Emilia Schüle im Interview: Selfies auf Instagram sind für sie tabu

Den Titel "Shootingstar" hat sich Emilia Schüle mit fünf Filmen in einem Jahr wirklich verdient. Im Interview mit GALA spricht Deutschlands beliebteste Schauspielerin über ihren bisherigen Weg und ihren Umgang mit Instagram

Kaum eine Schauspielerin ist momentan so gefragt wie Emilia Schüle, 25. Im vergangenen Jahr hat sie gleich fünf Filme gedreht. Einer davon ist die Buchverfilmung "Simpel" (Kinostart: 9. November), in der die Darstellerin in die Rolle der jungen Medizinstudentin Aria schlüpft. In dem Streifen trifft sie auf Ben und seinen geistig behinderten Bruder Simpel, die auf der Suche nach ihrem Vater sind und das Leben der unabhängigen Frau ganz schön durcheinander bringen. Im Interview mit GALA spricht Emilia Schüle über ihre russischen Wurzeln und warum die Schauspielerei für sie eine Flucht von ihrem Zuhause war.

Sie spielen die Rolle der Aria, eine unabhängige Frau und Medizin-Studentin, die sich ihr Leben alleine eingerichtet hat. Gibt es etwas, dass Sie mit Ihrer Rolle gemeinsam haben?
Ich finde, es gibt eine sehr einfache Antwort auf diese Frage. Ich finde immer eine Gemeinsamkeit mit meinen Figuren darin, dass jeder Mensch geliebt werden möchte. Darüber kann man immer eine Verbundenheit herstellen, natürlich stets mit einer unterschiedlichen Intensität. Und das ist auch hier so. Ansonsten sind wir aber sehr unterschiedlich.

Arias Umgang mit Simpels geistiger Behinderung ist bezeichnend. Statt ihn selbst anzusprechen, spricht sie mit Ben über ihn. Haben Sie das Gefühl, dass das den Umgang mit geistig Behinderten in unserer Gesellschaft wiederspiegelt in dem Sinne, dass sie nicht ernst genommen werden?
Ich glaube, ich bin ein sehr offener Mensch und auch relativ angstfrei. Ich gehe gerne auf Menschen zu. Aber so ist ja nicht jeder. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in der Filmbranche und dementsprechend gewohnt, immer wieder mit neuen Leuten zu sprechen. Eigentlich ist es so, dass man relativ selten auf Menschen mit Behinderungen trifft. Es ist leider so, dass sie nicht sehr integriert in den Alltag sind und insofern steht Aria schon für eine gewisse Gruppe von Menschen.

Hatten Sie selbst schon engeren Kontakt mit geistig Behinderten in Ihrem Leben oder ist das jetzt erst durch den Film entstanden?
In dieser intensiven Form auf jeden Fall. Es gab ein Mädchen in meiner Nachbarschaft mit Downsyndrom und ich habe einen Freund, der sich während seines Zivildienstes um jemanden gekümmert hat.

Ben und Aria kommen aus sehr verschiedenen Welten. Während Ben sehr gebunden ist, führt Aria ein unabhängiges Leben. Glauben Sie, dass eine Freundschaft oder auch Beziehung auf dieser Basis funktionieren kann?
Ja, natürlich! Ich glaube, wo die Liebe hinfällt, kann man nicht beeinflussen. Das können Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht sein, die sich ineinander verlieben oder in dem anderen etwas finden. Es sollte in der Liebe keine Grenzen geben und man sollte sich diese auch nicht selber setzen.

Aria lebt im Film alleine und hat keine wirkliche Familie. Welchen Stellenwert nimmt die Familie in Ihrem Leben ein?
Ich bin Russin, deshalb hat Familie einen sehr hohen Stellenwert. Es ist schon so, dass sich die Familie da sehr füreinander aufopfert. Ich habe an meiner Familie immer geschätzt, dass man füreinander da ist.

Vor rund zehn Jahren, mit 13, sind Sie ins Filmgeschäft eingestiegen. Hat Ihre Familie Ihre Schauspiel-Ambitionen denn gefördert?
Sie standen mir zumindest nicht im Weg, sagen wir mal so. Es ist nicht so, als wären sie extrem pushy gewesen oder als wäre das auch ihr Traum gewesen, aber sie haben mir den Freiraum gelassen und mir viel ermöglicht. Gleichzeitig glaube ich, dass sie mir die Schauspielerei schon verwehrt hätten, wenn ich schlecht in der Schule gewesen wäre, aber das war zum Glück nicht der Fall.

Emilia Schüle: "Ich konnte vom Alltag zu Hause fliehen"

Sie haben momentan wirklich viele Filme an Start, neben "Simpel" sind Sie auch in "High Society" und "Es war einmal Indianerland" zu sehen. Kommen Sie da auch mal zur Ruhe oder sind Sie jemand, der gerne viel arbeitet?

Es ist bei mir ein wenig ein Zwiespalt. Auf der einen Seite wünsche ich mir zwischendurch sehr gerne Ruhe, einfach mal sieben Tage, wo man keine E-Mails hat oder Bücher lesen muss und Termine hat. Auf der anderen Seite merke ich aber auch, dass ich das einfach nicht gut kann. Ich kann Ruhe am besten genießen, wenn ich ins Ausland flüchte. Ich reise sehr gerne, denn das Ausland ist der einzige Ort, wo ich es schaffe, wirklich komplett weg zu sein. Ich liebe ruhige Wochenenden, an denen ich kochen und entspannen kann. Es kann sein, dass ich dieses Jahr fertig bin mit Drehen, weil ich momentan nichts auf dem Tisch habe, das ich gut genug finde. Und dann denke ich: ‚Ist doch gut, Emilia‘, aber auf der anderen Seite macht mich das auch wahnsinnig. Wie gesagt, ich bin da zwiegespalten, einerseits sehne ich mich nach Ruhe und Freizeit. Andererseits machen mich Zeiten, in denen kein Projekt ansteht, auch unruhig.

Seit Ihrer ersten Kinorolle in "Freche Mädchen" ist wahnsinnig viel passiert. Müssen Sie sich eigentlich noch selbst Ihres großen Erfolges bewusst werden?
Jein. Am Anfang war ich ein Tennie und jemand, der einfach nur das Glück hatte, vom Alltag zu Hause zu flüchten und Filme zu drehen. Irgendwann hat sich bei mir aber aktiv der Wunsch verankert, Schauspielerin zu werden und selbst entscheiden zu können, was ich mache. Ich hatte immer den Wunsch, Rollen zu spielen, die sich von mir unterscheiden, wie zum Beispiel die Heroinabhängige in "Tod den Hippies". Als ich dann die "Goldene Kamera" bekommen habe, war es für mich schon so etwas wie ein Wendepunkt. Deswegen kann ich die letzten Jahre schon ganz gut einordnen. 

Sie gehören zu eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen, die auf Instagram aktiv sind. Sie fotografieren sehr gerne. Ist das der Hauptgrund für Ihre Präsenz dort?
Ich fotografiere tatsächlich sehr gerne, deswegen ist es für mich die ideale Plattform. Klar, man geht mit dem Zeitgeist mit und irgendwann dachte ich, warum nicht gewisse Erlebnisse auf Instagram teilen. Es sind dort keine produzierten Momente, das ist mein Leben. Warum sollte man das nicht teilen? Nichtsdestotrotz ist es ein öffentliches Profil und kein privates.

Gibt es denn etwas, was Sie auf Ihrem Kanal niemals posten würden? 
Es ist auf jeden Fall alles sehr bewusst, was ich da teile. Ich poste zum Beispiel auch keine Selfies, weil das etwas total Intimes für mich ist. Bei ganz vielen Leuten ist das anders, aber ich finde das sehr privat.

Gibt es einen Schauspieler, mit dem Sie in Zukunft gerne noch drehen würden?
Ja, klar. Das sind so viele. Wenn ich die Wahl hätte, dann bitte Jennifer Lawrence, Natalie Portman, Marion Cotillard und Cate Blanchett in einem Fünferpack mit mir in einem Film.

Nach "Boy 7" haben Sie bereits zum zweiten Mal mit David Kross vor der Kamera gestanden. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm aus?
David ist einfach ein sehr, sehr guter Mensch mit einer herzensguten Seele. Zudem ist er locker bei der Arbeit und bescheiden. Das macht es sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Obwohl es bei "Simpel" ein bisschen anders war in dem Sinne, dass es für ihn eine Riesenaufgabe war, diese Rolle zu spielen. Dadurch war er sehr konzentriert und Markus Goller hat auch sehr gefordert. Das hat man nach dem Ende des Drehs gemerkt, dass er dann wieder ein anderer war. 

Sie spielen in "Simpel" eine Nebenrolle mit sehr viel Tiefe. Haben Sie den Eindruck, dass es gerade in der deutschen Filmlandschaft noch zu wenig solcher Rollen für Frauen gibt?
Ich denke, wenn diese Tiefe fehlt, dann vor allem in romantischen Komödien. Ansonsten finde ich, dass der Anspruch von jedem Schauspieler und Regisseur, den ich kenne, ist, der Figur eine Tiefe zu geben, egal ob Haupt- oder Nebenrolle. Wenn eine Rolle keinen Charakter hat, dann gibt es ja nichts zu spielen. Ich glaube, das Problem ist eher, dass es zu wenig weibliche Regisseure und zu wenig Hauptrollen für Frauen gibt. Das habe ich auch selbst gespürt. In den letzten Jahren habe ich viel gedreht, im letzten Jahr habe ich 5 Kinofilme gemacht, nur in 2 davon war ich die Hauptfigur, aber die absoluten Hauptrollen wurden meist von Männern gespielt.
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