Frankener "Tatort"-Kommissare: Das hilft gegen radikales Gedankengut

Der jüngste "Tatort" stammt aus Franken und greift gesellschaftspolitische Thematiken auf. Wie Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs Gewalt präventiv eindämmen wollen und welchen pädagogischen Wert der "Tatort" dabei hat, das verrieten sie im Interview

Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs

Der aktuelle Franken-"Tatort", der auf den Titel "Ich töte niemand" hört, war an einigen Stellen erschreckend und verstörend. Und das sollte er auch sein, denn er griff eine gesellschaftspolitische und tagesaktuelle Problematik auf: radikales Gedankengut.

Der pädagogische Wert des "Tatorts" 

Im Kern ging es um den Mord an einem Geschwisterpaar aus Libyen. Die Geschichte um diesen Doppelmord herum basierte aber auf viel mehr, als auf dem reinen Totschlag zweier Menschen. Im Zuge der Ermittlungen von Paula Ringelhahn ( , 59) und ( , *1974) fördert die Polizeiarbeit Erschreckendes zutage: Eine ganze Familie verliert sich in nationalsozialistischen Gesinnungen und Rachegedanken. Die Folgen gehen weit über die bloße Terrorisierung von Mitmenschen hinaus. 

Besonders brisant ist dabei der Umstand, dass auch Jugendliche diesen Gedanken einfach zu verfallen scheinen. Dass ein Einblick in Gesellschaftsstrukturen, die von Hass geprägt sind, verstörend ist, das ist auch den Schauspielern des "Tatorts" bewusst. Die Fernsehinstanz "Tatort", die häufig im Familienverbund geschaut wird, bekommt somit fast eine pädagogische Aufgabe: den Zuschauern die Augen zu öffnen. Der moralische Zeigefinger sollte jedoch nicht ausgefahren werden. "Ein pädagogischer Wert ist ja immer gleich der Lehrer mit dem Zeigefinger. Das würde ich nicht sagen, aber ich würde sagen, dass er vielleicht anregt oder sogar beunruhigt. Und den Blickwinkel, den man selber hat, vielleicht auch verändert oder schärft", resümiert Manzel gegenüber GALA. Auch Fabian Hinrichs gesteht dem "Tatort" einen Einfluss auf die Realität zu: "Ein Film sollte auch nicht zu viele Antworten liefern, er sollte lebendig sein und verstörend oder widersprüchlich, rationale Kategorien auch hinter sich lassend - so wie das Leben und die Menschen eben auch sind."

Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs setzen auf Bildung

Im Franken-"Tatort" werden nationalsozialistische Tendenzen nicht nur in der Familie, sondern auch in einem Sportverein ausgelebt und sogar gefördert. Wir wollten von den TV-Kommissaren wissen, inwiefern sie eine Chance sehen, radikalen Tendenzen vorzubeugen. Die Antwort von Fabian Hinrichs ist eindeutig: "Bildung. Je mehr ich lese, je mehr ich meine eigenen Limitierungen verschieben kann, desto mehr kann ich mich auf andere einlassen und bin nicht so empfänglich für Leidenschaften oder Manipulationen." Seine Kollegin bestätigt: "In zwischenmenschlichen Beziehungen kann es nur im Dialog funktionieren. Man muss miteinander reden und lernen, einander zu respektieren und den anderen sein Leben leben lassen. Das ist der einzige Weg. Damit muss man früh anfangen, am besten schon in den Kindergärten. Sodass die jungen Menschen das Gefühl haben, dass sich jemand für sie und ihre Probleme interessiert."

Die Gefahr dürfe man zudem nicht verschweigen, bestimmte Werte in der Erziehung, unabhängig von Religion oder Herkunft, können Gewaltbereitschaft fördern, führt die 59-Jährige weiter aus. Fungiert der "Tatort" nun als Bindeglied zwischen verschiedenen Parteien, regt er (vielleicht auch kontroverse) Diskussionen an und öffnet den Blick, so ist er mehr als nur die sonntägliche Unterhaltung. Aber auch die hat ihre Berechtigung, denn ein Film darf seinen Unterhaltungscharakter - unabhängig von der moralischen Thematik - auch behalten. 

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