Gunter Sachs: Sein größter Schatz

300 Kunstwerke aus der Sammlung von Gunter Sachs kommen nächste Woche unter den Hammer. Sein Sohn Rolf erklärt in "Gala", warum sich die Familie jetzt von ihnen trennt

Brigitte Bardot und Gunter Sachs

Sinnliche Lippen, aufreizender Blick, blonde Mähne.

Andy Warhols Porträt von Brigitte Bardot zeigt die französische Schauspielerin zu ihrer wohl aufregendsten Zeit: Ende der Sechzigerjahre, als sie mit Ehemann Gunter Sachs St. Tropez zum Zentrum des internationalen Jet-Sets machte.

Der Playboy und das Sexsymbol: 1967, ein Jahr nach ihrer Hochzeit waren Gunter Sachs und Brigitte Bardot als Paar einfach unschlagbar. Von beiden fertigte der damals in Europa noch unbekannte Andy Warhol Portäts an.

Jahrzehntelang zählte das Werk zu den Herzstücken von Gunter Sachs' Kunstsammlung. Am kommenden Dienstag und Mittwoch wird es, zusammen mit rund 300 weiteren Werken, in London versteigert. Für das Auktionshaus Sotheby's "eine der attraktivsten Privatsammlungen, die je unter den Hammer gekommen ist". Seit den späten Fünfzigerjahren war Kunst ein integraler Teil im Leben von Gunter Sachs, erklärt sein ältester Sohn Rolf, 57, im Gespräch mit "Gala". "Er glaubte fest daran, dass Kunst dazu da ist, um mit ihr zu leben." Besonders viele Emotionen hingen für Gunter Sachs, der sich vor einem Jahr im Alter von 78 Jahren das Leben nahm, am besagten Porträt (Schätzwert: 4,7 Millionen Euro) seiner zweiten Ehefrau. Er verehrte die Bardot zutiefst: Tausend rote Rosen soll er 1966 vom Hubschrauber aus über ihrem Haus in St. Tropez abgeworfen haben, bevor er der Schauspielerin einen Heiratsantrag machte.

Gunter Sachs und Ehefrau Mirja vor den Pop Art Kunstwerk von Andy Warhol.

Das heißeste Paar der Côte d'Azur zog auch die Aufmerksamkeit eines damals in Europa noch unbekannten Künstlers auf sich. Es heißt, Andy Warhol habe Gunter Sachs und Brigitte Bardot regelrecht aufgelauert, als diese in der Bar "Le Gorille" saßen und einen Aperitif tranken. Der Deutsche hatte sich mittlerweile den Ruf eines schillernden Playboys erworben. Als Erbe von gleich zwei großen Vermögen - seine Mutter war die Tochter des Autobauers Wilhelm von Opel, seinem Vater gehörte mit Fichtel & Sachs eine der größten deutschen Firmen für Autoteile - konnte er sich einen sorglosen Lebensstil leisten. Neben der Liebe zum guten Leben besaß Gunter Sachs aber auch eine große Leidenschaft zur Kunst - und ein sehr feines Gespür für neue Trends. 1972 zog er nach Hamburg, wo er in der Milchstraße eine eigene Galerie gründete. Zur Eröffnung zeigte er eine Ausstellung von Andy Warhol - als einer der ersten in Europa. Ein Reinfall: Kein einziges Stück wurde verkauft. Aus Mitleid mit dem Künstler erwarb Sachs selbst ein Drittel der Werke, was sich rückblickend natürlich als Glücksfall erweisen sollte. Künstler und Galerist blieben Freunde.

"Mini Compression" (1990) Skulptur von César, Schätzwert: 6000 - 8300 Euro

Erst 1974, fünf Jahre nach der Scheidung von Brigitte Bardot, gab Sachs das Porträt seiner Ex-Frau in einer Achterserie in Auftrag. Ein Exemplar bekam einen besonderen Platz in der legendären Turmwohnung, die Sachs im "Palace Hotel" in St. Moritz unterhielt. Mit Wehmut trennen sich Sachs' Erben - seine Söhne Rolf, Christian Gunnar, 40, und Claus Alexander, 30, sowie seine Witwe Mirja, 69 - nun von einem Teil der Schätze. Der passionierte Sammler kaufte stets direkt von den Künstlern und wertschätzte die Objekte nie als Investition, sondern als Herzensangelegenheit. Doch bei der Auktion, deren Erlös auf mindestens 24 Millionen Euro geschätzt wird, geht es in erster Linie nicht ums Geld. Immerhin schätzte das "Manager Magazin" das Vermögen von Gunter Sachs vor fünf Jahren auf rund 500 Millionen Euro.

"Tisch" (1969) des britischen Bildhauers Allen Jones, Schätzwert: 35 000 - 47 000 Euro

"Während viele Werke im Besitz der Familie verbleiben werden, wollten wir eine abgerundete Auktion zusammenstellen, die in aller Fülle die Sammlung und den Lebensstil meines Vaters reflektiert", erklärt Rolf Sachs. Es gehe darum, Klarheit zu schaffen und zu konsolidieren, sprich, das große Kunstlager aufzuräumen, um die verbleibende Sammlung zu konzentrieren. Und darüber freuen sich nicht nur die Sammler: Im Herbst plant die Familie eine Ausstellung in der Villa Stuck in München. Stefanie Richter

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche