GALA Hörtest - Raten Sie mit!: Welche Hollywood-Stars spricht diese Synchronsprecherin?

Haben Sie sich schon mal gefragt, wer hinter den bekannten deutschen Synchronstimmen der großen Hollywood-Stars steckt? GALA klärt auf. Doch vorher raten Sie mit: Welche weltberühmten Schauspielerinnen spricht wohl diese Synchronsprecherin?

Ulrike Stürzbecher

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Na, haben Sie die Stimme erkannt? Wenn nicht, gehen Sie eindeutig zu wenig ins Kino oder gönnen sich zu selten einen gemütlichen Serien-Abend vor dem TV. Diese Stimme gehört definitiv zu den bekanntesten Stimmen Deutschlands und das aufgrund mehrerer namhafter Hollywood-Schauspielerinnen. Kate Winslet, Jennifer Aniston, Ellen Pompeo, Patricia Arquette – um nur einige der Damen zu nennen, denen SIE ihre Stimme leiht: Ulrike Stürzbecher.

Doch wer ist eigentlich die Frau, deren Stimme sich sofort im Kopf einprägt und binnen weniger Sekunden Bilder von Rose DeWitt Bukater an Deck der Titanic oder Meredith Grey in den Armen von McDreamy erzeugt?

Wer ist Ulrike Stürzbecher?

Ulrike Stürzbecher wird am 9. März 1965 in Berlin geboren und lebt auch heute noch in der Hauptstadt. Als Tochter einer Autorin wird ihr die darstellende Kunst praktisch in die Wiege gelegt. Daher beginnt sie mit 13 Jahren, Unterricht in Ballett und Jazz zu nehmen, später auch in Gesang.

Doch das reicht der jungen Ulrike damals nicht. Sie will hauptberuflich auf die Bühne und so macht sie von 1983 bis 1985 eine private Schauspielausbildung bei Erika Dannhoff, anschließend studiert sie von 1986 bis 1989 Schauspiel, Gesang und Tanz an der Hochschule für Künste Berlin. Obwohl Ulrike gerne auf der Bühne und vor der Kamera steht, entdeckt sie parallel ihre Leidenschaft fürs Synchronsprechen.

Karriere-Start dank "Dallas" 

Barbara Bel Geddes und Patrick Duffy als Miss Ellie Ewing Farlow und Bobby Ewing in "Dallas" 

Eine wichtige Rolle spielt dabei die von 1978 bis 1991 produzierte US-amerikanische Fernsehserie "Dallas". Zwei Schlüsselerlebnisse prägen Ulrike: Mit 16 Jahren betritt sie dank der Synchronsprecherin Inge Landgut, die bei "Dallas" die Miss Ellie Ewing Farlow spricht, zum ersten Mal ein Synchronstudio, und ist begeistert.

Mindestens genauso wichtig stellt sich der Augenblick heraus, in dem Ulrike den Schauspieler und Synchronsprecher Hans-Jürgen Ditterner auf der Bühne sieht bzw. hört. "Das ist ja Bobby Ewing", stellt sie aufgeregt fest und meint damit natürlich eine der Hauptrollen aus "Dallas". Ulrike ist so beeindruckt, dass sie beschließt, die Brötchen ebenfalls hauptsächlich mit ihrer Stimme zu verdienen. Bald kann sie sich weitaus mehr als nur die Bötchen leisten – ihre Stimme kommt gut an und wird schnell die feste Stimme gleich mehrerer bekannter Hollywood-Größen.

Kate, Jennifer, Patricia und Co.

1993 wird sie die deutsche Stimme von Patricia Arquette, 1995 von Kate Winslet und 1996 von Jennifer Aniston. Diese drei  Hollywood-Schauspielerinnen behält sie bis heute bei sich. Hinzu kommen Anne Heche sowie Synchronarbeiten für Julianne Moore, Halle Berry, Naomi Watts, Katherine Heigl, Jessica Biel, Juliette Lewis, Renée Zellweger, Rachel McAdams, Drew Barrymore und viele mehr.

Eine Auswahl der Synchronrollen

Jennifer Aniston im Jahr 2005 in "Trennung mit Hindernissen"

Jennifer Aniston in

Wir sind die Millers (2013)

Meine erfundene Frau (2011)

Er steht einfach nicht auf dich (2009)

Marley und ich (2008)

Trennung mit Hindernissen (2006)

Kate Winslet im Jahr 1997 in "Titanic"


Kate Winslet in

Der Gott des Gemetzels (2011)

Zeiten des Aufruhrs (2008)

Der Vorleser (2008)

Liebe braucht keine Ferien (2006)

Titanic (1997)

Patricia Arquette im Jahr 2008 in "Medium - Nichts bleibt verborgen"



Patricia Arquette in

Medium – Nichts bleibt verborgen (2005 – 2011)

Ellen Pompeo in der vierten Staffel "Grey's Anatomy" (2007 oder 2008)



Ellen Pompeo in

Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte (seit 2005)



Durch über 1.000 Rollen zum Synchron-Profi

Ja, die Liste von Ulrikes Synchronrollen bei ihrer Sprecheragentur "Media Paten" ist lang, sehr lang – inzwischen hat sie über 1.000 Sprechrollen inne. Kein Wunder also, dass sich Ulrike heute nicht mehr an ihre erste Rolle als Synchronsprecherin erinnern kann. Lediglich, dass sie anfangs ganz schöne Schwierigkeiten bei der Arbeit im Synchronstudio hatte, weiß sie noch. Diese Probleme sind mittlerweile aber längst vergessen, inzwischen ist Ulrike ein waschechter Synchron-Profi.

Obwohl sie wie alle Synchronsprecher natürlich darauf achtet, immer lippensynchron zu arbeiten, bedient sie sich für die perfekte Synchronisation eines genialen Tricks: Sie schaut dem Schauspieler auf die Augen. Dadurch würde sie die Gefühle besser erahnen und diese dann auch durch ihre Stimme transportieren können, sagt sie.

Überraschungserfolg "Titanic"

Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in "Titanic"

Trotzdem stellt besonders eine gestandene Hollywood-Größe Ulrike immer wieder vor eine Herausforderung: Kate Winslet. Die Britin überrascht in ihren Filmen immer wieder mit ihrer Vielschichtigkeit. So auch in Kates bislang erfolgreichstem Film "Titanic".

Als dieser im Dezember 1997 in den US-amerikanischen Kinos erscheint und Ulrike die Rolle der Rose DeWitt Bukater im Studio einspricht, sieht das Ganze erstmal nicht nach einem großen Erfolg aus. Erst später füllen sich die Kinosäle auf der ganzen Welt, "Titanic" wird mit elf Oscars ausgezeichnet und belegt lange Zeit den ersten Platz in der Liste der erfolgreichsten Filme.

Es regnet Preise

Auch für Ulrike zahlt sich dieser Erfolg zumindest bei den Preisen aus. 1998 erhält sie für ihre Leistung in "Titanic" die Ehrennadel der "Goldenen Leinwand", 2010 folgen der "Deutsche Preis für Synchron" sowie der Zuhörerpreis "Die Silhouette" für Hanna Schmitz in "Der Vorleser".

Doch wer denkt, Ulrike sei durch ihre Synchronarbeit in "Titanic" noch häufiger besetzt worden als vorher, der irrt. Der Erfolg sei eher hinderlich gewesen, sagt sie heute. Man befürchtete eine Überpräsens.

Ulrike bleibt trotzdem weiterhin an der Spitze der deutschen Synchron-Branche. Neben ihrer Tätigkeit als Synchronsprecherin vertont sie Hörspiele, 2014 wird sie die Station-Voice beim Fernsehsender Sixx.

Hinter dem Mikrofon, aber auf der Bühne

Claudio Maniscalco und "Die Heck-Mecks" Wendy Kamp, Marion Musiol und Ulrike Stürzbecher in "In Teufels Küche"

Anders als so mancher Kollege versteckt sich Ulrike aber nicht hinter dem Mikrofon im Synchronstudio, sie steht weiterhin gerne im Rampenlicht und zeigt, was sie kann. Seit 1989 ist sie festes Mitglied des Swing-Trios "Die Heck-Mecks". Mit diesem arrangiert und singt sie deutsche sowie ins Deutsche übertragene Swing-Jazz-Klassiker im Satzgesang. Der nächste große Auftritt findet am Ostermontag (22. April 2019) zusammen mit Schauspieler Claudio Maniscalco und dem Dinnermusical "In Teufels Küche" im Estrel-Berlin statt und verspricht magische Handlung, tolle Kostüme und Gute-Laune Songs.

Und zum Schluss...

Drei Fragen an Ulrike Stürzbecher

Gala: Sie sprechen mehrere bekannte Schauspielerinnen Hollywoods. Worin liegen für Sie die Unterschiede, wenn Sie Kate Winslet oder Jennifer Aniston synchronisieren?

Ulrike Stürzbecher: Die beiden sind charakterlich wirklich extrem unterschiedlich. Die eine ist für mich "very british", die andere mehr das "all American Girl". Bei Kate Winslet muss ich tiefer emotional in mir kramen um das umzusetzen, was sie spielt. Ich hab mal gehört, dass sie sich mit ihren Charakteren bis ins kleinste Detail auseinandersetzt. Mehr theatralisch. Jennifer Aniston geht, glaube ich, intuitiver an die Rollen ran. Vielleicht verstehe ich sie deshalb schneller. Viele sagen ja auch, es gebe eine gewisse optische Ähnlichkeit zwischen uns beiden.

Vorbereiten kann man sich nicht. Das passiert in dem Moment, wenn ich im Studio bin. Das Original ist die Grundlage und der muß ich so gut wie möglich gerecht werden.

Gala: Erkennen fremde Leute Ihre Stimme? Was war die absurdeste Situation, die Sie in der Hinsicht erlebt haben?

Ulrike Stürzbecher: Das passiert ziemlich oft. Ich merke das immer daran, dass die Leute mich komisch angucken. Dann kommt die Frage "darf ich Sie mal was fragen?", in dem Moment weiß ich schon, was kommt. Ich war mal auf einer Party und mehrere Leute hatten gleichzeitig diesen Aha-Effekt. Dann fingen sie plötzlich an zu streiten, welche Schauspielerin ich denn jetzt spreche. "Das ist Jennifer Aniston", "Nein, das ist Kate Winslet", "Ach was, Ellen Pompeo". Die haben sich da richtig gefetzt. Ich habe dann einfach gar nichts mehr gesagt, weil ich es so witzig fand, dass jeder seine eigene Figur aus mir heraushört. Eine absurde Situation.

Gala: Was sagen Sie zu der weit verbreiteten Kritik "das Original ist viel besser"?

Ulrike Stürzbecher: Das ist ein ewiges Thema. Ich kann verstehen, dass sich die Leute das Original anschauen, wenn sie die Sprache so gut verstehen, dass ihnen nichts verloren geht. Das würde ich auch machen. Aber was ist denn bei chinesisch, sag ich dann immer. Da wird’s schon schwieriger. Aber klar, das Original bleibt natürlich immer das Original.

Wir, also das gesamte Synchronteam, arbeiten inhaltlich, sprachlich und emotional hart daran, dem Original so nah wie möglich zu kommen.

Aktuell spreche ich zum Beispiel Patricia Arquette in der Fernsehserie "Escape at Dannemora" über eine tatsächlich stattgefundene Gefängnisflucht. Die schlunzt die Sprache so hin, denn sie spielt eine einfache Amerikanerin aus der Kleinstadt. Da werde ich natürlich nicht perfekt artikulieren, sondern meine Aussprache simpel halten und stark verschleifen.  

Ich finde, die Kritik am Synchron könnte ein bißchen differenzierter sein. Es ist aber nicht so, dass ich deswegen nachts in meine Kissen weine (lacht).

Verwendete Quellen: media-paten.com, YouTube Interview "Sprechplanet", YouTube Interview "SagMalTV", YouTube Interview "Leichter Leben"

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