Hape Kerkeling über die Fortsetzung seiner Autobiographie: "Es ist da was in Arbeit"

Hape Kerkeling rührt mit "Der Junge muss an die frische Luft" alle Generationen. Exklusiv in GALA erklärt er den riesigen Erfolg der Verfilmung seiner Kindheitserinnerungen

Eine Handwerkerfamilie im Ruhrgebiet der Siebzigerjahre, mit Tanten und Onkels, Ommas und Oppas. Eine scheinbar heile Welt.

Hape Kerkeling über den Erfolg seiner Autobiographie

In der Verfilmung der Kerkeling-Autobiografie spielt Julius Weckauf, ein Junge vom Niederrhein, seine erste Rolle. Julius wurde aus Tausenden Bewerbern ausgesucht. In weiteren Rollen: Sönke Möhring, Joachim Król, Maren Kroymann, Diana Amft (Kinostart an Weihnachten, 25. Dezember) 

Doch die Mutter des kleinen Hans-Peter leidet. Mit Späßen versucht er sie aufzuheitern – der Ursprung seiner späteren Entertainer-Karriere. Hans-Peter kann die Mutter nicht retten. Sie nimmt sich das Leben. Wie geht es für ihn trotz des Traumas weiter? "Der Junge muss an die frische Luft" rührte im Kino schon mehr als zwei Millionen Zuschauer. Was heute nur noch selten passiert: Viele Familien sehen sich den Film gemeinsam an. Regisseurin Caroline Link wurde jetzt mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

GALA: Herr Kerkeling, vor dem Kinostart sagten Sie in GALA: "Ich sehe diesen Film als Appell an Familien zusammenzuhalten.“ Sie haben den Nerv der Zeit getroffen. Wie fühlt sich das an?

Hape Kerkeling: Toll! Es freut mich sehr, dass der Film vom Publikum so gemocht wird und die Menschen bewegt. Caroline Link hat ein Meisterwerk geschaffen. Jede Abteilung hat einfach alles richtig gemacht. Vom Drehbuch bis zur Produktion. Vom Bühnenbild bis zur Kamera. Vom Ensemble bis hin zum Hauptdarsteller Julius Weckauf. Alle haben ihr Herzblut gegeben.

GALA: Haben Sie mit einem solchen Hype gerechnet?

Kerkeling: Man hofft immer auf einen Erfolg. Aber ein wirklich großer Erfolg gelingt selten.

GALA: Der Film lässt die Zuschauer weinen und lachen. Wie oft konnten Sie ihn selbst schon anschauen?

Kerkeling: In voller Länge bisher einmal, bei einer privaten Vorführung mit meiner Familie in einem Kölner Kino. Dawurde auch viel geweint und gelacht.

GALA: Selbst die kleinsten Rollen sind top besetzt. Haben Sie einen Liebling?

Kerkeling: Ich finde alle gigantisch, ausnahmslos. Bei der Premierenfeier hatten wir miteinander so ein warmes Zusammengehörigkeitsgefühl. Joachim Król wollte unbedingt meine ganze bucklige Verwandtschaft kennenlernen. Und Rudolf Kowalski fand ich als Kind schon klasse, zum Beispiel in LoriotsSketch "Es saugt und bläst der Heinzelmann". Jetzt spielt er – wie Joachim Król – einen meiner Großväter! Da schließt sich der Kreis. Aber wie gesagt: Ich finde alle sensationell, auch Ursula Werner und Hedi Kriegeskotte, Luise Heyer und Sönke Möhring… Besonders freut mich, dass meine liebe Kollegin Maren Kroymann, meine Partnerin in vielen Filmen und Sketchen, als Beamtin vom Jugendamt mit von der Partie ist und ein Käffchen serviert bekommt.

GALA: Halten Sie noch Kontakt zu Julius, der Sie als kleinen Jungen spielt?

"Julius ist ein Super-Kumpel", sagt Hape Kerkeling über sein Mini-Me Julius Weckauf

Kerkeling: Ja, regelmäßig. Julius ist ein Super- Kumpel. Wir haben uns tatsächlich auf Anhieb verstanden.

GALA: Ein Kritiker moserte, Julius spreche eher rheinischen Dialekt als Ruhrpott-Slang. 

Kerkeling: Mich stört das nicht, dass Julius eher wie Horst Schlämmer klingt, was den Zungenschlag betrifft. So wächst auf der Leinwand zusammen, was seit 70 Jahren ohnehin zusammengehört: Nordrhein und Westfalen.

GALA: Manche feiern den Film als Hymne auf die scheinbar heile Welt der Siebzigerjahre. Wie sehen Sie das? 

Kerkeling: Auch in den Siebzigern gab es keine heile Welt. Es ging recht piefig und spießig zu. Dann gab es ja noch die Nachrüstung, die RAF und die Ölkrise. Trotzdem: Es waren Jahre des Aufbruchs, voller Hoffnung. Bundeskanzler Willy Brandt wagte mehr Demokratie und wurde Friedensnobelpreisträger. Zum ersten Mal hörte man den Begriff Umweltschutz und träumte von den Vereinigten Staaten von Europa.

GALA: Was ist davon geblieben? 

Kerkeling: Heute leben wir in Zeiten des rasanten Umbruchs. Viele Träume von damals sind geplatzt. Dabei wollen wir doch alle gerne Hoffnung spüren! Wir brauchen Politiker, die genau dafür arbeiten. Möchtegern-Politiker, die Ängste schüren, taugen nun mal nichts.

GALA: Haben Sie Souvenirs aus den Siebzigern? 

Kerkeling: Ich bin eigentlich ein Erneuerer, allerdings mit starkem Hang zur Nostalgie. Meine Barbie-Puppe habe ich noch. Ja, ich hatte eine Barbie! Und eine Skipper und den Ken.

GALA: Und haben Sie denn nun Lust bekommen, eine Fortsetzung Ihrer Kindheitsautobiografie zu schreiben? 

Kerkeling: Lust zu schreiben habe ich immer. Insofern: Es ist da was in Arbeit.

Der Junge muss an die frische Luft

Featurette mit Hape Kerkeling

Hape Kerkeling
Die Autobiographie "Der Junge muss an die frische Luft" von Hape Kerkeling ist ab dem 25. Dezember 2018 auf der großen Leinwand zu sehen.
©Gala
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