Franka Potente "Das mit dem Sex war eher Zufall"

Franka Potente
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In einem neuen TV-Film spielt Franka Potente die Erotik-Pionierin Beate Uhse - eine starke Frau und geniale Unternehmerin

Eigentlich ist Franka Potente ja inzwischen in Los Angeles zu Hause.

Hier lebt sie glücklich mit ihrer vier Monate alten Tochter. Hier steht sie für Erfolgsserien wie "The Shield" und "Dr. House" vor der Kamera. Jetzt aber ist sie für Dreharbeiten wieder in Deutschland gewesen, für einen ZDF-Film schlüpfte die 37-Jährige in die Rolle von Beate Uhse - der Frau, die von den Vierzigerjahren bis zu ihrem Tod 2001 die sexuelle Aufklärung der Deutschen beschleunigte.

Der Film "Beate Uhse - Das Recht auf Liebe", in dem Franka Potente die patente Geschäftsfrau spielt, läuft am 9. Oktober um 20.1
Der Film "Beate Uhse - Das Recht auf Liebe", in dem Franka Potente die patente Geschäftsfrau spielt, läuft am 9. Oktober um 20.15 Uhr im ZDF.
© ZDF

Was hat Sie daran gereizt, ausgerechnet Beate Uhse zu spielen?

Ich kannte nur den Namen und dachte, Moment, dass ist doch diese alte Frau mit dem komischen Haarschnitt, die diese ganzen Sexshops hat. Dass diese Sexunternehmerin mit den Erotikshops schon in den Vierzigerjahren so eine emanzipierte Frau war, fand ich spannend.

Sie haben sich für die Rolle sehr viel mit Beate Uhse beschäftigt. Wie war sie wirklich?

Eine ältere Dame mit Strickweste, bis oben hin zugeknöpft, die wahnsinnig viel Geld hatte. Sie war eine Großunternehmerin, aber auch total bodenständig, jemand, der gar nicht so viel Geschiss um sich machen wollte. Und das fand ich interessant und sympathisch.

Was hat Sie an ihr überrascht?

Dass sie eigentlich mit Sex gar nicht so viel am Hut hatte. Ich glaube schon, dass sie ein sexueller Mensch war, aber nicht mehr als andere Leute auch. Ich glaube, dass Beate auch andere Sachen hätte verkaufen können. Wahrscheinlich war es eher Zufall, dass es ausgerechnet Sex war.

Beate Uhse war die erste Sexunternehmerin Deutschland, hier im Jahr 1999.
Beate Uhse war die erste Sexunternehmerin Deutschland, hier im Jahr 1999.
© Reuters

Aber immerhin wurde Beate Uhse zur ersten Sexunternehmerin Deutschlands und landete wegen Unzucht auf der Anklagebank …

Beate war unglaublich aufgeklärt für ihre Zeit. Im Krieg sind Frauen zu ihr gekommen und haben gesagt, hör mal Beate, ich bin schwanger, was mache ich denn jetzt? Beate hatte Antworten parat, und das hat sich herumgesprochen. Und dann kam eins zum anderen. Sie hat ihre Ratschläge aufgeschrieben. Dann kam ihr späterer Mann dazu und hat gesagt, du kannst auch eine Mark dafür nehmen. Und so ist es ein Unternehmen geworden.

Was bewundern Sie an ihr?

Sie hat sich nie unterkriegen lassen. Als ihr erster Mann gestorben ist, hat sie allein ihr Kind großgezogen. Dann war sie im Zweiten Weltkrieg Fliegerin und hat sich irgendwie durchgebissen.

Beate Uhse hatte einen wahnsinnigen Drang, es immer weiter zu schaffen. Können Sie sich als Künstlerin mit diesem Drang identifizieren?

Ich gucke immer nach vorne, nie zurück. Ich gucke immer, was ich als Nächstes machen kann. Was interessiert mich gerade? Wie mache ich das? Ohne mich dabei verrückt zu machen.

Was hat unsere Generation Beate Uhse zu verdanken?

Vielleicht, dass unsere Mütter ein bisschen aufgeklärter waren durch sie. Zur Zeit unserer Eltern war Beate Uhse die Einzige.

Heute ist es kaum noch vorstellbar, wie prüde Deutschland bis in die Siebzigerjahre hinein war …

Natürlich vergessen wir dabei, dass das einfach auch neu war. Wir leben heute in einer Zeit, in der alles zu jeder Zeit erhältlich ist. Es gibt keine Grenzen, vor allem keine Schamgrenzen mehr. Alles ist entzaubert, weil man schon alles gesehen hat. Früher gab es zwei Programme im Fernsehen. Alles, was neu war, vor allem im Intimbereich, war ein totaler Schocker. Heute kann einen nichts mehr schocken. Anna-Barbara Tietz

gala.de


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