Franziska Knuppe : Über Magerwahn und Fotografen, die zu weit gehen

Model Franziska Knuppe weiß, dass die Anfänge in der Modeindustrie nicht einfach sind. Deswegen möchte sie in ihrer Show "Austria's Next Topmodel" jungen Mädchen Starthilfe geben. Dabei warnt sie auch vor Schlankheitswahn und Fotografen, die zu weit gehen. 

Franziska Knuppe macht Heidi Klum Konkurrenz und begibt sich auf die Suche nach Nachwuchsmodels. Ab dem 10. September wird sie bei  "Austrias's Next Topmodel" die Mädchen casten. Sie selbst wurde von Star-Designer Wolfgang Joop in einem Potsdamer Café entdeckt. "Innerhalb weniger Tage war plötzlich alles anders und ich stand in Zeitungen", erinnert sich die heute 44-Jährige. Im GALA-Interview blickt das erfolgreiche Model auf die eigenen Karriereanfänge zurück und spricht über aufdringliche Fotografen und den Schlankheitswahn der Modeindustrie.  

Der Job bei "Austria's Next Topmodel" bedeutet Verantwortung

GALA: Franziska, was wären Sie heute, wenn Wolfgang Joop Sie nicht im Café entdeckt hätte? 
Franziska Knuppe: Ich hatte damals eine abgeschlossene Ausbildung als Hotelfachfrau und somit immer einen Plan B. Ich hätte eigentlich noch Hotelmangament studieren wollen, aber dieses Studium liegt nun seit 22 Jahren auf Eis. Als ich Wolfgang Joop begegnet bin, hatte ich nicht das Gefühl, schnell berühmt zu werden. Er hat damals gesagt: „Ich bringe dich zur Straße, aber gehen musst du alleine.“ Das werde ich nie vergessen. 

Heute sind Sie in der Rolle von Wolfgang Joop und geben Tipps. Das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich, denn als Gesicht der Sendung "Austria’s Next Topmodel" formen Sie auch die Schönheitsideale der heutigen Zeit. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?
Als Model musst du gewisse Voraussetzungen mitbringen. Auch in jedem anderen Job müssen Bewerber etwas Bestimmtes haben oder können, um erfolgreich zu sein. So muss ein Model eine gute Figur, eine gewisse Größe und ein gutes Aussehen haben. Neben Modeltipps gebe ich auch Ratschläge zur Persönlichkeitsentwicklung. Das ist im Job ganz wichtig, weil die Mädchen im Grunde eine One-Man-Show sein müssen.

Haben Sie sich im Bezug auf die Schönheitsideale zum Ziel gemacht, mehr Diversität in die Branche zu bringen?
Das haben wir auf jeden Fall versucht. Es ist wichtig, dass junge Mädchen ein Selbstbewusstsein aufbauen und früh sagen "Ich steh hier für mich und ich muss mich dabei wohlfühlen". In Bezug auf Ernährung haben wir stark darauf geachtet, dass die Mädchen genug essen. Sie hatten echt ein strammes Programm und brauchten die Energie. Wir haben immer gemeinsam zu Mittag und zu Abend gegessen und dabei wirklich ein Auge auf ihr Essverhalten gehabt.

Der Schlankheitswahn nimmt zu

Aprops Ernährung: Seit das deutsche Pendant, "Germany’s Next Topmodel", 2006 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, sind parallel zu den Zuschauerzahlen die Todesfälle aufgrund von Essstörungen in Deutschland rapide gestiegen. Um rund 70 Prozent, um genau zu sein. Nun stehen solche Entwicklungen nicht zwangsweise miteinander in Verbindung. Dennoch regen sie zum Nachdenken an, oder?
Ich glaube nicht, dass man da zwangsweise eine Verbindung sehen sollte. Wenn wir es zum Beispiel mit Sportlern vergleichen: Auch sie müssen ihren Körper auf ein gewisses Maß einstellen, um in ihrem Job erfolgreich zu sein. Ski-Springer essen sicherlich weniger als Models. Wenn ein Model keinen Erfolg hat, liegt es meist nicht am Körper, sondern an anderen Faktoren wie der Ausstrahlung.

In Frankreich zum Beispiel gibt es ein Gesetz. Demnach müssen Mädchen sich vom Arzt ein gesundes Köpergewicht bescheinigen lassen. Erst dann dürfen sie als Model gebucht werden. Glauben Sie das fehlt in Deutschland?
Es würde auf jeden Fall helfen. Allerdings ist die Branche in Deutschland längst nicht so hart wie in Frankreich. Zwischen den Pariser und Berliner Fashion Weeks liegen Welten. In Paris ist der Konkurrenzkampf viel größer, was sensiblen Mädchen aufs Selbstbewusstsein schlagen kann. In Frankreich macht so ein Gesetz also absolut Sinn. Aber in Deutschland achten die Agenturen sehr darauf, dass die Mädchen gesund aussehen. Genauso buchen die Kunden keine extrem dünnen Mädchen mehr, sondern suchen gerade für Werbeaufträge Models, mit denen sich die Frau auf der Straße identifizieren kann.

Franziska Knuppe

Sie spricht über den Verlust ihres Vaters

Franziska Knuppe.
Im Jahr 2011 musste Franziska Knuppe ihren Vater gehen lassen – ausgerechnet an ihrem Geburtstag. In dieser Woche hätte ihr Vater seinen Geburtstag gefeiert. Anlässlich seines Ehrentages, erinnert sich das Model gegenüber GALA an ihren persönlichen Helden
©Gala

Wie hat sich Ihre Körperwahrnehmung im Laufe der Karriere verändert?  
Mit meiner Figur habe ich schon immer relativ viel Glück gehabt. Natürlich muss ich auf mich achten, aber in den letzten zwanzig Jahren hat sich viel verändert. Ich muss nicht mehr zu Castings rennen und gegen andere Mädchen um einen Job zu kämpfen. Mittlerweile habe ich die Luxussituation, dass mich Kunden buchen, weil ich mir einen Namen gemacht habe. Meine Körperwahrnehmung hat sich auch verändert, weil ich erwachsen geworden bin – wäre ja auch schlimm, wenn nicht.

Gab es gerade zu der Anfangszeit eine Phase, in der Sie dachten, Sie seien zu dick oder vielleicht auch zu dünn?
Ich musste mir eher ein Selbstbewusstsein aufbauen, wenn ich zum Beispiel Jobs nicht bekommen habe. Aber jeder ist nach einem Vorstellungsgespräch bei einem potenziellen Arbeitgeber enttäuscht, wenn es nicht geklappt hat. Über Körperliches habe ich mir nie so viele Gedanken gemacht. Ich hätte nie eine ganze Woche nichts essen können. Dann hätte ich wohl eher Nein zum Job gesagt.

Franziska Knuppe: Fotograf schickte fragwürdige SMS

Nein zu sagen müssen Nachwuchsmodels erst lernen. Der Albtraum junger Frauen ist es wohl, dass sie schmierigen Fotografen oder Managern in die Hände fallen. Haben Sie diese Erfahrung machen müssen?
Es ist enorm wichtig eine gute Agentur zu haben. Das ist heute der Fall und so war es bei mir damals. In 22 Jahren musste auch ich meine Erfahrung mit dem ein oder anderen Fotografen machen. Dabei habe ich im Vergleich zu anderen Frauen sicherlich noch Glück gehabt.

Was ist bei jenen Fotografen passiert?
Der eine hat mich mehrfach angemacht und irgendwelche SMS geschrieben. Daraufhin habe ich zu meiner Agentur gesagt, dass wenn der Kunde mich nochmal buchen möchte, dann nur mit einem anderen Fotografen. Ein anderer Mann wollte nach dem Job unbedingt noch was trinken und stand vor meiner Tür. Nach einer Absage meinerseits hat er mich am nächsten Tag als "zu professionell" bezeichnet. Aber das sehe ich als Kompliment. Wenn Männer der Meinung sind, dass sie die Situation ausnutzen müssen, rate ich jedem Mädchen Nein zu sagen.

Die GNTM-Girls damals und heute

So sehr haben sich Heidis Mädels verändert

Sara Nuru wird 2009 "Germany's next Topmodel". Sie überzeugt Heidi Klum mit ihrer positiven Art beim Shooten und ihrem professionellen, freundlichen Auftreten bei Kunden - zu dem stets auch ihr bezauberndes Lächeln gehört.
2019 feiert Sara Nuru nicht nur ihr 10-jähriges GNTM-Jubiläum, sondern auch ihren 30. Geburtstag. Dabei scheint sie seit ihrem Sieg keinen Tag älter geworden zu sein. 
2007, in der zweiten Staffel von "Germany's next Topmodel" belegte Anni Wendler den zweiten Platz. Danach folgten ein paar Werbedeals und TV-Jobs. Heute ist sie jedoch fast nicht wiederzuerkennen.
2007, in der zweiten Staffel von "Germany's next Topmodel" belegte Anni Wendler den zweiten Platz. Nach ein paar Werbedeals und Filmjobs wurde es wieder ruhiger um sie. Sie arbeitet jetzt wieder als Zahntechnikerin und hat sich auch optisch verändert. Auf ihrem Instagram-Account zeigt sie sich mit Dreadlocks und Piercing. 

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"Austria's Next Topmodel" wird ab dem 10. September wöchentlich um 20:15 Uhr im deutschen Fernsehen auf Sixx gezeigt. In Österreich ist die Staffel zeitgleich auf Puls4 zu sehen.
Quelle: Eigenes Interview, Statistisches Bundesamt

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