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GZSZ-Star Marc Weinmann Über Sexualität, Liebe, Offenheit und Polyamorie

GZSZ-Star Marc Weinmann
GZSZ-Star Marc Weinmann
© RTL / Bernd Jaworek
GZSZ-Star Marc Weinmann muss derzeit eine unglaubliche Bandbreite seines schauspielerischen Talents in der Serie beweisen. Wie der Schauspieler zwischen Liebe, Trauer und Zorn jongliert und welche Werte ihm privat wichtig sind, hat er im GALA-Interview offenbart.

Marc Weinmann, 24, liefert mit seiner Rolle des "Luis" bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" derzeit eine der intensivsten und gleichzeitig dramatischsten Liebesgeschichten der Serie. Der Schauspieler thematisiert mit seinem Charakter nicht nur die Erforschung der eigenen Sexualität, sondern eröffnet durch seine Darbietung gleichzeitig den Diskurs über Aufgeschlossenheit und Polyamorie.

Im Interview mit GALA hat der Schauspieler verraten, wie er selbst zu der dargestellten Beziehungskonstellation steht und welche Szenen ihm besonders viel abverlangt haben.

GZSZ-Star Marc Weinmann: "Das zeigt mir, wie enorm wichtig unsere Liebesgeschichte ist"

GALA: Vor welche Herausforderungen hat Sie die Darbietung von Luis gestellt?
Marc Weinmann: Luis ist für mich ein unglaublich vielschichtiger Charakter. Er besitzt ein hohes Maß an Empathie, ist sehr strukturiert und er möchte stets für seine Liebsten da sein. Gleichzeitig ist er aber auch temperamentvoll und impulsiv, was gerade unter Stress schnell zum Vorschein kommen kann. Diese unterschiedlichen Charakterzüge von Luis im Rahmen der Storyline rund um das Gefühlschaos zwischen Miriam, Moritz und Luis zu vereinen, war schon eine Herausforderung, denn Luis sollte auf gar keinen Fall herzlos wirken. 

Ich wollte zeigen, dass es nicht darum geht, dass Luis sich nicht zwischen den beiden entscheiden will, sondern dass er es schlichtweg nicht kann. Eben diese Zerrissenheit in jeder Etappe der Story zu verkörpern, war mir sehr wichtig und hat natürlich auch sehr viel Spaß gemacht.

Welche war für Sie die bisher schwierigste Szene?
Es gab einige anspruchsvolle Szenen in meiner bisherigen Zeit bei GZSZ. Zum Glück liebe ich herausfordernde Szenen, beispielsweise Szenen, die man nicht täglich spielt oder Emotionen, die man sonst nicht so oft zeigen kann. Ich glaube allerdings, die anspruchsvollsten Szenen waren tatsächlich die nach Miriams Tod, in denen Luis noch sehr unter Schock steht und gar nicht wirklich begreift, was passiert ist. Trauer ist zwar immer ein sehr individueller Prozess, dennoch gibt es im Verlauf aber ja auch immer wieder ähnliche Muster. Mir war es wichtig, diesen Verlauf von Schock, Zorn, Verdrängung, Depression und letztendlicher Akzeptanz so authentisch wie möglich erlebbar zu machen. Deshalb waren die Szenen zwar sehr kräftezehrend, aber auch eine total spannende Erfahrung.   

Sie sprechen mit der Rolle und insbesondere mit der Geschichte ein wichtiges Thema an. Sind Sie selbst mit so viel Offenheit hinsichtlich der Sexualität aufgewachsen? Leider ist es immer noch bei vielen ein Tabuthema …
Mich macht es ehrlich gesagt auch sehr traurig, dass einem großen Teil der Gesellschaft eben diese Offenheit immer noch fehlt. Ich bin in einem relativ offenen Umfeld aufgewachsen, würde ich von mir behaupten. Ich habe gelernt, allen Menschen mit Respekt zu begegnen und jeden so zu behandeln, wie ich auch selbst behandelt werden möchte. Deshalb stoße ich bei mir auch teilweise auf großes Unverständnis, wenn ich manche Reaktionen auf die Geschichte von Luis und Moritz lese. Es gibt noch so viele Menschen, die die Liebe zwischen zwei Männern als ekelig empfinden, oder sogar schreiben, dass man seine Kinder davor schützen sollte. Warum soll man bitte Kinder vor der Liebe zweier Menschen schützen müssen? 

Das zeigt mir aber immer wieder, wie enorm wichtig unsere Liebesgeschichte ist. Man muss den Leuten einfach immer wieder zeigen, dass es unterschiedliche Arten von Liebe gibt und absolut nichts daran unnormal ist. Darüber hinaus motiviert es mich jeden Tag, zu wissen, dass wir eine Vielzahl an Menschen erreichen und ihnen das Gefühl geben können, zu ihrer Sexualität zu stehen. Das ist das Wunderschöne am Schauspiel!   

Auf welche Charaktereigenschaften legen Sie im Privatleben besonders viel Wert?
Ehrlichkeit steht bei mir mitunter an vorderster Stelle, gefolgt von Harmonie und Offenheit. Das sind zwar teilweise eher Werte als Charaktereigenschaften, aber es trifft am besten das, was ich meine. Ich bin ein Mensch, der relativ offen und unvoreingenommen auf neue Leute trifft und gerne ein harmonisches Miteinander mit gegenseitigem Respekt pflegt. Das klingt jetzt zwar super philosophisch, aber ich bin überzeugt, viele Konflikte könnten sich viel leichter lösen lassen, wenn mehr Menschen so denken würden. 

Wäre eine Beziehungskonstellation wie sie Luis, Moritz und Miriam ausprobiert haben für Sie persönlich eine Option?
Darauf kann ich beim besten Willen keine pauschale Antwort geben. Luis zum Beispiel hätte auch bei seiner Rückkehr in den Kiez diese Frage noch mit Nein beantwortet und trotzdem haben sich die Dinge dann anders entwickelt. Liebe ist ein sehr komplexes Geflecht, das keiner so richtig begreifen und vorherbestimmen kann. Ich sehe mich zwar aktuell nicht in so einer Konstellation, aber vielleicht irgendwann.

Gala

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