"Gut gegen Nordwind": Von wegen angestaubte E-Mail-Romanze

In dem Film "Gut gegen Nordwind" tauschen sich Leo und Emma anonym aus. Funktioniert eine E-Mail-Romanze à la "E-Mail für dich" heute noch?

Emma (Nora Tschirner) wird immer mehr zu Emmi: E-Mail-Bekanntschaft Leo stellt ihr Leben auf den Kopf

In der deutschen Produktion "Gut gegen Nordwind" wagen Leo, gespielt von Alexander Fehling, 38, und Emma, verkörpert von Nora Tschirner, 38, ein Experiment: Nachdem eine Mail der Klavierlehrerin versehentlich bei dem Sprachwissenschaftler landet, beschließen sie, den angefangenen E-Mail-Dialog weiterzuführen. Die Voraussetzung: Beide bleiben anonym.

Regisseurin Vanessa Jopp und Drehbuchautorin Jane Ainscough ("Ich bin dann mal weg") haben sich dem Bestseller von Daniel Glattauer, der insgesamt schon über 2,5 Millionen Mal verkauft wurde, angenommen. Doch ist eine E-Mail-Romanze in der heutigen digitalen Welt noch glaubwürdig? Für die Kinoleinwand haben sie den 2006 veröffentlichten E-Mail-Roman an die heutige Smartphone-Welt angepasst. Mit starken Schauspielern gelingt bis auf eine kurze Durststrecke eine glaubwürdige Umsetzung.

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©VOX / Gala

Darum geht's in "Gut gegen Nordwind"

"Ich möchte bitte mein Abonnement kündigen. Geht das auf diesem Weg?" Ein Buchstabe zu viel, und Emma Rothners (Nora Tschirner) E-Mail an einen Zeitschriftenverlag landet beim vom Liebeskummer geplagten Linguisten Leo Leike (Alexander Fehling). Der wimmelt die Absenderin mit einer kurzen E-Mail und dem Hinweis auf ihren Irrtum ab. Doch die geistreiche Antwort der Unbekannten lässt Leo aufhorchen. Und so beginnt ein E-Mail-Chat zwischen den beiden, in dem sie sich immer vertrautere und persönlichere Dinge erzählen. Um ihre Anonymität zu wahren, gilt die Regel: kein Google, kein Instagram, kein Facebook!

Bald ahnen die beiden, dass sie mehr als eine digitale Freundschaft verbindet. Leo ist von Emmis - so darf nur er sie nennen - Witz und Einfühlungsvermögen fasziniert, Emmi kann durch die Gespräche aus ihrem (zu) harmonischen Alltag flüchten. Doch hätte eine Liebe außerhalb der virtuellen Welt eine Chance? Gründe für das Vermeiden eines Treffens finden beide genug: "Emmi ist meine Flucht, ich will mir das nicht mit der Realität versauen", erklärt Leo die Angst vor einer Entzauberung, die auch bei Emma herrscht. Besonders für sie ist der Austausch mit einem Fremden ein Spiel mit dem Feuer: Sie ist verheiratet.

Ein tragisches Ereignis in seiner Familie, die Annäherung an seine Ex-Freundin Marlene (Claudia Eisinger) und ein Jobangebot in Boston sorgen dafür, dass Leo sich von Emma immer weiter entfernt. Und auch Emma muss ihr "echtes" Leben mit Ehemann Bernhard (Ulrich Thomsen) samt seinen Kindern aus erster Ehe in den Griff bekommen. Doch ihre Gefühle für den Unbekannten verlassen immer mehr den Bildschirm. Sie will ihm endlich in die Augen sehen können.

Wenn aus Arbeit Liebe wird

Diese Promi-Paare verliebten sich am Filmset

Natalia Dyer + Charlie Heaton  Fans der Erfolgsserie "Stranger Things" dürften sich besonders gefreut haben, als bekannt wird, dass es die intensiven Blicke, die das Schauspiel-Paar vor der Kamera austauscht, auch in der Realität gibt. 
Ihre Liebe zum Sport ist nur eine von vielen Gemeinsamkeiten von Ashton Kutcher und Mila Kunis.  Eine weitere: Beide hatten Rollen in der Serie "Die wilden Siebziger", die zwischen 1998 und 2006 gedreht wurde. Verliebt haben sich Ashton und Mila allerdings erst viel später, seit April 2012 sind sie ein Paar. Im Februar 2014 wurde ihre Verlobung verkündet, im Mai gab Mila Kunis in der Talkshow von Ellen DeGenere bekannt, dass sie und Ashton ein Kind erwarteten.
Blake Lively + Ryan Reynolds   Zwischen Blake und Ryan funkt es 2010 am Set von "Green Lantern". Zu dem Zeitpunkt ist er allerdings noch mit Kollegin Scarlett Johansson liiert, sie datet ihren "Gossip Girl"-Kollegen Penn Badgley. Ryan und Blake finden trotzdem zueinander: Im September 2012 wird geheiratet, 2014 und 2016 machen zwei Töchter das Glück komplett.
Benjamin Millepied + Natalie Portman  "Black Swan" bringt Natalie Portman nicht nur einen Oscar ein, sondern auch die große Liebe. Während der Dreharbeiten ist Benjamin Millepied ihr Ballettlehrer und bringt dabei ihr Herz zum Tanzen. Pirouetten können sie heute zu viert drehen. 2011 bringt Natalie einen Sohn, 2017 eine Tochter zur Welt. 

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So geht Liebe aus dem virtuellen Briefkasten heute

"Gut gegen Nordwind" liefert den Beweis: Eine E-Mail-Romanze abseits von Tinder und Co. ist durchaus noch möglich. Ohne vorab abgeurteilte Fotos des potenziellen Dates gewinnt sie sogar wieder an Attraktivität. Durch die erweiterte Kommunikationsform via Smartphone-Display kann sie sich abseits von Schreibtisch und Laptop sogar "mobil" noch schneller und intensiver entwickeln. Ob im Supermarkt, Baumarkt oder im Schlafzimmer, eine Nachricht ist schnell verfasst. Doch die Dauererreichbarkeit droht auch jedwede Romantik zu zerstören, denn eine unbeantwortete Nachricht führt sogleich zu Unsicherheit und Zweifeln beim Gegenüber, wie der Film eindrucksvoll zeigt.

Für die Glaubhaftigkeit der virtuellen Romanze sorgen auch die beiden Hauptdarsteller Fehling und Tschirner. Trotz räumlicher Trennung machen sie durch ihre Blicke und Gesichtsausdrücke beim Lesen und Verfassen ihrer Nachrichten deutlich, dass sie sich nahe sind. "Emmi zu schreiben ist, wie Emmi zu küssen", erklärt es Fehlings Rolle Leo treffend.

Fazit

Besonders am Anfang glänzt der Film mit dem pointierten, trockenen Humor der E-Mails. Auch dass die Perspektive zunächst auf dem liebeskranken Leo bleibt und rund 40 Minuten vergehen, bis der Zuschauer ein Bild zu Leos rätselhafter E-Mail-Bekanntschaft bekommt, sorgt für Aufmerksamkeit - auch wenn Nora Tschirners markante Stimme aus dem Off dem ein oder anderen Kinobesucher bereits einen Hinweis liefern könnte.

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Der erste Zauber des E-Mail-Dialogs verfliegt zur Mitte des Films. Es folgen teilweise eintönige Szenen, in denen sich Emma und Leo hinter ihren Laptops verstecken und ihre digitale Insel partout nicht verlassen wollen. Eine Entscheidung muss her: Erst am Ende nimmt der Film noch einmal Fahrt auf, als sich jemand in den E-Mail-Verkehr einmischt und ein Aufeinandertreffen der scheinbar Seelenverwandten kurz bevorsteht - einen größeren Spannungsverlauf kann man bei einer Romanze via Web vielleicht auch nicht erwarten. Ob Emma und Leo ein Happy End feiern, sehen deutsche Kinobesucher ab Donnerstag (12. September).

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