Filmfestival: Ausgebuht in Cannes

Das Publikum bei den Filmfestspielen in Cannes gilt als besonders kritisch. Da werden schon mal Filme ausgebuht, die später doch Erfolge feiern. In einem eigenen kleinen Festival hat die Brooklyn Academy Of Music Streifen zusammengestellt, die an der Côte d'Azur durchgefallen sind

Robert De Niro in "Taxi Driver"

Martin Scorseses Drama "Taxi Driver" machte die damals 13-jährige Jodie Foster zum Star, Zitate wie "Redest Du mit mir? Du laberst mich an?" von Robert De Niro, der als taxifahrender Vietnamveteran mit seinem Spiegelbild redet, sind Kult. Der Film ist heute ein zeitloser Klassiker und taucht auch in der Liste der besten Filme aller Zeiten des "American Film Institute" auf. Doch das sah das Publikum 1976 in Cannes ganz anders. Obwohl er die Goldene Palme von der Jury gewann, wurde der Film bei der Preisverleihung ausgebuht.

Genau das hat "Taxi Driver" mit einigen anderen - mittlerweile - Klassikern gemeinsam: Er kam in Cannes schlecht an. Das kritische Publikum des Festivals ist schon so legendär, dass die Brooklyn Academy Of Music (BAM) den ausgebuhten Filmen eine Art Gegenfestival widmet. In New York werden bis zum 23. Mai 15 Filme gezeigt, die laut der BAM-Website "den Zorn des schillernden französischen Festivalpublikums gefühlt" haben.

Wie bei Scorsese machen die Zuschauer an der Cote d'Azur besonders vor großen Namen nicht halt. So bekam laut "indiewire.com" der Regisseur Lars von Trier 2009 für "Antichrist" neben ein wenig Applaus vor allem Buh-Rufe zu hören. Danach erlangte der Film mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe in den Hauptrollen allerdings schnell Kultstatus, Kritiker erklärten ihn zu einem "Must See" des Jahres.

Wie das Filmportal weiter berichtet, wurde auch Sofia Coppola 2006 in Cannes für "Marie Antoinette" nicht verschont. "Tree Of Life" mit Brad Pitt in der Hauptrolle gewann zwar 2011 die Goldene Palme und wurde sogar für drei Oscars nominiert, empfing allerdings wenig Gegenliebe von den Cannes-Zuschauern.

Gewohnt an die Buhrufe des Publikums dürfte Quentin Tarantino sein. Der wurde nicht nur für "Pulp Fiction" abgestraft, als er 1994 die Goldene Palme entgegennahm, sondern auch für "Inglorious Basterds". Dabei sollen die Buhrufe bei diesem Film sogar besonderen Einfluss gehabt haben. Als Tarantino aus Cannes nach Hollywood zurückkehrte, überarbeitete er einige Szenen nochmals.

Wir dürfen gespannt sein, welcher Film in diesem Jahr auf die Liste der Ausgebuhten kommt.

Vielleicht als Inspiration für den nächsten DVD-Abend - die Brooklyn Academy Of Music zeigt:

Gertrud (1964), Regie: Carl Theodore Dreyer

Under The Sun Of Satan (1987), Regie: Maurice Pialat

L'Eclisse (1962), Regie: Michelangelo Antonioni

Cannes 2013

Die schönsten Bilder vom Filmfestival in Cannes

Auch Berenice Bejo kann ihr Glück kaum fassen. Sie wird bei den diesjährigen Filmfestspielen zur "Besten Schauspielerin" für ihre Leistung in dem Film "Le Passé" ausgezeichnet.
Audrey Tautou
Amat Escalante wird in der Kategorie "Beste Regie" für den Film "Heli" geehrt.
"A Touch Of Sin" wird in der Kategorie "Bestes Drehbuch" ausgezeichnet. Regisseur Jia Zhangke und Schauspielerin Zhao Tao freuen sich riesig.

65

Twin Peaks: Fire Walk With Me (1987), David Lynch

Wild At Heart (1990), Regie: David Lynch

The Mother And The Whore (1973), Regie: Jean Eustache

The Voice Of The Moon (1990), Regie: Federico Fellini

Crash (1996), David Cronenberg

Taxi Driver (1976), Regie: Martin Scorsese

L'Argent (1983), Regie: Robert Besson

El (1953), Regie: Luis Buñuel

Mademoiselle (1966), Regie: Tony Richardson

Seconds (1966), Regie: John Frankenheimer

The Soft Skin (1964), Regie: François Truffaut

Tropical Malady (2004), Regie: Apichatpong Weerasethakul

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