Filmtipp: "Hail Caesar" ist ein "Hallo, Hollywood"

Der neueste Film der Coen-Brüder eröffnete gerade die Berlinale, jetzt kommt er schon ins Kino. Und verspricht einen unterhaltsamen Abend inmitten großer Hollywood-Stars

George Clooney in "Hail Caesar"

Die Story

Das Hollywood der großen Studios und der alkoholsüchtigen Stars in den Fünfziger Jahren: Baird Whitlock (George Clooney), der Hauptdarsteller eines Bibelepos, das dem Studio "Capital Pictures" einen Riesenerfolg bescheren soll, ist verschwunden. Und taucht auch in seinen Stammkneipen, bei seinen Geliebten und nicht einmal daheim bei seiner Frau wieder auf.

Das ist das Problem von Eddie Mannix (Josh Brolin in einer seiner vielleicht besten Rollen). Mannix ist der Problemlöser von "Capitol Pictures". Wenn ein Star wie DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) schwanger ist, findet er Ehemänner. Wenn ein Dreh wegen Unwetters unterbrochen wird, lässt er Regenszenen für andere Projekte filmen. Und wenn gerade mal wieder alle relevanten Stars in Therapie sind, dann zaubert er neue aus der Tasche. Selbst wenn das wie im Falle von Westernheld Hobie Dolye (Newcomer Alden Ehrenreich), der plötzlich in einen britisch angehauchten Kostümfilm wechseln soll, alle Beteiligten fast in den Wahnsinn treibt.

Dass jedoch hinter dem Verschwinden von Whitlock "Die Zukunft" und das Geld stecken, wer überhaupt "Die Zukunft" sein könnte, dass die Kommunisten mit U-Booten vor der kalifornischen Küste kreuzen, was die Klatschreporterinnen Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer schrägen Doppelrolle) wirklich wissen und wer aus der Branche hier heimlich die Strippen zieht, das findet Mannix ebenso wie der Zuschauer erst Stück für Stück heraus.

" Hail Caesar" - Filmplakat

Die Handlung ist bei diesem Coen-Projekt aber nicht die Hauptsache ....

Die Darsteller

Hollywoods Top-Riege gibt sich hier manchmal wortwörtlich die Klinke von Eddie Mannix' Büro oder einer Studiotür in die Hand. George Clooney, der den trotteligen, aber frohgemuten verschwunden Topstar gibt, gönnt sich hier eine ganz entspannte Pause von seiner politischen Filmen und lässt all seinen Charme und seine knackigen Waden für ihn spielen. Hat schon beim Berlinale-Publikum - dort war "Hail Caesar" Eröffnungsfilm - super funktioniert und ist auch im Kino hübsch anzuschauen. Fast genauso viel Schlag beim weiblichen Geschlecht hat aber inzwischen Channing Tatum, der in diesem Film als Burt Gurney den Matrosenanzug zu neuen Ehren kommen lässt und mit Tanzeinlagen (wussten wir schon) sowie auch einer ordentlichen Gesangsstimme überzeugt. Er singt wohl mehr als daheim mal ein Wiegenlieder.


Scarlett Johansson ist sexy, Tilda Swinton schräg und wunderbar und Ralph Fiennes so englisch wie sein Akzent. Alden Ehrenreich, den wir bisher wenig wahrgenommen hatten ("Running Wild" und "Blue Jasmine" waren seine letzten Projekte), wird man auch so schnell nicht wieder vergessen.

Stiller Held des Films ist jedoch der allzeit souveräne Josh Brolin, der so breitschultrig wie lässig durch die Studiogassen schlendert, im Büro die Fäden zieht und immer pflichtbewusst versucht, Ordnung in dies Riesenchaos Hollywood zu bringe, Sorgenfalten kultiviert - und diesen Job doch offensichtlich liebt. Selbst dann, wenn er täglich zur Beichte muss.

Trailer zu Hail Caesar

Die Berlinale startet humorvoll

Trailer zu Hail Caesar: Die Berlinale startet humorvoll
©Gala

Das Fazit

Situationskomik und Dialoge - der Spaß, den sich die Coens mit ihrer großen Hollywood-Spielwiese erlaubt haben, kommt eins zu eins beim Zuschauer an. Die nicht immer ganz logische Handlung tritt in den Hintergrund vor der Tatsache, dass man von all den seltsamen Charakteren und liebevollen Details so gut und umfänglich unterhalten ist. Lauter muntere Stars, keine Minute Langeweile, ein paar ernsthafte Gedanken über das Konstrukt Hollywood, die dem Film aber dennoch nicht seine Leichtigkeit nehmen - hier haben die Coens knapp zwei Stunden ziemlich guter Kinounterhaltung hingezaubert.

Also: Hail Coen-Brüder. Und hallo Hollywood.

"Hail Caesar" kommt am 18. Februar in die deutschen Kinos.

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