen sieht, eine Cessna 206. "Super, machen wir in dem Ding das Interview?" Leider nein, die Propeller wären zu laut.

Preisverleihung

First Steps Awards

First Steps Awards: Franz Dinda und Sibel Kekilli
First Steps Awards: Heike Makatsch
First Steps Awards: Iris Berben und Klaus Wowereit
First Steps Awards: Jasmin Tabatabai und Andreas Pietschmann

15

Am 20. August wird in Berlin der Nachwuchspreis "First Steps Awards" verliehen, eine Herzensangelegenheit von Ihnen beiden. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Hofmann: (lacht) Iris und ich laufen zusammen über den roten Teppich!
Berben: Ich habe Nico eben ganz vorsichtig gefragt, ob er mich begleiten würde ...
Hofmann: Ich hätte dich aber auch gefragt. Iris und ich sind ja ein bisschen seelenverwandt. Und die Verleihung an sich?
Berben: Ich freue mich einfach auf die Jubelschreie der Sieger.
Hofmann: Die Freude der Nominierten und der Gewinner ist etwas Großartiges. Und dass die ganze Branche da ist, das ist ja wie ein Familientreffen. Aber es kommen nicht nur Schauspieler und Regisseure, sondern auch Produzenten und Redakteure. "First Steps" ist zur wichtigsten Talentschau für den jungen deutschen Film geworden.

Was sehen Sie, wenn Sie sich an Ihre eigenen ersten Schritte im Business erinnern?

Berben: Ich bin eigentlich überhaupt kein Zurückgucker. Aber natürlich werde auch ich mal von Wehmut gepackt und schaue mir einen alten Film an. Ich wollte ja was ganz anderes machen damals: Jura studieren ...
Hofmann: Ich wollte früher Journalist werden, so wie meine Eltern. Ich hatte auch bereits volontiert, und manchmal sitze ich da und stelle mir vor, dass ich auch im Journalismus glücklich geworden wäre.

"Mein Anfang war wie Sterntaler: Ich hab das Röckchen aufgehalten, und dann sind die Rollen reingepurzelt".

Sie haben sich aber beide für den Film entschieden, warum?

Berben: Zu der Zeit, als ich in diesen Beruf rutschte, gefiel mir, dass man nicht unter einer ständigen Beobachtung und nicht so früh in einer so großen Konkurrenzhaltung stand. Alles war eine einzige große Spielwiese. Sowieso: Ende der Sechziger, dieses Aufbrechen einer Verkrustung, dieses Hineingezogen werden in eine Idee von Veränderung, zu hinterfragen - das hat mich natürlich geprägt. Ich bin nach wie vor ein Nachhaker, ein Nachfrager, und analysiere alles, was ich tue.

Im Gegensatz zu den Teilnehmern der "First Steps Awards" waren Sie nie auf einer Schauspielschule.

Berben: Stimmt, offiziell habe ich diesen Beruf nie gelernt - zumindest nicht akademisch. Am Anfang war es ein bisschen wie Sterntaler: Ich hab das Röckchen aufgehalten, und dann sind die Rollen reingepurzelt.

Das ging nicht immer so, oder?

Berben: Wenn man ganz jung ist, denkt man, ein Scheitern gibt es gar nicht. Allerdings kam der große Bruch, als ich meinen ersten TV-Film gemacht hatte. Da war ich raus, weil das damals so eine harte Trennung war, dass ich keine einzige Kinorolle mehr bekam.

Gibt es Momente, in denen Sie keine Lust auf Film haben?

Hofmann: Nicht wirklich. Aber es gab bei mir so eine Phase vor zwei Jahren, in der ich eine Auszeit brauchte. Wenn man über zehn Jahre lang 25 bis 30 Filme pro Jahr macht, dann strengt das ungeheuer an. Ich mag das Wort Burnout nicht, aber zwei, drei Monate lang war ich gezwungen, in mich zu gehen. Das war die Zeit, in der ich anfing, Yoga zu machen. Eine wichtige Phase für meine eigene Standortbestimmung.

Ein Sommertag in Berlin: Iris Berben und Nico Hofmann auf dem Steg des Bootsrestaurants "Klipper" am Berliner Spreeufer. Das feuerrote Wasserflugzeug hat es den beiden Film-Ikonen besonders angetan.

Und bei Ihnen?

Berben: Nein, das hat es bei mir noch nie gegeben. Aber als ich 50 wurde, habe ich mal ein ganzes Jahr ausgesetzt. Ich dachte, es sei vielleicht der Moment, an dem ich aufhören müsste. Ich brauchte dieses Jahr - ich habe dann viele Lesungen gemacht. Aber ich habe gespürt, ganz stark: Nein, ich habe noch genug zu erzählen. Ich habe immer noch Sehnsucht zu drehen.

Was ist für Sie eine Todsünde beim Filmen? Eine, bei der Sie sofort ausschalten oder das Kino verlassen?

Hofmann: Lieblosigkeit.
Berben: Ja! Beliebigkeit.

Den Vorwurf der Beliebigkeit muss sich einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher ziemlich oft anhören.

Hofmann: Til Schweiger ist nicht umsonst da, wo er ist. Ich respektiere seine Karriere sehr - und er ist modellhaft für das, was im deutschen Kino gehen kann. Ich habe von Til immer sehr viel gehalten. Zum Beispiel habe ich gerade mit Florian David Fitz einen Film produziert ("Jesus liebt mich") - und als Til ihn sich im Schneideraum angesehen hat, sind ihm fünf Stellen aufgefallen, die wir dann noch einmal besser geschnitten haben. Beeindruckend, welch genauen Blick Til hat!

Frau Berben, Sie haben Til Schweiger jüngst, zur "Diva"-Verleihung, die "eierlegende Filmmilchsau" des deutschen Films genannt ...

Berben: Ja. Der ist so ein Profi! Ich kenne fast niemanden, der so viel über Film weiß wie Til. Und er ist eine Kraft im Kino, eine Instanz. Das deutsche Kino hat es oft nicht leicht, auch weil Deutschland ein so großartiges Fernsehen hat.

"Ich vergleiche Iris ja immer mit Catherine Deneuve. Und sie wird immer noch besser".

In dem nominierten "First Steps"-Film "Staub auf unseren Herzen" sehen wir Susanne Lothar. Was für Erinnerungen haben Sie an sie?

Berben: Ich möchte dazu nicht viel sagen. Der Tod ist immer ein sehr intimer Vorgang. Ich habe vor vielen Jahren einen Film mit Susanne gemacht. Und ich werde sie als eine kraftvolle und eigenwillige Schauspielerin in Erinnerung behalten.
Hofmann: Susanne hat bei mir um die Ecke in Charlottenburg gewohnt - sie war mir schon deshalb nah, weil wir dauernd beim selben Italiener gesessen haben, im "Pascarella". Was ich so großartig fand: Sie hatte eine riesige Offenheit gegenüber dem jungen Film, sie hat nicht nur in "Staub auf unseren Herzen" mitgespielt, sondern ist im letzten Jahr extra für eine kleine Rolle in einem Studentenfilm nach Ludwigsburg gekommen.

Wie haben Sie sie dort erlebt?

Hofmann: Susanne Lothar war jemand, der aus ganzem Herzen gegeben hat. Allein, wie sie mit den Studenten gearbeitet hat: Sie hat sich den jungen Filmemachern in ihrer ganzen Verletzlichkeit ausgeliefert, das hat mich zutiefst beeindruckt.
Berben: Ich finde, es wird jetzt ein wenig versucht, Susanne Lothar auf eine fragile Frau zu reduzieren. Aber sie war auch eine, die sehr genau wusste, was sie wollte - und das klar definieren und argumentieren konnte. Sie war eine sehr kraftvolle Frau, die Ansagen gemacht hat - auch diese Eigenschaften jetzt zu betonen ist man ihr schuldig, finde ich.

Woher nehmen Sie beide die Begeisterung und Neugierde für immer neue Geschichten?

Berben: Unser inneres Kind sitzt noch da, wo es hingehört.
Hofmann: Das hätte ich jetzt nicht besser sagen können.

Frau Berben, schon kurz vor den "First Steps" haben Sie einen Grund zu feiern - Sie werden 62. Wie wichtig ist Ihnen dieser Tag?

Berben: Mein Geburtstag ist mir nicht egal. Das sind schon immer Markierungen. Runde Geburtstage natürlich noch mal anders, die werden dann ausführlich gefeiert. Ich bin normalerweise auch oft in Dreharbeiten - also muss ich mir diesmal sehr genau überlegen: Wie verbringe ich den Tag? Wenn ich jetzt an diese Zahl denke, bin ich eigentlich nur dankbar. Vor 30, 40, 50 Jahren wäre das überhaupt keine Option gewesen für eine Frau in meinem Alter, noch so beschäftigt zu sein.
Hofmann: Und das wirst du auch noch bis ins hohe Alter. Ich vergleiche Iris ja immer mit Catherine Deneuve. Und sie wird immer noch besser. Weil Alter bei dir so sehr mit Lebenserfahrung zu tun hat. Obwohl: Die hast du ja in ganz jungen Jahren schon gehabt.
Berben: Ich hab ja auch nichts ausgelassen. (lacht) Für meinen Beruf heißt das eben: Erfahrungen sammeln ...

Roland Rödermund

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche